Unsere AutorenJulia Reichardt

© Julia Reichardt

Julia Reichardt ist für DuMont Reise unterwegs in Costa Rica/ Süd Nicaragua und Umbrien.

Sterblicher! Wenn du für dein Glück sorgen willst, so ändere oft deinen Aufenthalt, denn die Süßigkeit des Lebens besteht im Wechsel - stehendes Wasser wird faul. (Orientalisches Sprichwort)

Wer hat Sie zum Reisen gebracht?

Meine Eltern. Ich war fast vier, als meine Familie nach Oregon zog, an die Westküste der USA. Meine Eltern kauften sich dort ein gebrauchtes Oldsmobile, es war ein Unfallwagen mit einer Delle an der Beifahrerseite, man musste immer über den Fahrersitz einsteigen. An Wochenenden und in den Ferien fuhren wir damit durchs Land: An Oregons Küste entlang, wo sich Drachenflieger von den Klippen stürzten, zu den heißen Geysieren im Yellowstone-Park und ins Reservat der Blackfoot-Indianer. Ich erinnere mich an mehrspurige Highways, an Mobile Homes, die auf Lastwagen fuhren, ans Lichtermeer von San Francisco, an Baumriesen, durch die man hindurchfahren konnte, an meine Hände, die vor Marshmallows klebten und an den Geruch von Algen und Meer. Damals habe ich zum ersten Mal das Gefühl von Freiheit erlebt. Seither jage ich diesem Gefühl hinterher.

Was hat Sie zum Schreiben gebracht?

Schreiben ist ein Ventil für mich, um nicht zu explodieren. Leider habe ich eine heisere Stimme, sonst hätte ich mein Ventil wohl auf der Bühne gesucht. Nach dem Studium besuchte ich die Zeitenspiegel-Reportageschule und ließ mich zur Journalistin ausbilden. Außer Reiseführern schreibe ich seither Reportagen, u.a. für die ZEIT, die Süddeutsche Zeitung und Spiegel Online. Für den Text „Kampf um die Pille“ über das umstrittene Verhütungsgesetz auf den Philippinen habe ich 2014 den Journalistenpreis „Weltbevölkerung“ erhalten.

Wie kam es zu Ihrem ersten Reiseführer bei DuMont?

Ganz klassisch: Bewerbung, Bewerbungsgespräch, und dann die Frage: Trauen Sie sich das ganz alleine zu? (450 Seiten mit Fotos, Karten, Reportagen, Interviews, Serviceteil). Wenige Wochen später saß ich im Flugzeug nach Managua und hatte keine Ahnung, was da auf mich zukam!

Was interessiert Sie am Reiseführerschreiben?

Die Vielfältigkeit eines Landes zwischen zwei Buchdeckeln einzufangen.

Welche Beziehung haben Sie zu Mittelamerika und Umbrien?

In Mittelamerika (Costa Rica und Nicaragua) habe ich zweieinhalb Jahre gelebt, jetzt lebe ich in Umbrien.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Inhalte Ihres Reiseführers aus?

… den Leser überraschen:
Sind Sie schon mal durch einen Liebesroman gewandert? Oder durch die geheimen Kammern der Inquisition?
… umfassend informieren
Ein guter Reiseführer spricht nicht nur die Sonnenseiten, sondern auch die Schattenseiten eines Landes an.
… aktiv reisen
Ruhig mal ein Museum weniger besuchen und statt dessen Geschichte ganz neu erleben, z.B. bei einer Wanderung mit Helm und Taschenlampe durch einen römischen Aquädukt! Erst dann erschließt sich einem, was für eine technische Meisterleistung hinter dem Bauwerk steckt!
… Umwelt schützen, Einheimische unterstützen
Ich liste in meinen Reiseführern ausschließlich kleine, familiengeführte Unterkünfte und Tourismusveranstalter auf. Große, internationale Hotelketten vernachlässige ich aus zwei Gründen: Urlauber lernen so Land und Leute viel besser kennen, und: das Geld bleibt im Land.

Was ist in Ihrem Koffer...
...,wenn Sie nach Umbrien fahren?

Fast nichts, Klamotten und Schuhe sind in Italien viel schöner.

...,wenn Sie nach Costa Rica fahren?

Alles, was gegen Moskitos schützt. Das Dengue-Fieber wird im Volksmund auch Knochenbrecher-Krankheit genannt, ich hab am eigenen Leib erfahren, warum!

...,wenn Sie aus Umbrien zurückkommen?

Strozzapetri-Nudeln (deutsch: Priesterwürger) - nicht nur Priester kann man damit ärgern, Sagrantino-Wein aus Montefalco und Schuhe aus Perugia. Eine Schachtel Baci (Schokoladenküsse) muss auch noch mit. In jeder Praline steckt ein Liebesvers – ich gebe zu, ich bin hoffnungslos romantisch.

...,wenn Sie aus Costa Rica zurückkommen?

Arabica-Kaffee, echte Kaffeekenner halten ihn für den besten Muckefuck der Welt, Masken aus dem Indianerreservat Boruka, man erhält sie inzwischen auch in San José. Und Bambus-Schnitzereien von der Insel Solentiname, die wiegen fast nichts.

Was unternehmen Sie, wenn Sie die Recherche vor Ort beendet haben?

Ich miete mir eine Wohnung und schreibe.

Ihr schönstes/beeindruckendstes Erlebnis während der Recherche?

Umbrien: Eine Nacht im Kloster
Die Romita, ein abgeschiedenes Franziskaner-Kloster mitten im Wald, nur zu Fuß kann man es erreichen. Ich wasche mich aus einer Regentonne, schlafe auf einer harten Pritsche in einer engen Mönchszelle ohne Licht, um sechs Uhr wecken mich franziskanische Gesänge. Gemeinsames Kochen, gemeinsames Beten, gemeinsames Unkraut jäten. Während der Morgenandacht in der kleinen Kapelle legt ein Hirtenhund seine Pfote auf meinen Fuß. Selten habe ich mich glücklicher und geborgener gefühlt.

Süd-Nicaragua: Eine Nacht am Strand
Drei Uhr morgens an einem Strand nördlich von San Juan del Sur. Der Strandwächter rüttelt mich in meiner Hängematte wach: „Jetzt ist es so weit,“ sagt er. Es herrscht Vollmond, der Strand vor mir ist menschenleer. Ich blicke aufs Meer und sehe, wie aus dem Pazifik ein riesiges Tier steigt, es sieht aus, als sei es einer anderen Zeit entsprungen, in der es noch Flugechsen und Saurier gab. Es nähert sich, ich kann sogar sein Gesicht erkennen, eine Lederschildkröte, die Riesin des Ozeans! Mit ihren kräftigen Schaufel-Beinen gräbt sie direkt vor mir eine Grube, schleudert Sand durch die Luft, dreht sich mehrmals im Kreis, dann hält sie inne… Ich versuche, mich nicht zu bewegen, fühle mich, als ob ich einem geheimen Ritus beiwohne, an dem ich eigentlich nicht teilhaben darf - sie legt ihre Eier in der Grube ab, bedeckt sie mit Sand, schreitet zurück zum Ozean, und taucht wieder unter im dunklen Meer.

Online-Auftritte:

Eigene Webseite: www.walkingyogis.com
Facebook: www.facebook.com/walkingyogis

Wandern und Yoga in Umbrien mit DuMont- Reisebuch-Autorin Julia Reichardt. Nächster Termin: 2.-10. Mai 2016 

Rezensionen und Sonstiges

ARD Service Reisen, »Die magische Mitte Italiens« (17.6.2014): „Ein empfehlenswerter Reiseführer ist das DuMont Reisetaschenbuch Umbrien. Es bietet eine Fülle an Informationen und Kartenmaterial und führt zu Orten an, denen es abseits der Touristenpfade viel zu entdecken gibt.“

HESSISCHER RUNDFUNK Inforadio »Pura Vida - Auf Reisen in Mittelamerika«, Interview mit der Autorin Julia Reichardt über das Reiseland Costa Rica am 7. November 2011, Link zum Podcast:
http://www.podcast.de/episode/2979423/Pura+Vida+-+Auf+Reisen+in+Mittelamerika/

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