Unsere AutorenNana Claudia Nenzel

Quelle: © Gottfried Aigner

Nana Claudia Nenzel ist für DuMont Reise unterwegs in Oberitalien und der Toskana.

Was hat Sie zum Reisen und Schreiben gebracht?

Schon als Kind reiste ich viel mit meinen Eltern und Geschwistern durch ganz Europa, speziell aber immer wieder nach Italien, das mich später während meines Studiums (Germanistik und Kunstgeschichte) immer mehr faszinierte. Und schon während des Studiums, das ich mir hart verdienen musste, habe ich journalistisch gearbeitet. Ich wollte später unbedingt ins Feuilleton, blieb aber im Tourismus “hängen”. Ich war Ressortleiterin Reise bei der Verbraucherzeitschrift “DM” (Frankfurt), arbeitete jedoch bald als freie Autorin für mehrere Reiseredaktionen (Tageszeitungen und Zeitschriften) sowie touristische Fachblätter und lernte auf zahlreichen Reisen die Welt kennen. Aber meine Vorliebe für Europa – schon als Kind sagte ich gerne, ich fühle mich als Europäerin – wurde immer stärker.

Und seit dem ersten Italien-Buch ließ mich das Stiefelland nicht mehr los. Es war nicht nur die unglaubliche Fülle an Sehenswürdigkeiten, die mich packte, sondern auch die unterschiedlichen, sehr abwechslungsreichen Landschaften, die wir durchstreiften, und die Italiener, die von Region zu Region unglaublich verschieden zu sein schienen. Und es auch sind, wie ich inzwischen mit Gewissheit weiß, seit ich m e i n italienisches Dorf zum Wohlfühlen, aber auch zum Mitmachen gefunden habe. Vom Schreibtisch hoch über dem Gardasee überschaue ich fast den ganzen Lago und nach einem tüchtigen Gewitter scheinen die Gipfel des Tosco-Emilianischen Apennin zum Greifen nahe, Berg für Berg. So lebe ich am Gardasee, über den ich schreibe und habe es in das restliche Oberitalien und auch in die Toscana nicht weit, sozusagen in mein Spezialgebiet.

 

Wie kam es zu Ihrem ersten Reiseführer bei DuMont?

Meine Spezialisierung auf Italien hat tatsächlich mit DuMont zu tun. Mein erster Band für den Verlag hieß “Richtig Reisen Toscana”, etliche weitere Reiseführer folgten ihm. Der damalige, inzwischen verstorbene Verleger Ernst Brücher meinte, nachdem er ein kleines Buch über Sardinien von mir gelesen hatte, bei DuMont hätte ich mehr Platz, mein Können zu zeigen, und er vertraute mir den wichtigen Toscana-Band für DuMont an. Am Scheckrand meines – geradezu ansehnlichen – ersten DuMont-Honorars kritzelte er mit markanter Schrift “Gratuliere”... Es folgten mehrere Titel bei DuMont, geblieben sind über all die Jahre vier von ihnen, von mir laufend überarbeitet und aktualisiert, nach jedem Relaunch immer wieder in eine neue Fassung gebracht: die Reise-Handbücher Toscana und Oberitalien sowie die Reise-Taschenbücher Toscana und Gardasee. Stolz bin ich auch darauf, dass mich 1998 das italienische Kultusministerium für meine “Verdienste um die Verbreitung der italienischen Kultur im deutschsprachigen Raum” ausgezeichnet hat.

Was interessiert Sie am Reiseführerschreiben?

Dass man sich mit einem Land, einer Region sehr genau befassen muss bzw. darf, man mit vielen Menschen zusammen kommt, ihre Geschichten hören und verarbeiten kann, immer wieder nach interessanten neuen Aspekten suchen muss, um ein Reisegebiet als Ganzes zu erfassen und für den Leser so aufzubereiten, dass er etwas damit anfangen kann. Nichts freut mich mehr, als einem Leser zu begegnen, der mit meinem Reiseführer in der Hand auf einer Kaimauer oder im Cafè sitzt und ganz darin vertieft ist – das ist mir nicht nur einmal passiert. Ein Leser war z.B. so begeistert vom Gargnano, dass er hier heiratete und nach der standesamtlichen Trauung mit seinen Gästen die Limonaia des Signor Gandossi besichtigte – eine Anregung, die er in meinem Reise-Taschenbuch Gardasee gefunden hatte.

Welche Beziehung haben Sie zum Land?

Ich bereiste Italien schon als Teenager und lebe mit meinem Mann seit 1998 in einem kleinen funktionierenden Dorf über dem Gardasee. Mit ganz normalen Italienern, die mich anfänglich fragten, warum wir denn nicht auf die Hochebene von Tremosine oder Tignale gezogen seien, wo auch andere Deutsche lebten. Und wir, also mein Mann und ich, sagten: “Dann hätten wir doch gleich in Deutschland bleiben können, oder?” Jetzt gehören wir beide zum Dorf, haben gemeinsam mit unseren Nachbarn eine Müllkippe verhindert und ein Fest ins Leben gerufen, um die Kosten für die nach einem Erdbeben notwendige Restaurierung unseres Kirchleins zu bewältigen. Das schweißt zusammen und macht auch noch richtig viel Spaß!

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Inhalte Ihrer Reiseführer aus?

Meine Reiseführer wenden sich an interessierte Reisende, nicht an Touristen, da sehe ich einen großen Unterschied. Und meine ausgewählten Gebiete im Norden und in der Mitte Italiens sind ausgesprochene Ziele für Individualisten. Die sich über eine schön erzählte Geschichte (Essay oder eine aktive Tour) freuen und sie auch gerne nachvollziehen. Und sich dennoch ausreichend informiert wissen über alles Sehens- und Wissenswerte.

Was packen Sie in Ihren Koffer, wenn Sie nach Italien fahren?

Außer meinen Reiseführern, die ich gerade aktualisieren muss wenig, denn ich reise entweder rund um mein Gardasee-Dorf herum für das Reisetaschenbuch Gardasee, auch in die meisten Regionen Oberitaliens ist es nicht weit von hier, wohin ich mich immer wieder für eine Verschnaufpause zurück ziehen kann. Und um in die Toscana zu reisen brauche ich auch nur den Tosco-Emilianischen Apennin zu überwinden, bin schnell wieder in meinem italienischen Zuhause.

Was ist in ihrem Koffer, wenn Sie aus Italien zurück kommen?

Nach der Weinlese liegen im Wagen einige Steigen mit duftenden Trauben aus unserem Cortile, dem kleinen Hof mit der großen Weinpergola, unsere Freunde in München warten schon darauf. Nach der Olivenernte brauchen wir genug Platz im Kofferraum für das Olivenöl aus unserem Dorf. Bei der Olivenernte haben wir vorher mindestens eine Woche lang geholfen und jeden Abend unsere Knochen gezählt. Bald darauf fangen die Zitronen in den Limonaie von Gargnano zu reifen an, die man dringend braucht, um einen Limoncello selber zu machen.

Was unternehmen Sie, wenn Sie die Recherche vor Ort beendet haben?

Da ich immer in Begleitung meines Mannes reise, haben wir allmählich eine abendliche Zeremonie entwickelt: Aperitivo muss am Abschluss eines jeden Tages sein, danach in einem netten kleinen Restaurant zu Abend essen. Und wenn wir in der Toscana unterwegs sind, wo wir gerne ein Ferienhaus mieten, lassen wir den Abend am Kaminfeuer ausklingen, nachdem wir vorher wenigstens die Bruschetta darüber geröstet, wenn nicht gar das Abendessen (z.B. die Bistecca fiorentina) zubereitet haben.

Ihr schönstes Erlebnis während der Recherche?

Die Entdeckung einer verfallenen Ruine, die später ganz durch Zufall und nach mühsamen Restaurierungsarbeiten unser italienisches Domizil über dem Gardasee wurde.

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