Unsere AutorenKlaus Bötig

Quelle: © Klaus Bötig

Klaus Bötig ist für DuMont Reise unterwegs in Griechenland und Zypern.

Was hat Sie zum Reisen und Schreiben gebracht?

Mein Leben war schon immer vom Reisen geprägt: Geboren wurde ich zufällig in der Wagner-Stadt Bayreuth, aufgewachsen bin ich in Kassel im Schatten des Herkules, es folgten ein Studium bei den Heinzelmännchen in Köln und bei der frommen Elisabeth in Marburg/Lahn (Germanistik, Politische Wissenschaften) und dann ein Jahr Wohnsitz in Athen…

Schon während des Studiums schrieb ich meinen ersten Reiseführer für einen heute nicht mehr existierenden Verlag – ausgerechnet über Island. Als der fertig war, fragte mich der Verleger, ob ich nicht ein paar Griechenland-Führer für ihn schreiben wolle. Erst probeweise und dann endgültig ließ ich das Studium sausen, reiste stattdessen drei Jahre durch Hellas und brachte meine ersten Griechenlandführer heraus. Bände zu verschiedenen anderen Zielen folgten. Und ich schrieb auch viel für Magazine und Tageszeitungen. Bei Radio Bremen Hörfunk bekam ich eine eigene Sendung, das Reisejournal, und ich durfte die Pressearbeit für die Nordirische Fremdenverkehrszentrale machen. Ich schrieb weitere Reiseführer und jobbte bei Studiosus gelegentlich als Studienreiseleiter.

Wie kam es zu Ihrem ersten Reiseführer bei DuMont?

1985 kam es dann zum ersten Vertragsabschluss mit DuMont: für einen Richtig-Reisen-Band „Zypern“. Ihm folgten bis heute 21 weitere Titel für den DuMont Reiseverlag, wobei mein Schwerpunkt eindeutig auf Griechenland liegt.

Was interessiert Sie am Reiseführerschreiben?

Erst die Möglichkeit, darüber schreiben zu können, macht für mich die Lust am Reisen aus. Das Schreiben zwingt mich, stets alle Sinne geöffnet zu halten, mich in verschiedene Erwartungshaltungen hinein zu denken, Interesse auch an Dingen zu zeigen, die mich sonst wahrscheinlich weniger interessieren würden. Anders als ein Reisejournalist, der heute hier und morgen da ist, kehre ich zum Teil schon seit über 35 Jahren in dieselben Dörfer, Hotels und Tavernen zurück, treffe dieselben Familien, nehme Entwicklungen wahr, werde zu Hochzeiten von Menschen eingeladen, die ich ihr Leben lang kenne. So sind viele enge Beziehungen zu Griechen und Zyprioten entstanden und es gab Begegnungen mit Lesern, die mir immer wieder von ihren eigenen Reisen und Entdeckungen schreiben oder erzählen.

Welche Beziehung haben Sie zum Land?

Blinde Liebe war noch nie mein Ding. Aber „meine Länder“ Griechenland und Zypern sind für mich wie ein Teil meiner Familie – ich fühle mich ganz einfach wohl und gut aufgehoben, wenn ich mit ihnen zusammen, also dort bin.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Inhalte Ihrer Reiseführer aus?

Das ist natürlich von Reihe zu Reihe und damit von Bandumfang zu Bandumfang unterschiedlich. Mit den kleineren Bänden wende ich mich vor allem an aktive Pauschal- und Kurzurlauber. Die Reise-Taschenbücher sind schon Allrounder, bei denen ich ein echtes Interesse des Käufers an Land und Leuten voraussetze. Die Richtig Reisen-Bände können noch mehr in die Tiefe gehen und sind vor allem für Individualreisende mit Zeit und sehr viel Tatendrang gedacht. Wichtig ist mir immer, Menschen und ihre Tätigkeiten – ob als Hotelier, Wirt oder Künstler – vorzustellen, die Menschen auch beim Namen zu nennen, Privates einfließen zu lassen. Schickimicki muss bei manchen Zielen wie Mykonos oder Santorin natürlich auch „bedient“ werden; mir persönlich aber sind die kleinen Leute, die Selfmade-Men und Selfmade-Women lieber, die nicht immer perfekt, dafür aber sehr originell und originär sind. Und: Sehenswert sind nicht nur Museen, Kirchen, Klöster und Ausgrabungen, sondern auch unglaublich viele eher zufällige Entdeckungen, auf die aufmerksam zu machen sich lohnt: vom Sicherungskasten, der praktischerweise auf einer religiösen Wandmalerei angebracht wurde („sicher ist sicher“), bis zu einem Kioskbesitzer, die jede freie Minute zum Dichten nutzt.

Was packen Sie in Ihren Koffer, wenn Sie in „ihre“ Länder fahren?

Viele kleine Notizhefte, Kamera, Laptop und Handy

Was ist in ihrem Koffer, wenn Sie zurückkommen?

Kulinarische Souvenirs und viele Prospekte

Was unternehmen Sie, wenn Sie die Recherche vor Ort beendet haben?

Schreiben und zur nächsten Recherche aufbrechen.

Ihr schönstes/beeindruckendstes Erlebnis während der Recherche?

Gerade in Griechenland freuen sich viele Künstler, Wirte und Hoteliers nicht nur deswegen über eine Empfehlung im Reiseführer, weil das ihren Umsatz steigert, sondern vor allem, weil sie die dadurch ausgedrückte Wertschätzung ihrer Arbeit und ihres Engagements als wohltuend empfinden. Bestes Beispiel ist der Besitzer einer total verrückten Cocktail-Bar in Nauplia auf dem Peloponnes: 20 Jahre lang drängte ihn seine Mutter, sich doch einen ehrbaren Job zu suchen. Erst seitdem er ihr zeigen konnte, dass er in ausländischen Büchern empfohlen wird, ist sie stolz auf ihn…

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