Überfüllte Hauptdurchgangsstraßen, Parkplatzprobleme, erhöhte Konzentration von Auspuffabgasen – die Liebe (nicht nur) der Amerikaner zu den Nationalparks hat auch Schattenseiten.
An Sommerwochenenden wälzt sich eine Autokarawane aus den Städten der Bay Area auf die Sierra Nevada zu. Viele Bewohner von San Francisco, Oakland oder San José wollen die Schönheit der Natur genießen, vor allem die Naturwunder des Yosemite National Parks. Dort müssen Ranger sogar den Verkehr regeln, eine Tätigkeit, die eigentlich nicht in ihrer Stellenbeschreibung steht. Werden die Nationalparks buchstäblich „zu Tode geliebt“? Ersticken sie an den Besuchermassen?
Tatsächlich hat sich die Zahl der Nationalparkbesucher in den letzten 25 Jahren von zwei auf vier Million Besucher verdoppelt. Starker Autoverkehr bedeutet eine sehr hohe Beanspruchung der Straßen. Das zeigt auch die Zahl der Schlaglöcher, die wegen begrenzter Mittel nicht schnell genug repariert werden können. Wegen schlechten Straßenzustandes mussten zuweilen einzelne Strecken vorübergehend sogar ganz geschlossen werden. „Lasst uns doch einfach die Eintrittspreise erhöhen, und das Problem ist gelöst“, meinten viele. Tatsächlich konnten sich viele die erhöhten Kosten für den Besuch von Nationalparks nicht mehr leisten und blieben weg. Die Befürworter einer „Regulierung durch den Markt“ sahen sich bestätigt. Doch die grundlegende Idee hinter der Einrichtung von Nationalparks, der amerikanischen Bevölkerung die schönsten Naturschätze zu erhalten, und zwar nicht nur dem wohlhabenderen Teil, war damit nicht mehr aufrechtzuerhalten.
Das brachte die Befürworter eines flexibleren Preissystems auf den Plan: Günstigere Eintrittspreise in nachfrageschwächeren Zeiten sollen weniger Betuchte zum Parkbesuch ermuntern und gleichzeitig bei erhöhten Gebühren in den Hochsaisonzeiten vom Besuch abhalten. Eine gleichmäßigere Verteilung der Besucherzahlen wäre das Ergebnis, ohne dass dabei ärmere Familien vom Parkbesuch ausgeschlossen würden. Dem drängenden Parkplatzproblem versucht man mit der Einschränkung des Individualverkehrs in besonders gefährdeten Bereichen zu begegnen – als Ersatz werden umweltschonende Transportmöglichkeiten wie zum Beispiel Elektrobusse angeboten.
Als John Muir, der Urvater des Nationalparksystems und Gründer des Sierra Clubs, sich vor mehr als 100 Jahren für besonders geschützte Nationalparks einsetzte, lebten in den USA gerade 100 Millionen Menschen, heute sind es allein in Kalifornien mehr als 35 Millionen. Um die Nationalparks bei einer drastisch gestiegenen Bevölkerungszahl und erhöhter Mobilität zu erhalten, bleiben Diskussionen notwendig und wird man auch noch die eine oder andere unpopuläre Entscheidung treffen müssen.
Aufgabe der 1948 gegründeten, auch die Roten Listen gefährdeter Arten veröffentlichenden Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources, kurz IUCN) ist es, die Gesellschaften für den Natur- und Artenschutz zu sensibilisieren und so zu beeinflussen, dass eine nachhaltige und schonende Nutzung der Ressourcen sichergestellt ist. Weltweit gibt es heute rund 3600 Nationalparks, die nach den Kriterien der IUCN geführt werden.
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