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Franz Kafka
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Ein Käfig ging einen Vogel suchen 

von Thomas Veszelits

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Quelle: DuMont Bildarchiv/ Martin Specht

Als Wegbereiter führte Franz Kafka Prags Literatur zu Weltruhm. Nichts Ungewöhnliches geschieht in seinen Werken. Dennoch sind die Sätze erschütternd, ungeheuer, unbegreiflich – „kafkaesk“ eben.

Grau ist der Tag in Prag, schwarz die Nacht. Finster die Herren des Schlosses. Geifernde Killer schleichen um die Gassen. So zeichnet Hollywood-Regisseur Steven Soderbergh Kafkas Welt in seinem Film „Kafka“. Als Sohn eines jüdischen Galanteriehändlers am 3. Juli 1883 in Prag geboren, studierte Kafka Jura an der Karlsuniversität. Nach einem Praktikum ging er zur Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt, wo er bis zur vorzeitigen Pensionierung 1922 blieb. Ende 1917 erlitt er einen Blutsturz, Ausbruch einer Tuberkulose, an der Kafka nur wenige Jahre später, am 3. Juni 1924, starb. So kurz und farblos sein Lebenslauf, ein kinderloser Junggeselle, kauzig und komisch, mit drei um ihn besorgten Schwestern; so konträr spannend sein literarisches Vermächtnis.

Kein fertiger Roman, nur Fragmente, Kurzgeschichten und Erzählungen. Die Handlung verliert sich stets in Metaphern. Und obwohl Kafka keine Orte nennt, lässt sich Prag in seinen Schilderungen nachvollziehen. Die Inspiration für „Beim Bau der Chinesischen Mauer“ entspringt Karls IV. Hungermauer auf der Kleinseite. „Das Schloss“ erscheint in seiner Bedrohlichkeit wie die Machtzentrale Hradschin. Um diese Stimmung einzufangen, mietete sich Kafka im Goldenen Gässchen Nr. 22 ein. Im Palais Schönborn, wo heute die US-Botschaft residiert, befand sich Kafkas letzter Wohnsitz, bevor er seinen Leidensweg durch die Lungensanatorien antrat. Passend dazu entpuppt sich der Prosaband „Ein Landarzt“.

Während des Sozialismus war Kafka wegen seiner pessimistischen Weltanschauung verpönt. Seine Werke waren nur noch antiquarisch aufzutreiben. DuMont Bildarchiv/ Martin Specht Wegen dieser Systemwillkür gehörte Kafka zu den Geistern, die 1968 den Prager Frühling riefen. Nach der Wende entflammte sofort der Kafka-Kult – mit T-Shirts, Postern, Tassen. Dennoch, Doktor Kafka bleibt das unbekannte Wesen, ist jederzeit für eine neue Sensation gut. Rechtzeitig zum 125. Geburtsjubiläum erschien auf einer Auktion ein Liebesbrief, erster und einziger an die Prager Sekretärin Julie Wohryzková, vom 18. Juni 1919. Und plötzlich steht Kafka in neuem Licht da: als ein Mann mit geheimen, unerfüllten Sehnsüchten. Einer, der heiraten und eine Familie gründen wollte. Bisher galt Kafka als psychoneurotisch belasteter Einzelgänger. Wichtiger aber ist seine literarische Bedeutung: Wer ihn noch nicht gelesen hat, kennt die Macht der Sprache nicht. Und man braucht nicht einmal Tschechisch zu lernen, um ihn im Original zu lesen. Kafka schrieb auf deutsch.

KAFKAS SPUREN IN PRAG

  • Kafka-Büste – markiert den Standort seines Geburtshauses, inzwischen ab gerissen (Altstadt, Náměstí Franze Kafky 1, Ecke Maislova).
  • „U Minuty“ – ein Renaissance-Haus mit schwarzen Sgraffiti steht für Franzls Kindheit, 1889–1893 (Altstadt, Staroměstské náměstí 2).
  • Teynkirche – aus seinem Zimmer im Pfarrhaus „U tří králů“ (drei Könige) blickte er verängstigt in den düsteren Kirchenhof (Altstadt, Celetná 3).
  • Karolinum – Promotion zum Dr. Jura 1906 (Altstadt, Obstmarkt/Ovocný trh 1).
  • Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt – sein Arbeitsplatz bis 1922 (Neustadt, Na Poříčí 7).
  • Goldenes Gässchen – literarisches Asyl im Zwerghaus Nr. 22 (Hradschin, 3. Burghof).
  • Palais Schönborn – letzter Wohnsitz, heute US-Botschaft (Kleinseite, Na tržišti 15).
  • Hungermauer – Kafkas beliebter Spazierweg (Kleinseite, Újezd).
  • Neuer jüdischer Friedhof Olšany – Kafkas letzte Ruhestätte. (Žižkov, Sommer 9.00–17.00, Winter 10.00–16.00 Uhr, Sa./Sabbath geschl.; Metrolinie A: Želivského).
  • Café Arco – Kafkas Stammtisch mit Lesungen (Neustadt, Hybernská 16, tgl. 10.00–22.00 Uhr).
  • Café Franze Kafky – schwermütige Originalzitate mit Todessehnsucht an der Wand (Josefstadt, Široká 12, tgl. 10.00–22.00 Uhr).
  • Kafkas Alter Ego – das bronzene Denkmal soll Kafkas gespaltene Persönlichkeit symbolisieren (Josefstadt, bei der Spanischen Synagoge, Dušní 3).

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