Unsere AutorenAngelika König

Quelle: © Meggie Boden

 

Angelika König ist für DuMont Reise unterwegs auf Menorca.

Autorin der DuMont-Reiseführer:

Was hat Sie zum Reisen und Schreiben gebracht?

Wenn man schon in sehr jungen Jahren in verschiedenen Hamburger Reiseagenturen gearbeitet hat, ist das Interesse an fremden Ländern vorprogrammiert und das Fernweh ein ständiger Begleiter. Schon mit 19 Jahren unternahm ich eine Weltreise rund um die Erdkugel. Aber wie stellt man es an, für längere Zeit im Ausland zu leben? In der Küche beim Abwaschen fasste ich den Entschluss: nach Frankreich wollte ich, Auslandserfahrung sammeln, Französischkenntnisse perfektionieren. Ein Austauschprogramm für junge deutsche Berufstätige ermöglichte den Traum: Ich fand eine Stelle im Deutschen Reisebüro in Paris. Was nur für ein halbes Jahr vorgesehen war, wurde zum Start in ein neues Leben. Fünf Jahre dauerte der Paris-Aufenthalt, unterbrochen von einer Berufstätigkeit in Abidjan (Elfenbeinküste) und privaten Reisen, besonders nach Mexiko. Dort erwachte das Interesse für die spanische Sprache. Es folgten ein Sprachstipendium für Madrid und ein Arbeitsvertrag in Barcelona. Auf Drängen von Freunden entstanden dort 1989 die ersten Reiseberichte und mehrere Reiseführer über verschiedene Regionen der Iberischen Halbinsel. Auch die Kanarischen und Balearischen Inseln gehörten zu den vorgegebenen Themen.

Wie kam es zu Ihrem ersten Reiseführer bei DuMont?

Durch die 1989/1990 bei anderen Verlagen erschienenen Reiseführer über die Balearen wurde der DuMont Verlag auf mich aufmerksam und meldete sein Interesse an einem Menorca-Band an. Gerne ging ich auf das Angebot ein und beschäftige mich daraufhin nochmals intensiv mit der zweitgrößten Insel der Balearen.

Was interessiert Sie am Reiseführerschreiben?

Das Eintauchen in ein neues Thema, eine neue Region, das langsame vertraut werden mit allen Aspekten und Besonderheiten, die zu diesem Reiseziel gehören. Während der Recherche lernt man jedes Mal viel dazu, und alle Erkenntnisse fügen sich dann irgendwann wie ein Puzzlespiel zu einem harmonischen Ganzen. Die neuen Menschen, denen man bei der Recherche unweigerlich begegnet und die manchmal sogar zu Freunden werden, sind ein ganz wichtiger Bestandteil dieser Arbeit. Ebenso schön ist das bleibende Interesse an einem Gebiet, einer Insel, einer Stadt, denn auch nach der Veröffentlichung eines Reiseführers reißt mein Interesse nicht wieder ab, und es ist fast so, als wenn das einmal erschlossene Zielgebiet nun zu einem festen Freundeskreis dazu gehört, dem man immer wieder besondere Aufmerksamkeit schenken möchte.

Welche Beziehung haben Sie zu “Ihrer” Insel?

Ein erster Reiseführer über Menorca war ausschlaggebend für einen Standortwechsel. Mitte der 1990er Jahre verlegte ich meinen Hauptwohnsitz von Barcelona auf die kleine Mittelmeerinsel. Seitdem zeige ich dort als staatlich geprüfte Fremdenführerin der Balearen Besuchern gerne die versteckten Schönheiten, abseits der ausgetretenen Pfade. Kleine Gruppen mit speziellen Interessen und Journalisten gehören zu meinen Lieblingsgästen.
Das Fernweh treibt mich aber auch privat immer wieder zu fernen Kontinenten. Länder wie Vietnam, Laos und Kambodscha gehören ebenso zu meinen Lieblingszielen wie andere Inseln, zum Beispiel Lanzarote, oder Städte wie Paris, Rom, Lissabon, Madrid und Barcelona. Aber die kleine Mittelmeerinsel Menorca ist meine Ruheoase, dort kann ich arbeiten, ausruhen und neue Reisepläne schmieden.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Inhalte Ihrer Reiseführer aus?

Mit meinen Reiseführern versuche ich bei Besuchern das Interesse für die Besonderheiten der Urlaubsregion zu wecken. Ich möchte sie animieren, mit den Menschen und der Kultur des jeweiligen Reiseziels in Kontakt zu treten. Die künstliche Welt der weltweit einheitlich gestalteten Strandhotels oder Clubanlagen mit ihrem Animationsprogramm und All Inclusive-Büffets sind mir persönlich ein Gräuel, und obwohl ihnen gewisse Annehmlichkeiten sicher nicht abzusprechen sind, liegt der wahre Charme einer Urlaubsregion außerhalb des Hotelzauns. Ich stelle deshalb in meinen Reiseführern gerne kleine Stadt- oder Landhotels vor, empfehle einheimische Lokale, animiere zu Wander- oder Fahrradtouren und zum Besuch von Galerien, Werkstätten und Weingütern abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten.

Was packen Sie ein, wenn Sie zur Recherche aufbrechen?

Bevor ich mit einer Recherche vor Ort beginne, habe ich normalerweise schon allerhand gelesen und notiert. Deshalb ist mein Notizbuch mit Adressen, Terminen und Orten, die ich besuchen will, wichtigstes Requisit im Handgepäck, manchmal ist auch ein Krimi (was wäre Venedig ohne Kommissar Brunetti…) mit von der Partie. Natürlich brauche ich auch einen detaillierten Stadt- oder Inselplan bzw. eine gute Landkarte der Region.

Was ist in ihrem Gepäck, wenn Sie zurückkommen?

Haufenweise Informationsmaterial sowie neue Bücher rund um das Reiseziel. Gerne aber auch CDs mit Musik oder Filmen und natürlich Kulinarisches (Wein, Käse, Olivenöl, Süßigkeiten), Rezepte und kleine Mitbringsel für Freunde daheim.

Was unternehmen Sie, wenn Sie Ihre Arbeit und Ihre Recherchen beendet haben?

Die Recherche nimmt nicht nur meine gesamte Zeit, sondern auch meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Einen Reisebegleiter kann ich dabei nicht gebrauchen, denn der wird irgendwann hungrig oder müde, meistens dann, wenn ich noch ein weiteres Museum besuchen oder auf einen noch höheren Aussichtspunkt steigen will. Deshalb reise ich gerne ein zweites oder drittes Mal ganz privat und gerne in Begleitung in ein Zielgebiet, um dann in aller Ruhe all die Dinge zu unternehmen, für die ich bei der Recherche keine Zeit hatte. Dazu gehören ganztägige Wanderungen, planlose Stadtbummel und viele kulinarische Vergnügungen.

Ihr schönstes/beeindruckendstes Erlebnis während der Recherche?

Ein Weingarten am Meer mit alten Fischerhäusern, die zu Feriendomizilen umgestaltet worden waren. Ich bat um einen kurzen Besuch der Anlage. Es war Sonntag. Die ganze Familie saß an einer langen Tafel und ich wurde eingeladen, mit ihnen zu speisen und vom hauseigenen Wein zu kosten. So verbrachte ich, völlig unerwartet, einen langen unterhaltsamen und kulinarisch erlebnisreichen Nachmittag.

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