Unsere AutorenHelmuth Bischoff

Quelle: © Helmuth Bischoff

Helmuth Bischoff ist für DuMont Reise unterwegs in Barcelona, Rhein-Neckar-Raum und Karlsruhe.

Was hat Sie zum Reisen und Schreiben gebracht?

“Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt.” Dieses fröhliche Wanderliedchen hatte ich ganz bestimmt nicht auf den Lippen, als ich 1981 auf meiner ersten großen “Journalisten-Reise” in Miami zwischenlandete, um dann nach Guatemala weiterzufliegen. Im Gegenteil: Ich hatte die Hosen gestrichen voll und wäre am liebsten umgekehrt. Das traute ich mich aber nicht, denn wem sollte ich erzählen, dass ein halbes Jahr Guatemala schon zu Ende war, bevor es angefangen hatte?

Dieses halbe Jahr in der mittelamerikanischen Fremde war eine Probe oder Feuertaufe für meine Berufsfindung. Nach studentenbewegtem Studium der Geschichte, politischen Wissenschaften und Pädagogik in Heidelberg wollte ich schreibend mein Geld verdienen. Als „Schreiber“ bezeichne ich mich bis heute. Er trifft die Sache bei mir besser als „Autor“, „Journalist“ oder „PR-Mann“. Der Einstieg ins Schreiben sollte spannend sein, deshalb Guatemala und Nicaragua. Das halbe Jahr wurde gut und führte sogar zu einem Interview mit dem damaligen Kulturminister Nicaraguas, Ernesto Cardenal. Die Probe war bestanden. Seither bin ich Schreiber.

Wie kam es zu Ihrem ersten Reiseführer bei DuMont?

Prägend für meine berufliche Laufbahn war ein dreijähriger Aufenthalt in Spanien (Pamplona, Madrid, Barcelona) Mitte der 1980er Jahre. Ich bereitete dabei meine Promotion im Fach Politische Wissenschaften vor und schrieb, um diesen Aufenthalt zu finanzieren, meinen ersten Reiseführer (Anders Reisen Spanien, Rowohlt) sowie einige Zeitschriftenbeiträge zu Spanien. Mit Spanien als großem Thema hatte ich für die kommende Zeit einen Schwerpunkt für weitere Buchpublikationen gefunden. Es gelang mir dabei auch ohne viel Mühe, mich dem DuMont Verlag als geeigneter Autor für mehrere Barcelona-Führer zu präsentieren. Die junge Lektorin meines ersten DuMont-Buches war genauso eine Spanien-Verrückte wie ich, versprühte genauso gute Laune wie ich, rauchte genauso viele Zigaretten wie ich und brachte mich so zu der Meinung „Die Leute bei DuMont sind eigentlich ganz okay.“ Sie hieß und heißt auch heute noch Maria Anna Hälker.

Was interessiert Sie am Reiseführerschreiben?

Das Schreiben von Reisebüchern ist für mich wie das Schreiben einer riesengroßen Postkarte an einen Menschen, den ich mag. Ich teile darauf gerne mit, was es dort, wo ich gerade bin, alles zu bestaunen gibt. Und damit es auch wirklich Stauenswertes wird, was da aufs Papier kommt, mach ich mich auf die Socken, es zu finden. Das kann morgens um 6 ein Gang in den alten Hafen von Barcelona sein oder ein Gespräch mit Manuel Vázquez Montalbán, dem ich mein Kennen und Spüren von Barcelona in vielen Facetten verdanke. Und wenn ich im Vorwort zu einem meiner Barcelona-Führer schreibe, dass mir die Stadt zu einer guten Freundin geworden ist, dann drückt sich darin auch ein bisschen aus, was mich am Reiseführerschreiben interessiert: Wenn man es lange und intensiv tut, dann bekommt der Gegenstand, über den man schreibt, ein Eigenleben. Er wird zu einem Vertrauten, dessen Entwicklung man gerne nachvollzieht und miterlebt.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Inhalte Ihrer Reiseführer aus?

Ob Barcelona, Mannheim oder Heidelberg: Ich folge bei der Auswahl der Inhalte eigentlich immer dem gleichen Schema: Jede Stadt und jedes Stadtviertel hat seine Persönlichkeit und einen bestimmten Charakter. Ich versuche zu erfassen und zu vermitteln, durch welche Orte, Szenerien, Stimmungen und Personen sich dieser Charakter ausdrückt. Das kann in Barcelona eine Straße sein, in der es noch ein paar Granjas (Milchstuben) gibt, oder auch eine im Mudéjar-Stil gebaute Stierkampfarena, die nach dem Stierkampfverbot in Katalonien als Shopppingcenter genutzt wird. Natürlich geht es in diesen Büchern auch um die großen Wahrzeichen der Städte, aber eben nicht nur darum.

Was packen Sie in Ihren Koffer, wenn Sie nach Barcelona fahren?

Bequeme Straßenschuhe, denn am meisten sehe und erlebe ich dort, wenn ich zu Fuß unterwegs bin. Da kommen dann auch ein paar Straßenkilometer zusammen.

Was ist in ihrem Koffer, wenn Sie aus Barcelona zurückkommen?

Lange Zeit war es Safran vom Markt, weil der in Spanien viel weniger gekostet hat als hier. Inzwischen sind es mehr Schokoladen-Spezialitäten, denn bei den vielen Chocolaterien, die in Barcelona wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, muss man ja Kostproben mitnehmen, um Empfehlungen aussprechen zu können.

Was unternehmen Sie, wenn Sie die Recherche vor Ort beendet haben?

Das hängt von der Jahreszeit ab. Wenn es das Wetter erlaubt, mache ich lange Strandspaziergänge mit eingeschobenen Lese- und Leute-Beobachten-Pausen. Bei weniger gutem Wetter schlendere ich durch Barceloneta, das ehemalige Fischerviertel, das ich erst in letzter Zeit so richtig für mich entdeckt habe.

Ihr schönstes Erlebnis während der Recherche?

Würde ich gerne für mich behalten. Das zweitschönste war die Bekanntschaft mit einem Antiquitätenhändler. Wir kamen in seinem Laden im Gotischen Viertel in ein ausführliches Gespräch über Barcelona. Die Frage nach seinem Lieblingsrestaurant beantwortete er mit einer Einladung in selbiges (Set Portes). Es wurde ein langer Abend und danach eine gute Bekanntschaft.

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