von Susanne Tschirner

The Drowning of the ShamrockSt. Patrick und sein Tag

Ihrem Nationalheiligen, dem hl. Patrick, bringen die Iren eine ganz besondere Verehrung entgegen. Wo immer in der Welt mehr als zwei von ihnen zusammenhocken, heißt es, feiern sie seinen Tag. Heute ist der 17. März ein Fixpunkt des irischen Festkalenders.

Ein viertägiges Festival um den St. Patrick’s Day verwandelt Dublin in einen einzigen brodelnden Straßenkarneval. Tanzfete, Konzerte, Veranstaltungen für die Kleinen, Sonderausstellungen und Feuerwerk sind feste Bestandteile des Mammutprogramms.

Der Heilige

Um das Jahr 400 verschleppten irische Piraten den etwa 16-jährigen Phádraig aus dem römischen Britannien als Sklaven nach Irland. Bevor ihm nach etwa sechs Jahren die Flucht gelang, hatte ihn der Ruf des Herrn wie auch der ›Ruf Irlands‹ ereilt, denn erstaunlicherweise zog es ihn später wieder auf die Insel seiner Gefangenschaft: Nach Jahren der Reise, u. a. auf die Tyrrhenischen Inseln und nach Auxerre, wo er seine geistliche Bildung erhielt, kehrte er 431 als Bischof nach Irland zurück.

Phádraig konzentrierte seine Tätigkeit auf den Norden und Westen Irlands, wo er wahrscheinlich den Bischofssitz Armagh im heutigen Nordirland gründete. Seine Mission setzte gezielt bei den Stammesfürsten und Königen an. Einige von ihnen überzeugte er von den Vorteilen der neuen Religion. In seiner autobiografischen, in einem etwas krausen Latein geschriebenen »Confessio« (Bekenntnis) tritt Phádraig seinen Kritikern entgegen und gibt Rechenschaft über seine Missionstätigkeit. In der »Epistola ad Coroticum« fordert er die Exkommunikation des mächtigen britannischen Heerführers Coroticus, der Täuflinge Phádraigs gefangen genommen und in die Sklaverei verschleppt hatte.

Irlands Apostel scheute offenbar nicht davor zurück, sich einflussreiche Zeitgenossen zu Feinden zu machen. Die Druiden, seine religiösen Erzrivalen, waren verständlicherweise auch nicht gut auf ihn zu sprechen. Trotzdem starb er nicht als Märtyrer, sondern ganz friedlich im Jahre 461.

Die Legenden

Zahlreiche Legenden rankten sich seit dem 7. Jh. um den erfolgreichsten Missionar Irlands. In Cashel soll der findige Heilige anhand eines dreiblättrigen Kleeblatts (shamrock) dem staunenden Hochkönig das Mysterium der heiligen Dreifaltigkeit verdeutlicht haben. Auf dem Berg Croagh Patrick soll er nach 40 Tagen Fasten im Jahre 440 sämtliche Schlangen, Drachen und sonstige reptilienartige Monster aus Irland vertrieben haben.

Unter den englischen Eroberern wurde aus dem keltischen Phádraig Patrick und spätestens im 17. Jh. hatte sich der 17. März als St.-Patricks-Tag in Irland durchgesetzt. Der englische Reisende Thomas Dinely notierte, dass alle Iren an diesem Festtag Kreu ze, grüne Bänder und Kleeblätter trügen und spätestens abends betrunken darnieder lägen: drowning the shamrock.

Der Tag

Heutzutage trägt man am 17. März grüne oder, in den Nationalfarben, grün-weiß-orangene Kokarden, irgendein grünes Kleidungsstück oder runde grüne Plastiknasen. Die Jungen färben sich die Haare grün oder grünweiß- orange, schwenken Fähnchen und Rasseln. Den Revers ziert ein Shamrock-Sträußchen.

Im guten alten 20. Jh. bestand der St. Patrick’s Day in Dublin hauptsächlich aus der Parade. Noch heute zieht gegen 12 Uhr vom St. Stephen’s Green die Riesenprozession los. Sie besteht aus Musik- und Tanzgruppen aus aller Welt, Wagen und Zügen Dubliner Wirtschaftsunternehmen, Schulformationen mit Blaskapellen, Theatergruppen, Pantomimen und verkleideten St. Patricks. Bis zu eine Million Zuschauer füllen die Straßen, vor allem die Hauptzugmeile von der Christ Church Cathedral zur O’Connell Street. Und: Fleißig verschreibt man sich auch im 21. Jh. dem feucht-fröhlichen ›Ertränken des Shamrock‹.


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  • Susanne Tschirner Unterwegs in Irland und dem Elsass

    Susanne Tschirner ist für DuMont Reise unterwegs in Irland, Schottland, dem Elsass und der Provence.

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