Unsere AutorenAndreas Neuenkirchen

© Andreas Neuenkirchen

Andreas Neuenkirchen ist für DuMont unterwegs in Japan.

Autor der DuMont Reiselitertur:

Was hat Sie zum Reisen und zum Schreiben gebracht?

Ich bin bereits als Kind mit meinen Eltern gern und viel gereist. Zunächst waren das die üblichen europäischen Städte und Strände, später ging es auch mal in die USA oder nach Asien. Die Reiselust hat sich dann im Erwachsenenalter fortgesetzt. In den Redaktionen, in denen ich gearbeitet habe, war ich immer der, der „Hier, hier!“ gerufen hat, wenn eine Dienstreise zu besetzen war. Geschrieben habe ich, seit ich eine Vorstellung davon hatte, was das ist. Als Kind Abenteuergeschichten für die Tonne, als Teenager Science-Fiction für selbstkopierte Heftchen, in meinen Zwanzigern erste richtige Veröffentlichungen in Zeitungen, Zeitschriften, Anthologien.

Wie kam es zu Ihrem ersten Reiseführer bei DuMont?

Nach meinem ersten Buch über Japan bei einem anderen Verlag wollte ich eigentlich gleich eines speziell über Tokio schreiben. Es kamen dann allerdings andere Bücher dazwischen, und aus dem Tokio-Reisebuch wurde über die Jahre ein Tokio-Heimatbuch. Der Rest war vorbildhafte Arbeit meiner Agentin.

Was interessiert Sie am Reiseführerschreiben?

Schreiben und reisen waren schon immer zwei meiner Lieblingsbeschäftigungen. Es lag nahe, das zu kombinieren. Beziehungsweise es hat sich ganz natürlich so ergeben, ohne bewusste Entscheidung oder Reflexion.

Welche Beziehung haben Sie zu Japan?

Seit 1999 habe ich Japan jedes Jahr bereist, in manchen Jahren mehrmals und länger, seit 2016 lebe ich in Tokio. Mit der Zeit normalisiert sich da einiges in der Beziehung, und das ist auch gut so. Man kann nicht jeden Tag überdreht und mit staunenden Kinderaugen durch die Straßen hüpfen, das macht irgendwann das Herz nicht mehr mit. Gleichwohl ist es wichtig, den Blick des Außenseiters zu bewahren. Wenn ich Erstreisenden begegne, staune ich immer wieder, worüber die staunen. Die mögen nicht immer alles richtig einordnen, aber sie nehmen viel mehr Details wahr, als jemand, der schon länger im Land ist. Und Details wahrzunehmen ist für einen Autor natürlich wichtig. Ich schreibe inzwischen auch für die englischsprachige Lokalpresse vor Ort, dadurch habe ich mindestens zwei sehr unterschiedliche Gruppen von Lesern mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Ansprüchen. Jemandem, der hier lebt, muss ich nicht damit kommen, dass Shibuya Crossing ganz schön voll ist und japanische Hygienetoiletten untenrum sehr angenehm sind. Für eine junge Leserin im deutschsprachigen Raum hingegen, die sich gerade ihr allererstes Japan-Buch kauft, könnten das durchaus neue Informationen sein. Weil ich das Spezielle im Blick haben muss und das Allgemeine nicht aus den Augen verlieren darf, ist meine Beziehung zu Japan und insbesondere zu Tokio nach wie vor eine recht intensive und sehr bewusst gelebte, selbst wenn der Alltag längst zu einem ebensolchen geworden ist.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Inhalte Ihrer Reiseführer aus?

Als Reisender schätze ich Reiseführer mit breiter Palette, genauen Angaben und vielen Daten. Als Autor interessiert mich das eher nicht. Ich möchte mir selbst und den Lesern das Land über die Aufarbeitung eigener Erlebnisse erschließen. Die müssen nicht an touristischen Hauptschauplätzen stattfinden oder reproduzierbar sein, es soll schließlich jeder seine eigenen Erfahrungen machen. Hoffentlich machen meine Bücher Lust auf diese eigenen Erfahrungen. Wenn man dann ganz genau wissen möchte, wie man zum Golden Pavillon kommt oder an welchen Tagen das Parasitenmuseum geöffnet hat, kann man das woanders nachschlagen.

Was packen Sie in Ihren Koffer, wenn Sie in Japan reisen?

Etwas zum Lesen und etwas zum Schreiben. Also genau dasselbe, was ich einpacke, wenn ich kurz mal einkaufen gehe. Man weiß schließlich nie, wann sich Gelegenheiten ergeben. 

Was ist in Ihrem Koffer, wenn Sie von der Reise zurückkommen?

Mitbringsel für die Daheimgebliebenen, meistens Süßigkeiten und Spirituosen.

Was unternehmen Sie, wenn Sie die Recherche vor Ort beendet haben?

Das Kind aus dem Kindergarten abholen.

Ihr schönste Erlebnis in Japan?

Meine Hochzeit natürlich. Die fand zwar in einer geschäftigen, unpersönlichen Schalterhalle statt, aber es kommt ja auf das Ergebnis an.

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