Unsere AutorenDaniela Schetar

Quelle: © Friedrich Köthe

Daniela Schetar ist für DuMont Reise unterwegs in Kroatien, Istrien, Slowenien, Sizilien und Bayern.

Wie kamen Sie zum Reisen und Schreiben?

Meine große Leidenschaft fürs Reisen hat Karl May geweckt: Als Kind nutzte ich jede freie Minute, mich mit Kara Ben Nemsi in die Weiten der Wüste zu träumen. Als „arme“ Studentin bereiste ich die Sahara dann selbst, trampend auf LKW-Ladeflächen oder eingeklemmt in überfüllten Buschtaxis, später dann zusammen mit meinem Mann Friedrich Köthe in einem klapperigen Landrover. Nach einer Buchhändlerausbildung, einem Ethnologiestudium und vielen weiteren Afrika-Aufenthalten schrieb ich 1988 das erste Mal über diese Reisen. Der Artikel über eine Flussfahrt auf dem Niger erschien im Magazin abenteuer&reisen. So wurde aus der Reisenden eine Berichterstatterin.

Wie kam es zu Ihrem ersten Reiseführer bei DuMont?

Anfang der 1990er Jahre erschien dann das erste Buch im DuMont Verlag: Mein Mann und ich schrieben darin über ein Thema, von dem wir dank unserer Reiseleidenschaft am meisten verstanden: „Reisevorbereitung und Reiseausrüstung“. Viele weitere Reiseführer und Bildbände folgten. Dass meine erste (Ex-Jugoslawien) und zweite Heimat (Bayern) dabei Afrika verdrängten, hatte zwei Gründe: Die Geburt unserer Tochter, die wir den Risiken solcher Reisen nicht aussetzen wollten, und der Zerfall Jugoslawiens, mit dem sich Slowenien und Kroatien plötzlich als neue Destinationen auf der touristischen Landkarte wiederfanden.

Was verbindet Sie mit diesen Reisezielen?

Für mich war es nach Jahrzehnten in der (nicht so wahrgenommenen) Fremde ein Nachhausekommen. In Slowenien und Kroatien kann ich Heimat riechen und schmecken, auch hören und verstehen, in der vertrauten Sprache meiner Kindheit. Und ich muss, hoffentlich ohne übertriebenen Lokalpatriotismus, sagen, dass mir keine Region Europas so gut gefällt wie diese beiden Länder mit ihren wirklich grandiosen und noch sehr intakten Naturlandschaften, den herzlichen, offenen Menschen und einer (leider) sehr schmackhaften Küche. Im DuMont-Verlag habe ich mehrere Reiseführer über Slowenien und Kroatien veröffentlicht. Aber ebenso über Sizilien und mein geliebtes Bayern, das ich, obwohl ich hier lebe, erst spät entdeckt habe. Es erschien mir nicht „exotisch“ genug – was für ein Irrtum!

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Inhalte Ihrer Reiseführer aus?

Die Schwerpunkte sind abhängig von der Reihe: Die Bände der Serie DuMont direkt sind klein und handlich; die Leser erwarten übersichtliche, knappe Information über Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Unterkunftsmöglichkeiten und Abendunterhaltung – da kann ich nur die wichtigsten nennen und ich wähle stets auch einige abseits des Mainstream. Das Reise-Taschenbuch bietet mehr Raum für Hintergrundinformation, und es macht besonderen Spaß, hier die Themen für die Entdeckungstouren und Lieblingsorte auszusuchen: Das können ganz ungewöhnliche Tipps oder Ausflüge sein, die ich mir selbst erst intensiv erarbeiten muss und die den Leser abseits der ausgetretenen Pfade führen. Ich stelle mir beim Schreiben vor, dass mein Buch ein Gerüst ist, das die Leser dann selbst mit ihren Erfahrungen und Erlebnissen füllen.

Was packen Sie in Ihren Koffer, wenn Sie zur Recherche fahren?

Möglichst wenig, denn ich weiß, dass ich viel Platz für die kulinarischen Köstlichkeiten brauche, die ich mitbringen werde.

Was ist in ihrem Koffer, wenn Sie zurückkommen?

Olivenöl, Salz, Malvazija-Wein, der luftgetrocknete Schinken pršut, getrocknete Steinpilze und ganz viel Vegeta, eine kroatische Würzmischung, mit der Suppen, Eintöpfe und Saucen einen aromatischen Geschmack bekommen.

Was unternehmen Sie, wenn Sie Ihre Arbeit vor Ort beendet haben?

Ehrlich gesagt, gibt es kein Ende einer Recherche. Auch wenn ich mir vornehme, ein paar Tage auszuspannen und das Strandleben oder eine Stadt wie Ljubljana zu genießen, stolpere ich immer wieder über etwas Interessantes – einen bislang übersehenen Laden, ein Thema, dass sich beim Gespräch mit Freunden auftut, man ist einfach nie fertig. Aber das ist gerade das Spannende an diesem Beruf. Bei jeder Begegnung, hinter jeder altvertrauten Ecke kann plötzlich etwas Neues auftauchen.

Ihr schönstes Erlebnis während der Recherche?

Das lässt sich nur schwer beantworten – jede Reise ist voller beeindruckender und schöner Erlebnisse, manchmal aber auch ganz schön anstrengend und nervig. Doch dieses Jahr gab es tatsächlich etwas ganz Besonderes: Im Mai 2011 war ich für „DuMont direkt Dalmatien“ mit einem Speedboot der Nationalparkverwaltung einen Tag lang in der Inselgruppe der Kornaten unterwegs. Es ist eine Landschaft, die nur aus Wasser und mit Macchia bestandenen Felskuppen zu bestehen scheint, kein sichtbares Leben nirgends. Die Welt vor dem fünften Schöpfungstag, unendlich wüst, aber mindestens ebenso schön. Solche Erlebnisse sind die Highlights meiner Arbeit.

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