Ein ehrlicher und humorvoller Einblick hinter die Türe eines Airbnb-GastgebersRollkofferterroristen

»Und dann ist er da, der Tag, vor dem ich mich die letzten Monate immer gefürchtet habe. Ich habe geahnt, dass er irgendwann kommen wird. Ich habe gebetet, dass die Angst unbegründet ist. Aber die Gebete blieben ungehört. Es ist der Dienstag nach Ostern, und ich bereue es bitter, meine Wohnung über Airbnb vermietet zu haben. […] Ich bin auf der Flucht.«

Jens Brambusch hat in seinem Leben schon viel erlebt. Bereits während seines Studiums der Arabistik und später als Reporter für die Financial Times Deutschland war er oft in der Welt unterwegs und lernte dabei die unterschiedlichsten Menschen und Persönlichkeiten kennen. Im Zuge eines Umzugs von Hamburg nach Berlin landet er in einer gemütlichen Zweizimmerwohnung in Berlin Friedrichshain – nichtsahnend, dass ihn diese Wohnung einmal dazu bringen wird, vor feierwütigen Finnen zu flüchten. Denn als später auch noch die Wohnung über ihm frei wird kommt ihm die Idee, die erste Wohnung über Airbnb zu vermieten und selbst in die Wohnung darüber einzuziehen.

»Was habe ich schon zu verlieren? […] Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert!«

Vom Saulus zum Paulus – Mit einer großen Portion Selbstironie

80 Quadratmeter im Hinterhaus eines Berliner Altbaus, knarzende Dielen und hohe Decken – die besten Voraussetzungen also, seinen Plan in die Tat umzusetzen. Mit viel Liebe zum Detail richtet er die Wohnung für die kommenden Bewohner auf Zeit ein. Doch » […] was gibt es Langweiligeres (für ein Buch) als Gäste, die kommen und geräuschlos wieder gehen, und alles, was sie hinterlassen, ist ein feucht gefeudelter Dielenboden, der nach Frühlingswiese duftet?« Die Langeweile ist ganz schnell vorbei, als Niko und seine acht starken Männer aus Finnland die Herrschaft über die idyllische Altbauwohnung übernehmen und sich ins Delirium feiern.

 

Nach und nach beginnt die perfekte Fassade des Airbnb-Gastgebertums zu bröckeln und er muss erkennen, wie sich sowohl die Gäste und ihre Ansprüche als auch der Tourismus als solcher in Berlin immer stärker verändern. Dabei sieht er sich schließlich immer stärkeren Herausforderungen und Problemen gegenüber. Das Motto von Airbnb lautet zwar „Live like a local“, was er jedoch selbst erlebt ist viel mehr „Party hard“.

»No more Rollkoffer!«

Rollkofferterroristen von Jens Brambusch ist eine selbstironische Abrechnung und ein Werk voller skurrilen Anekdoten mit allerlei Situationskomik. Ebenso stattet Jens Brambuch die Leser*innen mit wertvollen Tipps aus: Für Gastgeber, um gute Bewertungen zu bekommen und potenzielle Krawallmacher im Vorfeld zu erkennen, und für Gäste, wie sie sich in fremden Wohnungen verhalten sollten.

Leseprobe

»Mein Nebenjob als Hobby-Hotelier läuft hervorragend an. Die Horrorgeschichten, von denen ich gehört und gelesen habe, wähne ich im Reich der Mythen. Meine Befürchtungen, nach jeder zweiten Buchung die Bude renovieren zu müssen, verfliegen nach und nach. Wahrscheinlich bin ich bloß ein Airbnb-Hypochonder. Es ist wie mit dem Googeln nach Krankheiten. Wer sucht, der findet. Statt schlechter Erfahrungen sammle ich neue Kontakte. Ich lerne Menschen aus allen Teilen der Welt kennen. Ein wenig fühlt es sich an wie das Sommermärchen 2006 – die Welt zu Gast bei Freunden. Die meisten Besucher sind ausgesprochen nette Menschen, interessante Leute, vielfach aus Europa, anfangs oft aus Frankreich und Belgien, und natürlich aus Deutschland. Eine bunte Mischung an Konstellationen zieht für ein paar Tage in meiner Ferienwohnung ein. Pärchen, Freunde und Familien. Und mindestens einmal, glaube ich, eine heimliche Affäre. Er trägt einen Ehering, sie nicht. Ihn schätze ich auf Mitte bis Ende fünfzig ein, sie vielleicht halb so alt. Er sagt, er kommt aus Wiesbaden. Sie besteht darauf, in Nürnberg zu wohnen. Er verdreht die Augen. Sie lächelt frech. Die Rolle als Herbergsvater gefällt mir. Es interessiert mich, zu sehen, wie die Gäste auf die Wohnung reagieren. Es freut mich, wenn sie ihnen gefällt. Ich grinse in mich hinein, wenn ich feststelle, dass die Methode der subtilen Bestechung in Form von Kaffee kombiniert mit Milchlieferservice und ein wenig Alkohol aufgeht. Einige der Gäste treffe ich in Uschis Kneipe wieder. Wir trinken Bier zusammen, kickern und haben Spaß. Meine Bedenken, die ich anfangs hatte, sind wie weggeblasen. Dann kommt Nadav.«

Skurrile Anekdoten und ein schonungslos ehrlicher Blick hinter die perfekte Fassade des Airbnb-Gastergebertums

 

Der Autor

Jens Brambusch, Jahrgang 1972, hatte nie vor, Wirtschaftsjournalist zu werden. An exotischen Orten wie Ramallah, Izmir und Würzburg studierte er Arabistik, ehe er zur Financial Times Deutschland wechselte. Später schrieb er für das Wirtschaftsmagazin Capital. Seine Reportagen wurden mehrfach für Medienpreise nominiert, einige gewann er. Auch hatte er nie geplant, eine Wohnung über Airbnb zu vermieten. Tat es aber doch. Seine Erfahrungen hat er in »Rollkofferterroristen« verarbeitet. Jens Brambusch lebt mittlerweile auf einem Segelboot im Mittelmeer.

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