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Welterbe der UNESCO
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Wunderwelt Wattenmeer 

von Sven Bremer

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Quelle: DuMont Reiseverlag/Martin Kirchner

Es wurden keine tanzenden Wattwürmer gesichtet, keine feuchtfröhlichen Partys auf den Seehundbänken gefeiert. Auch drehten Austernfischer keine übermütigen Salti in der Luft an jenem 26. Juni des Jahres 2009. Dabei hätten die Wattbewohner an diesem Freitag allen Grund zur Freude gehabt. Das gesamte Wattenmeer – und mitten drin der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer – wurde zum Unesco-Weltnaturerbe ernannt.

Quelle: DuMont Reiseverlag/Martin Kirchner Damit steht das Wattenmeer an der ostfriesischen Küste, bereits 1986 zum Nationalpark ernannt, noch einmal unter ganz besonderem Schutz und befindet sich in illustrer Gesellschaft mit weltberühmten Natur wundern wie dem Great Barrier Reef in Australien, dem Grand Canyon in den USA und den Galapagos-Inseln im Pazifik. Die Jury der Unesco nannte das Wattenmeer „eine überragende Naturerscheinung von außergewöhnlicher Naturschönheit und ästhetischer Bedeutung“. Vor allem aber ist es eine weltweit einzigartige Landschaft. Was für den Laien auf den ersten Blick wie eine scheinbar end- und leblose Fläche räulichbrauner „Matschepampe“ aussieht, ist in Wirklichkeit ein äußerst sensibles Ökosystem. Kinderstube und Lebensraum für rund 10 000 hoch spezialisierter Pflanzenund Tierarten. Überall kribbelt und krabbelt es, Tausende von Lebewesen kreuchen und fleuchen auf nur einem Kubik meter Watt. 50 000 Schlickkrebse und mehr teilen sich ihre Wohnung mit genau so vielen Wattschnecken.

NUR DIE PFIFFIGSTEN ÜBERLEBEN

Die ständige Veränderung durch Ebbe und Flut verlangt den Wattbewohnern einiges ab. Man muss sich das ungefähr so vorstellen, als würde man täglich zweimal durch die Waschmaschine geschleudert und anschließend in den Trockner gesteckt werden. Die Lebewesen in den Prielen, auf den Sandbänken und im Schlick – die Muscheln, Schnecken und Krebse – haben sich die ungewöhnlichsten Taktiken „ausgedacht“, um zu überleben. Und auch die Pflanzen in den Salzwiesen haben den Dreh raus. Der Queller beispielsweise verdünnt den hohen Salzgehalt des Nordseewassers, indem er sich einen eigenen Süßwasserspeicher anlegt. Weitaus präsenter für den Menschen sind die Millionen Vögel, die das Wattenmeer – das vogelreichste Gebiet in Mitteleuropa – als Rast- oder Brutstätte nutzen. Am häufigsten lassen sich verschiedene Gänse- und Entenarten, Alpenstrandläufer und Heringsmöwen sowie Säbelschnäbler und Pfuhlschnepfen blicken. Unüberhörbar sind die Trillerzeremonien der Austernfischer. Die „Stars“ im Watt sind jedoch die Seehunde und Kegelrobben, deren Population sich aufgrund intensiver Bemühungen stabilisiert und zum Teil sogar vergrößert hat.

NICHT NUR SONNENSCHEIN

Quelle: DuMont Reiseverlag/Martin Kirchner Im Vorfeld der Nominierung zum Welterbe war im Prozedere der (Watt)Wurm drin. Hamburg stieg aus dem Vertrag aus, weil es auf einer Elbvertiefung bestand. Die Hansestadt erklärte jedoch noch am Tag der Ernennung, dass sie ihren Teil des Wattenmeeres bei der Unesco nachnominieren lassen wolle. Und nicht alle sind nach der Ernennung in grenzenlosen Jubel ausgebrochen. So moserte der Wattenrat, ein Zusammenschluss ostfriesischer Naturschützer, zum Titel passe es so gar nicht, dass vor Borkum riesige Off-Shore-Anlagen zur Nutzung der Windkraft gebaut würden. Auch die exzessive Freizeitnutzung an der Küste sei nicht eben preiswürdig. Zudem befürchtet der Wattenrat, dass der Tourismus durch den Welterbe-Status noch zunimmt. Doch auch hier gilt die uralte Weisheit, dass der Mensch vor allem für das Interesse hat, was er kennt und schätzt. Deshalb wird es in Zukunft darauf ankommen, ein Gleichgewicht zwischen den Interessen des Wattwurms und der Wirtschaft herzustellen – eine nicht eben dankbare Aufgabe mit reichlich Zündstoff.

FAKTEN

Das gesamte Wattenmeer vom niederländischen Den Helder bis hinauf nach Dänemark erstreckt sich über eine Länge von ca. 450 Kilometer und maximal 40 Kilometer Breite auf einer Fläche rund 9000 Quadratkilometer. Rund 30 Prozent des Gebiets gehört zu den Niederlanden, 60 Prozent zu Deutschland und zehn Prozent zu Dänemark. Die Grenzen des niedersächsischen Wattenmeers (Gesamtfläche: 2777 Quadratkilometer) sind im Westen der Dollart, im Osten die Außenelbe bei Otterndorf. Informationen bei der Nationalparkverwaltung Nieder sächsisches Wattenmeer, Virchowstraße 1, 26382 Wilhelmshaven, Tel. 0 44 21/91 10, www.nationalparkwattenmeer.
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