Unsere AutorenCaterina Mesina

Quelle: © Caterina Mesina

Caterina Mesina ist für DuMont Reise unterwegs auf Sizilien und in Rom.

Was hat Sie zum Reisen und Schreiben gebracht?

Die langen Schulferien verbrachten wir Kinder immer bei den Großeltern am Meer, wo man nicht nur am Strand lag, sondern mit Boot und Netzen zum Fischen hinausfuhr, den Garten bestellte, mit Freunden und Verwandten tafelte oder Ausflüge unternahm, bei denen der Großvater uns Kinder mit heroischen Geschichten der römischen Antike unterhielt. Italienische Geschichte und Geschichten blieben lange mein Steckenpferd – später auch Kunst- und Kulturgeschichte und vor allem Politik – und Italien mein liebstes Reiseland. Während meines Studiums in Deutschland begann ich dann als Studienreiseleiterin für Italien zu arbeiten und erste Essays zu schreiben.

Wie kam es zu Ihrem ersten Reiseführer bei DuMont?

In Deutschland war ich mit dem Phänomen des Wanderns vertraut geworden und durchquerte gemeinsam mit Nikolaus Groß zu Fuß kreuz und quer Sizilien. Jahre zuvor waren die ersten Naturparks eingerichtet worden. Doch es gab keinen deutschsprachigen Wanderführer. Und so beschlossen wir, unsere schönsten Touren zusammenzutragen und sie DuMont vorzuschlagen.

Was interessiert Sie am Reiseführerschreiben?

Das Reiseführerschreiben und die damit verbundenen Recherchen bieten mir die Gelegenheit, die oft spannende Entwicklung „meiner“ Stadt und „meiner“ Region mitzuverfolgen, am Puls der Zeit zu bleiben, Trends nachzuspüren, vor Ort neue Touren auszuprobieren, Restaurants und Bars zu testen, eine atemberaubendes neue Location zu entdecken und zugleich meinen Steckenpferden Geschichte, Kunst und Kultur und Politik nachzugehen.

Welche Beziehung haben Sie zum Rom und Sizilien?

Ich bin in Rom geboren und habe dort meine Kindheit verbracht. Meine Familie samt Geschwistern und Neffen lebt dort. Als Studienreiseleiterin für deutsche Gruppen war ich jahrelang in Rom und Sizilien unterwegs und habe dort viele Freunde gewonnen. Inzwischen lebe ich in Deutschland, aber mit der Entschuldigung, meine Reiseführer zu aktualisieren nutzte ich jede Gelegenheit, um an meine Sehnsuchtsorte zu fahren.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Inhalte Ihrer Reiseführer aus?

Mit dem Reiseführer möchte ich den Reisenden, der Sizilien bzw. Rom mit offenen Augen erkunden und neben dem Besuch der Sehenswürdigkeiten auch in den Alltag eintauchen will, begleiten. Sehenswürdigkeiten werden daher nicht isoliert, aus rein archäologischer oder kunsthistorischer Sicht dargestellt, sondern in den historischen, kulturellen Kontext gestellt, Querverbindungen aufgezeigt und als Teil eines Ganzen dargestellt. Neben Hotel- und Restaurantadressen werden auch interessante, witzige Lokale, Einkaufs- und Nightlife-Adressen angegeben sowie Vorschläge für ein aktives Erleben der Stadt (Radtour, Wanderung, Begegnung mit Einheimischen etc.) gemacht. Mit dem Reiseführer möchte ich dem Besucher einen Zugang zur heutigen Stadt Rom bzw. der Region Sizilien mit all ihren Facetten ermöglichen.

Was packen Sie in Ihren Koffer, wenn Sie nach Rom oder Sizilien fahren?

So wenig wie möglich. Mit dabei sind aber immer gute Laufschuhe, Laptop, Notizbuch und ein klar durchstrukturierter Rechercheplan, den ich aber dann jedes Mal über den Haufen werfe, weil ich vor Ort eine andere spannende Entdeckung gemacht habe.

Was ist in Ihrem Koffer, wenn Sie aus Rom oder Sizilien zurückkommen?

Ein vollgekritzeltes Notizbuch mit vielen neuen Eindrücken, Entdeckungen, Adressen und nicht selten ein neues Paar Schuhe. Aus Sizilien sonnengetrocknete Tomaten, Salz aus den Salinen von Trapani und ein paar duftende Macchiapflanzen, die ich meist vergeblich versuche, durch den Winter zu bringen.

Was unternehmen Sie, wenn Sie die Recherche vor Ort beendet haben?

Ich tausche mich mit Freunden oder der Familie bei einem Essen über die neuesten Entdeckungen aus und verspreche ihnen, bald wiederzukommen.

Ihr schönstes Erlebnis während der Recherche?

Der Besuch bei den Mitarbeitern der damals neu gegründeten Kooperative Placido Rizzotto Libera Terra, die die ehemaligen vom Staat beschlagnahmten Mafia-Ländereien im Hinterland von Palermo wieder landwirtschaftlich nutzten und Weizen und Wein anbauten. Und das, obwohl Ihnen anfangs mit großem Misstrauen begegnet worden war: Es gab Brände, ein Traktor wurde gestohlen, Unbekannte schnitten Weinstöcke an der Wurzel ab. Doch das ist Vergangenheit. Seit Jahren vertreibt die Kooperative mit Erfolg ihre biologisch hergestellten Produkte unter den Label Libera Terra in verschiedenen Geschäften in Italien oder online.

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