Wer vom Flughafen Gando auf der Autobahn in die Ferienquartiere an der Costa Canaria unterwegs ist, mag sich verwundert die Augen reiben. Abgesehen von aus Amerika eingeschleppten Opuntien und Agaven gibt es nicht viel besonders Reizvolles zu entdecken. So mancher Neuankömmling fragt sich deshalb zunächst, wo sie denn nun ist, die viel gerühmte „Insel des Ewigen Frühlings“, auf der rund ums Jahr die Blumen blühen …
Im Hotel angekommen, relativiert sich das Bild bei einem Blick in den Garten. Palmblätter wiegen sich sanft im Wind, allen voran die der Kanarischen Dattelpalme, die zu den prächtigsten ihrer Gattung gezählt wird. Dazu leuchtende Bougainvilleen und Hibiskussträucher in allen Farben sowie pünktlich zu Weihnachten die roten Sterne, die man von daheim als Topfpflanzen kennt. An Gran Canarias Straßenrändern wachsen Weihnachtssterne fast wie Unkraut. Bis zu drei Meter können sie in die Höhe schießen.
Ziergewächse aus aller Welt, zu denen auch Afrikanische Tulpenbäume und taubenblau blühende Jacarandabäume aus Brasilien gehören, sind nur ein Aspekt der bunt schillernden Kanarenflora. Botaniker entdecken auf den Inseln selbst heute immer noch die eine oder andere Unterart einer Pflanze. Für die Profis ist zudem alles schön übersichtlich nach Höhenstufen geordnet: Unten in der Küstenzonen wetteifern trockenresistente Sukkulenten und anspruchslose Wolfsmilchgewächse um einen Platz an der Sonne, in den mittleren Lagen finden sich mannshohe Baumheide und Gagelbäume sowie ganz oben im Bergland teils ausgedehnte Wälder der Kanarischen Kiefer. Von dem auf den Westkanaren noch weit verbreiteten tertiären Lorbeerwald gibt es allerdings nur noch bescheidene Relikte in Los Tilos de Moya.
… der Kanarenflora ist der Drachenbaum. Wild wachsend wurde er fast ausgerottet. Die Ureinwohner nutzten seinen klebrigen Saft zum Einbalsamieren der Toten, die spanischen Eroberer verarbeiteten den auch „Drachenblut“ genannten Stoff unter anderem zu Zahnpasta. Mit seiner weit verzweigten Krone aus einem Gewirr von Flaschenästen setzt der Drago so gut wie in jedem Hotelgarten Akzente, ein prächtiges Drachenbaumwäldchen kann im Jardín Canario nahe der Hauptstadt Las Palmas bestaunt werden. Dort können sich Besucher auch einen Überblick verschaffen, was sonst noch so alles auf den Kanaren heimisch ist.
Rund 3500 Gewächse kommen nur auf den Kanaren vor. Für diesen ungewöhnlich hohen Anteil an endemischen Pflanzen ist die geografische Randlage der Inseln verantwortlich. In vielen bis heute nur schwer zugänglichen Barrancos konnte sich so manches neuartige Pflänzchen in aller Seelenruhe entwickeln.
Botanische Gärten
Jardín Canario: Tafira Alta, GC-110, km 7,2, www.jardincanario.org, tgl. 9.00–18.00 Uhr, Eintritt frei
Palmitos Park: Maspalomas, Barranco de Los Palmitos, www.palmitospark.es, tgl. 10.00–18.00 Uhr
Lesetipp: Ein fundierter Naturreiseführer zu Flora und Fauna ist „Kanarische Inseln“ von Manfred Rogner (Natur und Tier Verlag).
Der neue DuMont Bildatlas “Gran Canaria – Lanzarote – Fuerteventura” ist ab sofort im Zeitschriftenhandel erhältlich und ab April 2012 im Buchhandel.
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