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Lissabon
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Zwischen Tradition und Moderne 

von Gerd Hammer

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Quelle: ©iStockphoto.com/Adam Korzekwa

Lissabon, die Hauptstadt Portugals, oftmals auch als schönste Stadt der Welt bezeichnet, ist ebenso wie die sonnigen Strände der Algarve ein magnetischer Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt. Wer sich der Stadt von Süden her über die Brücke des 25. April nähert, erlebt sie schon bei der Anfahrt in all ihrer Pracht: Auf sieben Hügeln soll die Stadt an der Mündung des Tejo erbaut worden sein, die reichen aber schon lange nicht mehr aus, um die rund 2,5 Mio. Menschen im Großraum Lissabon zu beherbergen. Der Blick von der Brücke reicht vom Stadtteil Belém im Westen über das große Kastell São Jorge und das alte maurische Viertel Alfama im Zentrum bis im Osten zur modernen Brücke Vasco da Gama im ehemaligen EXPO-Gelände – nicht nur geografische Gegenpole.

Alter Ruhm – neuer Glanz

©iStockphoto.com/Pippa West Von Belém brachen vor 500 Jahren die Seefahrer auf, um neue Welten zu entdecken. Hier steht ihnen zu Ehren die Torre de Belém, eines der Wahrzeichen der Stadt. Und hier steht auch das gewaltige manuelinische Hieronymitenkloster, das von dem ungeheuren Reichtum zeugt, die der Überseehandel den Portugiesen einst brachte. In Belém findet sich außerdem das Centro Cultural de Belém, einer der wichtigsten Veranstaltungsorte des Landes. Im Osten, wo die zweite Brücke Lissabons die Stadt mit dem gegenüberliegenden Tejoufer verbindet, hat Lissabon sich mit der Weltausstellung EXPO ´98 ein neues, europäisch-modernes und zukunftsorientiertes Aussehen gegeben. Dort wo das größte Aquarium Europas steht, ist inzwischen ein modernes und bei den Lissabonnern beliebtes Viertel für das Nachtleben entstanden. Das heutige Lissabon besteht nicht mehr nur aus Saudade und Fado, dem Trauern um vergangenen Glanz und Ruhm. Lissabons Charme liegt in dem Spagat zwischen Tradition und Moderne.

Miradouros

Miradouros heißen die zahlreichen Aussichtspunkte, die einen herrlichen Blick auf die Stadt bieten. Etwa vom Castelo São Jorge aus über das älteste Viertel der Stadt, die maurische Alfama, oder die Baixa, die Unterstadt, die bei dem großen Erdbeben von 1755 vollständig zerstört und von dem aufgeklärten Absolutisten Pombal nach damals modernsten Kriterien wieder aufgebaut wurde. Wunderbar ist auch die Aussicht vom Miradouro Santa Luzia über die Alfama – die berühmte Straßenbahn Nr. 28 hält direkt davor. Vor allem Jugendliche treffen sich am Miradouro Santa Catarina, um die letzten Strahlen der Abendsonne zu genießen, bevor sie dann in die zahlreichen Restaurants, Kneipen und Diskotheken des Bairro Alto, der Oberstadt, aufbrechen. Und wenn der Betrieb dort abflaut, wird es meist schon wieder hell …

Ein Lob der Gemütlichkeit

©iStockphoto.com/Daniel Gonzalez AcuÒa Lissabons Tempo ist noch gemächlich und nicht mit anderen Weltstädten zu vergleichen. Natürlich, der Verkehr ist laut und manchmal auch chaotisch. Aber in der Stadt hat man es nicht allzu eilig. Kaum je sieht man einen durch die Straβen der Unterstadt rennen oder hektisch die prachtvolle Praça do Comércio überqueren. Auch auf dem Rossio, dem Hauptplatz Lissabons, geht es eher ruhig zu, die Menschen hier finden immer Zeit für ein Gespräch, Hektik wird hier nicht verbreitet. Und wer in den angenehmen Restaurants der Baixa zum Mittagessen einkehrt, wird schnell bemerken, dass auch die Mittagspause recht ausgedehnt sein kann.

Benfica und die Bica

Spätestens die Europameisterschaft hat es 2004 der ganzen Welt gezeigt: Portugal ist ein fußballverrücktes Land. Und wo könnte man sich besser über dieses Thema streiten als in den zahlreichen Cafés der Stadt. Auch wer die Sprache nicht versteht, wird doch mühelos die Wörter Benfica und Sporting heraushören, die alten Rivalen in neu erbauten Stadien, über die sich die Lissabonner wohl nie einigen werden. Und so trifft man sie mit der täglich erscheinenden Sportzeitung A Bola zu jeder Tages- und Nachtzeit mit ihrer Bica – so heißt der portugiesische Espresso – im angeregten Gespräch. Das Café ist das zweite Wohnzimmer der Portugiesen. Wer etwas über sie erfahren möchte, hat hier den besten Anlaufpunkt.

Gut zu Fuß

Lissabon lässt sich gut erlaufen. Alfama, Bairro Alto, Baixa, all diese sehenswerten Viertel liegen recht nahe bei einander. Besonders schön ist es im Spätsommer oder im Frühling, wenn die Schatten länger werden und die Sonne nicht mehr so heiß vom Himmel brennt. Aber auch im August lohnt der Besuch, schließlich finden sich vor den Toren der Stadt attraktive Ausflugsziele wie der kilometerlange Strand von Caparica südlich des Tejo oder das nahegelegene Sintra. Etwas weiter entfernt dominiert ein gewaltiges Kloster die Stadt Mafra, und am Meer verlockt das vielbesuchte Ericeira zu einem Kurzbesuch. Und wer dann im milden Licht der Abendsonne nach Lissabon zurückkehrt, wird den Wunsch verspüren, immer wieder zurückzukommen.

Tipp

In der Rua Garrett, im vornehmen Einkaufsviertel Chiado, findet sich die Perle Lissabonner Kaffeehauskultur: A Brasileira. Hier kann man seine Bica trinken und sich an Zeiten erinnern, da das Café wichtiger Treffpunkt für Künstler und Intellektuelle war; in den Zeiten der Diktatur zählten auch viele Regimekritiker zu den Stammgästen. Auf der Esplanade des Cafés sitzt am Nebentisch aus Bronze gegossen Fernando Pessoa, der wichtigste portugiesische Schriftsteller des 20. Jh. und äußerst beliebter Fotopartner vieler Reisender. Auch wenn die Cafés als Künstlertreff an Bedeutung verloren haben, in der Brasileira lebt das Flair vergangener Zeiten weiter.

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