Spektakuläre Eisenbahnen Extreme Bahnstrecken – zum Staunen und Fürchten

Bahnfahren ist nicht nur der Landschaft wegen ein Erlebnis. Einige Eisenbahnstrecken treiben den Passagieren den Angstschweiß aus den Poren – trotz gleichzeitiger Faszination und Bewunderung der technischen Meisterleistung. Andere wiederum sind höchst amüsant, wie etwa die thailändische Bahn durch den Maeklong-Markt, für die Händler innerhalb kürzester Zeit ihre Stände abbauen müssen.

Durch den thailändischen Maeklong-Markt fährt eine Bahn – Händler müssen schnell reagieren. | © sihasakprachum, iStock

Die heftigste Bahnstrecke der Welt: Ecuador

Der steile Abschnitt ist nur kurz, hat es aber in sich: Die zwölf Kilometer zwischen Alausi und Sibambe gelten als Meisterleistung in Sachen Schienenbau. Innerhalb einer halben Stunde wird hier eine Höhendifferenz von 500 Metern überwunden, das übliche Maximum von 4% Steigung also deutlich überstiegen. Möglich gemacht wird die schnelle Steigung durch übereinander liegende Spitzkehren, die der Zug im Zick-Zack-Verfahren befährt.

Für die Anwohner der beiden Orte war die Bahn, die 1908 erstmals in Betrieb genommen wurde, ein Segen. Davor konnten sie aufgrund des tiefen Taleinschnitts nicht einmal reitend zueinander kommen. Die 4000 jamaikanischen Arbeiter, die zum Bau der Eisenbahnlinie mit großen Versprechungen ins Land gelockt wurden, kamen zum Großteil dabei um. Auch deshalb heißt der Berg, den die Eisenbahn zum „Aufstieg“ benutzt, Teufelsnase – Nariz del Diablo.

Die skurrilste Bahnstrecke der Welt: Thailand

Der über 100 Jahre alte Maeklong-Markt, 80 Kilometer südwestlich der thailändischen Hauptstadt Bangkok, ist für seine Eisenbahn berühmt, die mittendurch fährt. Es heißt, die Marktverkäufer seien aus Trotz hier geblieben, nachdem die Eisenbahnlinie gebaut worden war. Nun teilen sie sich die Schienen mit der Bahngesellschaft – und ziehen damit Touristen aus aller Welt an. Denn wenn der achtmal am Tag verkehrende Zug eintrifft, müssen die Stände schnell eingeklappt und die Früchte und das Gemüse in Sicherheit gebracht werden. Deshalb heißt er auch „Talad Rom Hoop“, also „Schirm-klapp-weg“-Markt. Dabei beweisen die thailändischen Marktverkäufer perfektes Augenmaß: Nur wenig Feilgebotenes kommt unter die Räder.

Die steilste Bahnstrecke der Welt: Österreich

Die steilste Adhäsionsbahn der Welt fährt vom Hauptplatz in Linz in rund 20 Minuten auf den idyllischen Pöstlingsberg – mit sagenhaften 10,5 Prozent auf fast der gesamten Strecke. Als Adhäsionsbahn gilt übrigens eine Bahn, die sich ohne Zahnrad oder Seilzug fortbewegt, allein durch die Haftreibung der Räder auf den Schienen. Neben der Retrobahn und der schönen Aussicht am Pöstlingsberg ist auch die „Erlebniswelt Pöstlingsberg“ mit Bergbahn, Grottenbahn und einem Museum einen Besuch wert.

Die höchste Bahnstrecke der Welt: China

Eines der größten Eisenbahnbauprojekte des 21. Jahrhunderts – der zweite Abschnitt wurde erst 2005 fertig gestellt – ist die Lhasa- oder Tibet-Bahnstrecke zwischen Xining und Lhasa mit knapp 2000 Kilometer Länge. Ab Golmud beginnt die Eisenbahn zu „klettern“: von 2828 Meter bis auf 5071 Meter auf der Tanggula-Passhöhe. Diese „allerhöchste Eisenbahn“ hat aber noch eine ganze Reihe weiterer Rekorde zu verzeichnen: Der Neue-Guanjiao-Tunnel ist mit 32.600 Metern der längste Eisenbahntunnel Chinas, der Fenghuoshan-Tunnel ist der höchste Tunnel der Welt (4905 m) und Tanggula (5.068 m) darf sich „höchstgelegener Bahnhof der Welt“ nennen. 

Die gefährlichste Bahnstrecke der Welt: Japan

Der Trans-Kyushu-Express fährt am aktiven Vulkan Aso vorbei. So harmlos grasbewachsen er auch aussieht, so faustdick hat er es unterm Krater: Unkontrolliert austretendes Gas und herumfliegende Gesteinsbrocken können gefährlich werden, weshalb die vulkanischen Aktivitäten engmaschig mittels Sensoren überwacht werden. Dafür gibt es im November, wenn das trockene Gras an den Flanken des Bergs entzündet wird, nächtliche Sonderzüge, um das Spektakel zu bestaunen. Die Strecke von Hitoyoshi nach Beppu hat noch ein weiteres Highlight zu bieten: Beppu ist landesweit bekannt für seinen heißen Quellen (Onsen): 2800 wurden gezählt, allein im Stadtgebiet.

Die lustigste Bahnstrecke der Welt: China

In einer der größten Städte Chinas, in Chongqing, herrscht Platzmangel. Dem ist es geschuldet, dass die Stadtbahn mitten durch ein Wohnhaus fährt. Sogar eine Haltestelle gibt es in dem 19-stöckigen Gebäude. Gemeinsam mit dem Architekten des Hauses wurde die Streckenführung geplant. Was für viele wie ein Alptraum anmutet, ist für die meisten Anwohner aber ein klarer Vorteil: Die Strecke zur Haltestelle ist denkbar kurz. Und der Zug angeblich so leise wie eine Geschirrspülmaschine. Auch Vibrationen, heißt es, soll es keine geben.

Völlig exotisch? Mitnichten! Auch in Berlin gibt es eine U-Bahn, die durch ein Gebäude fährt. Allerdings sieht es dort längst nicht so spektakulär aus, weil das Viadukt geschlossen ist und man dadurch den Zug nicht in das Mietshaus einfahren sieht. Die Bewohner der Dennewitzstraße 2 sind mehrheitlich zufrieden damit. Auch hier soll es im Haus sehr ruhig zugehen.

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von Solveig Michelsen

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