Silbern bedeckt das Meer die Couesnon-Bucht. Im Dunst erhebt sich, „unglaublich fremd und schön, wie ein Traumpalast“ der Mont St-Michel. Was Guy de Maupaussant schwärmen ließ, wird bis 2014 in einem enormen Renaturierungsprojekt wieder hergestellt: die Insellage des Klosterberges an der Grenze zur Bretagne.
Der berühmte Glaubensfels, bei Baubeginn noch bretonisch, liegt heute in der Normandie. Schuld daran ist der Grenzfluss Couesnon, der im Laufe der Jahrhunderte seine Mündung verlagerte. Seit 1869 verbindet ein zwei Kilometer langer Straßendamm die Klosterinsel mit dem Festland – mit fatalen Folgen. Er hält die Schlickablagerungen des Couesnon in der Bucht. Die Sedimentschicht um die Insel hat inzwischen eine Höhe von 15 Metern erreicht und den Mont förmlich trocken gelegt. Aus diesem Grund begannen im Winter 2005/2006 die Vorbereitung zur Renaturierung der Bucht. Damals wurden die Kosten für dieses ambitionierte Bauprojekt auf rund 164 Millionen Euro geschätzt – doch schon jetzt ist absehbar, dass es teurer wird.
Als erstes begannen die Arbeiten am Fluss. An seiner Mündung wurde im Mai 2009 „Le Barrage“ eingeweiht. Das Stauwerk verstärkt seitdem die Spülkraft des Flusses: Bei Flut wird es geschlossen, bei Ebbe das angestaute Wasser abgelassen, was die Fließgeschwindigkeit erhöht und Sedimente abtransportiert. Dabei helfen auch die Bagger, die derzeit das Flussbett vertiefen und so dem bislang träge dahin fließenden Wiesenfluss Beine machen. Bereits zehn Jahre nach Ende des Bauprojektes sollen 80 Prozent der Ablagerungen durch die Kraft des Wassers aus der Bucht geschwemmt worden sein. So soll der Wasserstand der Baie de Mont St-Michel um rund 70 Zentimeter steigen. 2042 würde das Meer 50 Hektar seiner ursprünglichen Fläche wiedergewinnen, 42 Hektar grünen Landes würden wieder im Meer versinken und der Berg wieder eine richtige Insel werden. Wie verlandet die Bucht bereits ist, zeigen dunkle Berge am Ufer – mehr als 1,5 Millionen Kubikmeter Tang wurden bislang mit Baggern rund um die Flussmündung vom Meeresboden geräumt und den Bauern als Dünger zur Verfügung gestellt. Die Schleuse mit ihrer deutlich sichtbaren Mechanik und dem Paradeblick auf den Klosterberg und die umliegende Landschaft gehört schon jetzt zu den Sehenswürdigkeiten der Baie de Mont St-Michel.
Komplett neu gelenkt wird auch der Besucherstrom. Den bisherigen Straßendamm, der die Verlandung begünstigte, ersetzt künftig ein Steg – eine 700 Meter lange „Passerelle“ aus Eichenholz. Auf zierlichen Pfählen ruht sie im Watt. Anders als der Damm führt die Fußgängerbrücke nicht geradlinig zum Mont St. Michel, sondern schwingt sich erst leicht nach Ost, dann nach West – und bietet immer wieder neue Ausblicke auf den Klosterberg. Außerdem endet sie nicht mehr direkt an den Festungsmauern, sondern auf einem neu aufgeschütteten Plateau am Ufer – von dort erscheint die Glaubensfestung noch gewaltiger. Wer nicht so gut zu Fuß ist, kann die Strecke mit einer „Navette“, einem Panoramazug auf Gummireifen, zurücklegen. Beseitigt wird auch der bisherige Inselparkplatz – künftig kann nur noch am Festland geparkt werden. Hecken und Pappeln sollen verhindern, dass die Besucher vom Mont aus auf ein Automeer blicken. In Parkplatznähe neu errichtet werden drei Gebäude mit Informationsbüros und Besucherservice. Die aus Paris kommende Bahnstrecke wird bis zum Beginn der Navette verlängert. So wird es endlich auch möglich sein, den Mont ohne Auto zu erreichen.
Besichtigung & Führung
Das 132 Meter breite Promenadendeck auf der Brückenschleuse an der Couesnon-Mündung steht Fußgängern offen, die aus sicherer Höhe die Gewalt der Gezeiten beobachten und den Paradeblick auf den Mont St-Michel genießen wollen.
Adresse & Öffnungszeiten
Das hölzerne Promenadendeck ist kostenlos zugänglich. Die aktuellen Zeiten von Ebbe und Flut sind der Website www.projetmontsaintmichel.fr zu entnehmen.
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