Umwelt & Nachhaltigkeit Einfache Rezepte für nachhaltiges Reisen

Nachhaltigkeit ist eines der am häufigsten missverstandenen Schlagworte unserer Zeit. Besonders in Bezug auf Reisen. Denn umwelt- und sozialverträgliches Reisen bedeutet nicht, auf Komfort zu verzichten oder gar tief in die Tasche greifen zu müssen. Mit ein paar einfachen „Rezepten“ sichern Sie sich ein gutes Gewissen – und beweisen Verantwortung der bereisten Region und der nächsten Generation gegenüber.

Auch das gehört zum nachhaltigen Reisen: Achten auf artgerechte Haltung der Tiere. | © 4FR, iStock

Sozial gerecht, kulturell angepasst und ökologisch tragfähig soll das Reisen sein. Puh, eine ganz schöne Menge Anforderungen. Zum Glück gibt es inzwischen einige Reiseanbieter, die auf die Erfüllung nachstehender Kriterien achten, sodass einem die Überprüfung jedes einzelnen Punkts erspart bleibt. Trotzdem ist es wichtig zu wissen, was nachhaltiges Reisen überhaupt ausmacht. Und warum es immer wichtiger wird.

Nachhaltig anreisen

Egal wie umweltbewusst Sie leben – eine einzige Flugreise wird Ihnen den ökologischen Fußabdruck wieder zunichte machen. Oberste Priorität ist es deshalb, auf Fernreisen zu verzichten und die näheren Regionen zu erkunden. Wer auf ferne Ziele nicht verzichten möchte, sollte auf ein angemessenes Verhältnis von der Anreise zur Urlaubsdauer achten (also möglichst lange im Urlaub bleiben!) und einen klimatischen Ausgleich für die Flugreise in Betracht ziehen. Die gemeinnützige Klimaschutzorganisation Atmosfair bietet zum Beispiel eine unkomplizierte Kompensation der CO2-Emissionen an: Für einen Flug oder eine Kreuzfahrt werden die verursachten CO2-Belastungen berechnet, die dann anschließend als Geldwert gespendet werden können – an ein Klimaschutzprojekt, das diesen Wert wieder hereinholt.

Umweltverträgliche Unterkunft aussuchen

Wann ist eine Unterkunft umweltverträglich? Das hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Für eine Beurteilung sollten Sie sich folgende Fragen stellen: Ist die Unterkunft in ihrer Größe der Region angemessen, sprich stimmt das Verhältnis von Einwohnern zu Touristenbetten? Fügt sie sich harmonisch ins Landschaftsbild ein? Wurde sie unter ökologischen Gesichtspunkten errichtet? Wird sie sozialverträglich betrieben, sprich herrschen dort faire Arbeitsbedingungen? Nutzt die Unterkunft lokale Dienstleister und regionale Produkte? Wird auch beim Essen Wert auf hochwertige und fair gehandelte Ware gelegt? Nicht immer können Sie alles selbst beantworten, weshalb es auch hier Auszeichnungen unterschiedlichster Art gibt, die Ihnen das richtige Hotel aufzeigen können. Aber Vorsicht: Auch hier gibt es schwarze Schafe, die sich unter einem grünen Deckmantel ökologische Unbedenklichkeit bescheinigen lassen und doch nur den Schein wahren wollen. Da die Seriosität mancher Nachhaltigkeitslabels schwer einzuschätzen ist, sollten Sie sich an die etablierten Siegel halten, zum Beispiel das Green-Key-Zertifikat, die Zertifizierung ISO 14001 oder das Label Biosphere. Hilfe im Dschungel der grünen Unterkünfte bietet die Webseite www.bookdifferent.com.

Auf faire Arbeitsbedingungen achten

Nicht immer können Sie als Gast die Arbeitsbedingungen in einer Unterkunft wirklich beurteilen. Doch ein Gradmesser ist die allgemeine Stimmung unter der Belegschaft: Wird hier respektvoll, freundlich und freudig miteinander umgegangen? Falls nicht, mag dies ein Indiz für schlechte Arbeitsbedingungen sein. Denn Unmut wird zumeist von oben nach unten weitergereicht und lässt sich nur schwer hinter einer Maske verstecken. Vertrauen Sie hier Ihrem Bauchgefühl und fragen Sie ruhig einmal nach, ob die Mitarbeiter mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden sind. Für eine objektive Einschätzung müssen Sie sich in dem Punkt wieder auf eines der Zertifizierung-Labels verlassen.

Lokale Dienstleistungen nutzen

Nicht nur das Hotel selbst, auch Sie als Gast sollten anstreben, Dienstleistungen vor Ort zu nutzen. Taxifahrer, Barkeeper und Reiseleiter sind oftmals auf die touristischen Einnahmen angewiesen und möchten auch von den Besuchern ihrer Region profitieren. Natürlich steht Ihr eigenes Bedürfnis hier im Vordergrund, doch lohnt sich manchmal ein Gedanke über Alternativen: Kaufe ich eine Dienstleistung von einer florierenden Hotelkette oder gebe ich lieber dem lokalen Händler den Zuschlag? Auch hier können Sie mit wenig Aufwand Ihre Bequemlichkeit überwinden und für einzelne Menschen einen großen Unterschied machen.

Sportliche Aktivitäten der Umgebung anpassen

Die sportlichen Aktivitäten im Urlaub sollten der Umgebung angepasst werden, das heißt Jetskifahren in Mangrovenwälden oder Skifahren in Dubai sollten gar nicht erst in Betracht gezogen werden. Zu viel Energie und Ressourcen werden für die Schaffung solch künstlicher Fun-Sportarten verwendet. In die Wüste fährt man doch auch, um die Einzigartigkeit der Landschaft kennen zu lernen – da kann man ruhig mal für die Dauer des Urlaubs aufs Skifahren und Golfspielen verzichten. Selbst der Angeber-Faktor („Hey, ich war Skifahren in Dubai …!“) hält sich in Grenzen, wird man auf sein umweltschädliches Handeln angesprochen.

Nur tierfreundliche Ausflüge buchen

Delfin-Schwimmen in Ägypten, Elefanten-Reiten in Thailand – das alles klingt exotisch und nach einmaligem Abenteuer. Nur: Wissen Sie, ob es den Tieren dabei gut geht? Delfine werden in ihren Ruhe- und Rückzugsgebieten „überfallen“, damit Touristen eine faire Chance bekommen, mit ihnen zu schwimmen, bevor sie sich aus dem Staub machen. Und Elefanten werden in Gefangenschaft gehalten und gewaltsam abgerichtet, um den menschlichen Bedürfnissen zu genügen. Selbst wenn in einem Camp liebevoll mit den Tieren umgegangen wird – angekettet und ihrer Freiheit beraubt fühlt sich keines der intelligenten Tiere wohl. Wer auf eine Begegnung mit den Rüsseltieren nicht verzichten möchte, sollte sich lieber eines der Elefanten-Schutzgebiete aussuchen, in denen ehemalige Arbeitstiere in Frieden leben dürfen. Diese lassen allerdings nur wenige Menschen zu Besuch kommen und bewegen sich im hochpreisigen Segment.

» Mehr spannende DuMont Reise-Reportagen

von Solveig Michelsen

weitere Informationen:

ein Verband von kleinen und mittelständischen ökologischen Reiseanbietern: www.forumandersreisen.de

Reisemagazin mit Tipps für klimaschonenden Urlaub: www.wirsindanderswo.de

 

 

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