Reiseliteratur 10 Bücher, die Ihre Reisesehnsucht wecken

Bücher können keine Reisen ersetzen. Aber sie können eine unbändige Sehnsucht danach auslösen, selbst fortzufahren und sich all den Dingen zu stellen, die eine Reise vom Urlaub unterscheiden. Dabei kommt es weniger auf das Ziel als auf die ganz eigene Perspektive an. So wie Marcel Proust es ausdrückte: „Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, dass man neue Landschaften sucht, sondern dass man mit neuen Augen sieht.“ Wir stellen zehn Bücher vor, bei denen dies meisterhaft gelungen ist.

Bücher können eine unbändige Sehnsucht danach auslösen, selbst fortzufahren. | © blnd, iStock

Cees Noteboom: Die Kunst des Reisens

Cees Noteboom ist ein gewichtiger Autor. Trotzdem schreibt er leicht und fließend, den Blick auf scheinbar Nebensächliches lenkend. Der Leser folgt seinem beschreibenden Blick, der Autor wählt die Details für ihn aus, lenkt sanft und philosophiert damit, ohne übermäßig zu reflektieren. Als wäre das nicht genug, bereichern die tiefgehenden Fotografien Eddy Posthuma de Boers den literarischen Text um eine optische Komponente, die aus dem Buch einen wahren Glücksfall machen. Was für den Autor den Charme des Reisens ausmacht? „Dass sämtliche Erhaltungssysteme, über die man normalerweise verfügt, versagen. Man wird zu dem, was man wirklich ist ...“

Joachim Otte, Rainer Groothuis (Hrsg.): Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben

Mit diesem Tucholsky-Zitat betitelt sich eine Anthologie von rund 60 namhaften Autorinnen und Autoren. Auf völlig unterschiedliche Art und Weise führen sie die Leser an Städte und Metropolen heran. Subjektiv, voreingenommen und meist treffend in ihren Beschreibungen. Auch wenn Brigitte Kronauer schreibt: „Ich versage im Grunde genommen schriftstellerisch vor den Fußgängerzonen.“, ist es auch oder gerade im Banalen eine Freude, den Betrachtungen der Literaten zu folgen, den Blickwinkel zu wechseln und den Fokus zu schärfen. 

Jack Kerouac: Unterwegs

„Unterwegs“ heißt der deutsche Titel des amerikanischen Klassikers „On the road“. 1957 erschienen, gilt er als Wegbereiter aller folgenden Road Novels und formte für alle Rast- und Ruhelosen erstmals einen eigenen literarischen Sound. Die so genannte Beat Generation lebte unkonventionell, chaotisch und kreativ, aber auch getrieben, berauscht und besessen. Diese Zutaten machen den Roman auch 60 Jahre nach seiner Entstehung noch lesenswert. Doch Vorsicht, das Suchtpotenzial ist dabei nicht zu unterschätzen!

Bruce Chatwin: Traumpfade

Ebenfalls ein Klassiker der Reiseliteratur ist Bruce Chatwins wohl bekanntestes Buch, auf Englisch „The Songlines“. Neben den Songlines der Aborigines philosophiert Chatwin darin über das Nomadentum und seine Qualitäten und schaffte es, in knappen, kurz skizzierten Anekdoten die schillerndsten Charaktere vor dem inneren Auge der Leser lebendig werden zu lassen. Interessant ist auch der Aufbau: Zwischendurch finden sich viele Zitate und gesammelte Gedanken Chatwins, eine wahre Fundgrube an Aphorismen. Wer es sich zutraut, sollte das Buch unbedingt im englischen Original lesen.

Zé do Rock: Fom Winde ferfeelt

Oder „welt-strolch macht links-shreibreform“. Der brasilianische Weltenbummler Zé do Rock erlebt nicht nur auf Reisen so manches Missgeschick, sondern muss sich auch noch über die deutsche Sprache so ärgern, dass er schrittweise eine neue Kunstsprache erfindet ein „ferainfactes Doitsh“. Was zur Folge hat, dass man das letzte Kapitel wirklich erst dann lesen kann, wenn man alle vorherigen durchgearbeitet hat. Ein durch und durch origineller Reisebericht.

Tiziano Terzani: Fliegen ohne Flügel

Tiziano Terzani, Asienkorrespondent für den Spiegel, entscheidet sich, die Warnung eines chinesischen Wahrsagers ernst zu nehmen und verzichtet in Folge ein Jahr lang auf Flugreisen – was nicht nur seine Arbeit deutlich erschwert, sondern auch die Perspektive verändert. Besonders unterhaltsam ist das parallel laufende Experiment: In jeder asiatischen Stadt, in der er landet, sucht er einen bekannten Wahrsager, Astrologen oder Seher auf, um sich seine Zukunft voraussagen zu lassen. Bei einer solchen Häufung an prophezeienden Erlebnissen lassen sich amüsante Vergleiche anstellen, Scharlatane entlarven – und nebenbei kann man eine Menge über Asien lernen.

Jan Weiler: In meinem kleinen Land

Jan Weiler, der (Bestseller-)Autor von „Maria, ihm schmeckt's nicht“, tourt auf seiner neunmonatigen Lesereise durch Deutschland. Und bringt aus jedem noch so kleinen Ort eine amüsante Geschichte mit – unter anderem aus Borgholzhausen „wo die Züge bremsen, indem sie einer Kuh gegen das pralle Euter fahren“. Das ist nicht nur sehr unterhaltsam, sondern macht auch große Lust, das eigene Land (neu) zu entdecken. Reiseerlebnisse gibt es schließlich gleich vor der Haustüre, da braucht es keine Fernreisen.

Johannes Klaus (Hrsg.): The Travel Episodes

„Geschichten von Fernweh und Freiheit“ heißt es im Untertitel der Travel Episodes, die mittlerweile schon als Bände I bis II zu haben sind. Im Mittelpunkt stehen erlebte Abenteuer aus nur wenig bereisten Ländern wie Somalia, Bangladesch und Pakistan. Nicht jede Reise lädt zum Nachmachen ein, denn die unterschiedlichen Autoren – allesamt aktive Reiseblogger – beschönigen nichts, poetisieren nur gelegentlich. Das macht die Episoden doppelt lesenswert: Völlig entspannt kann man auf dem Sofa pakistanische Grenzkontrollen überstehen, sich zu den „Menschenfressern“ aufmachen und dem gelebten Fernweh hingeben.

Hape Kerkerling: Ich bin dann mal weg

Der Jakobsweg ist schon hundertfach beschrieben worden. Warum also ist dieses Buch zum Bestseller geworden? Natürlich liegt es zum einen am Autor, dem bekannten Komiker und Moderator. Seinem Ruf wird er auch beim Schreiben gerecht: Mit einem feinen Gespür für die komischen Momente, viel Selbstironie und absoluter Ehrlichkeit beschreibt Hape Kerkerling den Durchschnittspilger mit seinen Sorgen und Nöten entlang des Wegs. Dass er sich selbst dabei nicht ausschließt, macht den Bericht umso glaubwürdiger und lesenswerter.

Jon Krakauer: In die Wildnis

Mehr Aussteiger- als Reisebuch nimmt uns dieser bewegende Bericht mit auf das Abenteuer eines jungen Mannes, der es sich zum Ziel gesetzt hat, allein in der Wildnis Alaskas zu überleben. Wie fatal dort kleinste Fehler sein können, kennt man von den Erzählungen Jack Londons. Doch Krakauer taucht noch tiefer in die Gedankenwelt seines Protagonisten ein und lässt die Leser verstehen, staunen und, ja, auch mitleiden.

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von Solveig Michelsen

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