von Maria Anna Hälker

SevillaMetropole des spanischen Südens

Quelle: © iStockphoto.com / Duncan Walker

Ein Hitzeflimmern liegt im Sommer über der weiten Campiña, dem weitgehend baumlosen Hügelland der Guadalquivir-Ebene rund um Sevilla.

Dies ist die heißeste Gegend Andalusiens, ohne künstliche Bewässerung würde hier nicht viel wachsen. Von Frühjahr bis Herbst sind Tagestemperaturen von 40 und sogar bis zu 45/50 0C keine Seltenheit. In Sevilla angekommen, fühlt sich der Reisende daher beim Spaziergang unter den Palmen am Flussufer oder in den schmalen Altstadtgassen, in denen Geraniengrün aus Blumentöpfen quillt, wie in eine Oase versetzt. Eine Oase, die vor Leben, Lebendigkeit und Heiterkeit strotzt. In der Sevillanas, andalusische Lieder, Flamenco und andalusischer Pop-Rock aus Autoradios und Bars dröhnen oder von einem vorbeischlendernden Sevillano geträllert werden. Diese Energie, die schier überbordende südländische Vitalität, dieses ständige leichte Vibrieren, zieht Besucher sofort in ihren Bann. Die andalusische Metropole zeigt ihren Charakter besonders im Frühling, wenn nach der mit inbrünstiger Theatralik begangenen Karwoche die bunte, fröhliche und rauschhafte Feria de Abril gefeiert wird.

Die Parade der touristischen Musts

Natürlich führen alle Wege der Besucher zuerst zur gotischen Kathedrale. Mit 130 m Länge und 83 m Breite gehört sie neben dem römischen Petersdom und der Londoner St. Paul’s Cathedral zu den größten Kirchen der Welt. Sie steht an der Stelle einer Ende des 12. Jh. von den nordafrikanischen Almohaden errichteten Moschee, von der noch das zum Glockenturm umfunktionierte Minarett zeugt. Dann geht es – gleich nebenan – zum gänzlich von einer zinnengekrönten Mauer eingefassten Real Alcázar, den Peter der Grausame 1364 errichten ließ, als ›Liebesnest‹ für seine Lebensgefährtin María de Padilla. Der Palast, der allen kastilischen Königen als Residenz diente, wenn sie sich in Sevilla aufhielten, zeigt die Handschrift maurischer Baumeister und ist ein Kleinod der sogenannten Mudéjarkunst. Ein weiteres historisches Gebäude an der Plaza del Triunfo – und neben Kathedrale und Alcázar ebenfalls Welterbe der Unesco – ist die ehemalige Börse, die heute das Indienarchiv beherbergt: Hier lagern in 9 km Regalen aus kubanischen Edelhölzern alle wichtigen Dokumente, die im Zusammenhang mit der Entdeckung Amerikas und der Verwaltung des immensen spanischen Kolonialgebietes vom 15. bis 19. Jh. stehen. Sie erinnern an die Zeit, in der an den Molen des Guadalquivir die spanischen Galeonen anlegten, schwer beladen mit Gold und Silber aus Amerika. Es machte Sevilla groß und reich, Ende des 16. Jh. hatte es 130 000 Einwohner und war die drittgrößte Stadt des Abendlandes. Sie konnte sich namhafte Maler und Bildhauer leisten, ließ Klöster und Kirchen im üppigen Barock verzieren – bezahlt mit kolonialem Raubgut.

Streifzüge durch alte Viertel …

Sevilla ist schön. Die alten Viertel rund um die Kathedrale und zu beiden Seiten des Guadalquivir – Santa Cruz, El Arenal, Triana oder Macarena – atmen Geschichte auf Schritt und Tritt. Eine Geschichte, die nicht unter dem Pflaster vergraben, sondern in der Gegenwart angekommen und in ihr aufgehoben ist. Santa Cruz, der ehemalige Wohnbezirk der Juden (judería), schließt unmittelbar an die Alcázar-Gärten und den Kathedralbezirk an. Es ist heute ein herausgeputztes Vorzeigeviertel mit schmalen, verwinkelten Gässchen, von denen der Blick in blumengeschmückte Patios schweift. Am besten durchschlendert man den Barrio ziellos – wobei man sich auf jeden Fall verirren wird! Irgendwann stößt man dann auf einen kleinen Platz, zum Beispiel die gemütliche Praza de Doña Elvira mit Restauranttischen unter freiem Himmel, an denen garantiert Straßenmusiker vorbeikommen, um ein paar Takte Flamenco zu spielen und dafür ein paar Cent einzusammeln. Wem Santa Cruz zu “touristisch” ist, der erkundet am besten die Viertel Arenal und Triana zu beiden Seiten des Flussufers. Hier findet man noch die urtümlichen Sevillaner Bodegas und Bars, in denen man zu Tapas an einem Sherry nippt.

Das Erbe zweier Weltausstellungen

Nun, warum nicht: Viele Besucher nutzen die überall im Zentrum wartenden Pferdedroschken für eine erste Sightseeingtour. Unbedingt steht dabei auch der schöne Parque de María Luisa auf dem Programm. Der Stadtpark, eine grüne Oase, entstand zur Weltausstellung von 1929. Die ehemaligen Messepavillons in ihren historisierenden Stilen, darunter im Neomudéjarstil, sind bemerkenswert. Interessant ist allemal auch das Areal der Expo ’92, die Sevilla mit der Isla Mágica einen Vergnügungspark bescherte, in dem besonders am Wochenende Partystimmung aufkommt.

Tipp: Vom Museo del Baile Flamenco zur Casa de la Memoria

»Eine Tür zur andalusischen Identität« will das Museum sein, so formuliert es Direktor Dr. Kurt Grötsch. Das Museum des Flamenco-Tanzes öffnete 2006 in einem Sevillaner Stadtpalais des 18. Jh. seine Tore – fünf Gehminuten von der Kathedrale entfernt. Sevilla ist eine Wiege des Flamenco, und so erhält man in diesem Haus einen kleinen Einblick in die gefühlvolle Seele der Stadt (www.muesoflamenco.com). Das Museum ist eine gute Vorbereitung auf einen Flamenco-Abend in der Casa de La Memoria (www.casadelamemoria.es) im Viertel Santa Cruz. Junge Sevillaner Künstler geben hier allabendlich Tanz- und Gesangsdarbietungen und Gitarrenkonzerte von hoher Qualität.

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