Unsere AutorenGerhard Heck

Quelle: © Gerhard Heck

Gerhard Heck ist für DuMont Reise unterwegs in Mexiko und den Ländern der Arabischen Halbinsel.

Was hat Sie zum Reisen und Schreiben gebracht?

Mein Interesse am Reisen fing in Zeltlagern der Pfadfinder und bei Fahrradtouren mit Freunden ins benachbarte Ausland an, gefolgt von einem längeren Schüleraufenthalt in England. Als Student leitete ich mehrere lange Sommer ein studentisches Feriendorf der Universität Frankfurt an der Nordostküste Sardiniens. Von da an gehörte Reisen zu meinem Leben. Schreiben übers Reisen ergab sich später aus meiner beruflichen Tätigkeit an der Universität Mainz. Im Rahmen mehrerer pädagogischer Exkursionen nach Israel (Schwerpunkt: Erziehung im Kibbuz) veröffentlichten mein Kollege Manfred Wöbcke und ich in einem längst nicht mehr existierenden Selbstverlag Ende der 1970er-Jahre unseren ersten Reiseführer über Israel und die besetzten Gebiete. Weil er nicht nur Geschichte und Religion behandelte, sondern auch vermeintliche politische und religiöse Gewissheiten hinterfragte, kam es unerwartet zu Anfragen anderer Verlage. Von da an gehörten reisejournalistische Veröffentlichungen zu meiner hoch geschätzten Nebentätigkeit.

Wie kam es zu Ihrem ersten Reiseführer bei DuMont?

Anfang der 1980er-Jahre lehrte ich im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) vier Jahre lang Deutsche Sprache und Deutsche Landeskunde an der King Saud University in Riyadh (Saudi Arabien). Dank der sehr langen akademischen Ferien bereiste ich von dort aus alle Länder der Arabischen Halbinsel. 1983 erschien dann bei DuMont die erste Auflage des Reise-Handbuchs Arabische Halbinsel; es gehört bis heute zum Verlagsprogramm. Für unseren zweiten DuMont Reiseführer, das 1987 erschienene Reise-Handbuch Mexiko erhielten Manfred Wöbcke und ich sogar zweimal den mexikanischen Staatspreis Pluma de Plata (Silberne Feder) für den besten deutschsprachigen Reiseführer des Jahres. Beim zweiten Mal, 2007, überreichte der damalige Staatspräsident Felipe Calderon den Preis in Acapulco sogar persönlich (Foto).

Was interessiert Sie am Reiseführerschreiben?

Seitdem ich Reiseführer schreibe, reise ich intensiver. Ich bereite mich viel umfassender auf die Länder vor als bei üblichen Urlaubsreisen. Ich möchte verstehen, warum in einem Land der Alltag so und nicht anders abläuft, welche Hintergründe bestimmten Verhaltensmustern der Menschen zugrunde liegen. Und: Ich möchte auch zur eigenen Bereicherung das Land kennen lernen, frei nach Goethe: „Kennt einer sein Land, wenn er (nur) sein Land kennt?“

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Inhalte Ihrer Reiseführer aus?

Meine Reiseführer sollen den Besuchern das Land in aufklärendem Sinne erschließen helfen, Verständnis für Unbekanntes wecken, Zugänge zur Kultur ermöglichen und Begegnungen erleichtern. Natürlich frage ich auch: „Was ist touristisch besonders attraktiv, warum lohnt es sich, ausgerechnet dieses Land, diese Stadt zu besuchen?“ Selbstverständlich gehören besondere Sehenswürdigkeiten, herausragende Naturerlebnisse, Aktivitäten und Termine für Events dazu.

Was packen Sie in Ihren Koffer, wenn Sie nach Mexiko oder in die Länder der Arabischen Halbinsel reisen?

Viel Sonnencreme (Schutzfaktor: ab 30), eine Kopfbedeckung, einen Adapter für meine elektrischen Geräte, die üblichen Klamotten für heiße Länder, mehrere kleine Oktavheftchen für Notizen und für die Arabische Halbinsel immer noch mein Lehrbuch Arabisch für Anfänger.

Was ist in Ihrem Koffer, wenn Sie aus Ländern der Arabischen Halbinsel zurückkommen?

Das hängt auch von den Jahreszeiten im jeweiligen Land ab. In jedem Fall viele, viele Materialen, die ich für die Aktualisierung der Reiseführer benötige. Aus Dubai immer eine kleine Kiste Datteln, ein Päckchen Kardamom und drei Kamele aus Kamelmilchschokolade für meine Enkel. Aus Oman eine größere Menge Weihrauch, einen alten Gebrauchsgegenstand aus dem Souq von Mutrah und etwas Duftendes aus dem Hause Amouage.

Was unternehmen Sie, wenn Sie die Recherche vor Ort beendet haben?

Zwei Tage lang meine in den Reise-Taschenbüchern beschriebenen Lieblingsorte aufsuchen und mich nach dem Rückflug im schönen Mainz erholen, z.B. politische Veranstaltungen und Konzerte besuchen, ins Kino gehen, mit Freunden etwas unternehmen, eben all das, was mir während der  Recherchereisen fehlte.

Ihr beeindruckendstes Erlebnis während der Recherche?

Natürlich gibt es im Laufe der Zeit viele dieser Erlebnisse. Aber an welches erinnere ich mich besonders? Als ich im omanischen Dorf Al Misfrah Al Abreen zum ersten Mal sah, wie das dank traditioneller Bewässerung durch die Falaj-Gräben fließende öffentliche Wasser mit einfachen Handgriffen von einem Grundstück auf das des Nachbarn zugeteilt wurde, was seit Jahrhunderten genauso gemacht wird. Oder: Wie auf dem Jebel Akhdar eine Familie Tausende von Rosen erntet, um dann mit einfachsten Geräten aus ihren Blättern duftendes Rosenwasser herzustellen.

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