Hoch oben im Norden dreht sich nicht nur beim Segeln vieles um den Wind. Wind ist unbegrenzt verfügbar und stellt keine Rechnungen. Wind ist umweltfreundlich und soll die fossilen Brennstoffe nach und nach ersetzen. Kurz: Wind ist die neue Leit-Energie des Küstenlandes.
Der Anblick gefällt nicht jedem. Immer größer werden die Stahlkolosse, die sich mit ihren rotierenden Flügelblättern gen Himmel recken. Aber Fehmarn ist nun einmal die Windinsel schlechthin – zumal die Gewinnung von Windenergie staatlich gefördert wird und die Bundesrepublik weltweit technischer Vorreiter bei der Nutzung dieser alternativen Energie ist. Generell prophezeit man der Windkraft nach wie vor eine gute Zukunft und mancher Landwirt möchte mit der Investition der Windanlagen sein Einkommen verbessern. Dennoch sind die Anlagen bei den Bewohnern der Insel nicht unumstritten. Zum einen sichern sie Arbeitsplätze – mit mehr als 5 000 Beschäftigten in der Branche ist Schleswig-Holstein ein weltweit führender Standort – und erwirtschaften begehrte Gewerbesteuereinnahmen. Zum anderen beeinträchtigen sie die bisher landwirtschaftlich geprägte Umwelt Fehmarns und, so befürchtet manch einer, könnten womöglich dem Tourismus schaden. Windparks wie der „Windpark Fehmarn-Mitte“ oder „Presen“ werden auf der Insel bereits seit Mitte der 1990er-Jahre errichtet.
Der sogenannte Windpark Fehmarn wurde mit 34 Windkraftanlagen damals sogar in das Guinness Buch der Rekorde als Deutschlands größter Windpark eingetragen. Allerdings bringen die Windenergieanlagen der jüngsten Generation einige Vorteile – die Anzahl der Windräder kann beispielsweise verringert werden. Im Rahmen des so genannten „Repowering“ wurden viele kleine Anlagen abgebaut und durch größere Windmühlen ersetzt. Obwohl weniger Anlagen am Netz hängen, wurde die insgesamt produzierte Strommenge dadurch sogar noch um ein Mehrfaches erhöht. Die alten Windräder konnten sogar noch in die USA und nach Osteuropa verkauft werden.
Der Ausbau der Windenergieanlagen, insbesondere im Offshore-Bereich, lässt einen weiteren Anstieg der installierten Leistung erwarten. Denn nicht nur an Land, sondern auch „offshore“, also auf hoher See, sind im Umfeld Fehmarns bereits Windparks in Betrieb beziehungsweise geplant. Aber am Tourismus-Standort Fehmarn ist darüber nicht unbedingt jeder begeistert. Denn mit „Beltsee“ – hier sind 10 km vor der Küste Fehmarns bis zu 83 Anlagen der neuen 3,0-Megawatt-Generation geplant –, „Sky 2000“ und dem vorgeschalteten Demonstrationsfeld „GEOFReE“ sowie den bereits fertig gestellten „Nysted“ und „Rødsand II“ vor der dänischen Ostküste Lollands droht fast schon eine geschlossene Offshore-Kette. So kommen jetzt laut Bundesverband Wind-Energie e.V. (BWE) schon im nördlichsten Bundesland fast 40 % des Stromverbrauchs aus der Windenergie, dem regenerativen Energieträger mit dem größten Wachstumspotenzial.
Insgesamt stehen 2009, so der Verband, zwischen Nord- und Ostsee 2772 Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 2775 Megawatt. Hier wird pro Einwohner bundesweit der meiste Strom aus Windenergie gewonnen, doch das soll sich in den kommenden Jahren noch steigern. Dafür gibt es das Grünbuch Energie Schleswig-Holstein 2020. Darin wird verdeutlicht, dass 2020 im nördlichsten Bundesland Deutschlands mit der Leit-Energie Wind mehr Strom erzeugt als verbraucht werden wird. Dabei wird allerdings die Nordseeküste eine noch größere Rolle spielen, als die Ostsee.
Doch in Ostholstein und speziell auf Fehmarn setzt man nicht nur auf Wind allein. Auch andere erneuerbare Energien stehen an der Küste hoch im Kurs. Da auch überdurchschnittlich viele Solaranlagen pro Kopf existieren und zudem Energie in Biomassekraftwerken gewonnen wird, produziert Fehmarn beispielsweise aus regenerierbarer Energie ein Vielfaches des eigenen Stromverbrauchs. Aber man kann an der Ostseeküste nicht nur die Windräder sich drehen sehen, sondern, wenn auch nicht auf Fehmarn, Strom und verschiedene regenerative Energien praktisch erfahren. Denn Wind, Sonne und Wasser stehen im Mittelpunkt des ersten Energieerlebnisparks Deutschlands. Der „artefact Powerpark“ in Glücksburg gehört zum Zentrum für nachhaltige Entwicklung. Inzwischen laden 40 Stationen zum Entdecken und Erforschen ein. Was verbraucht eigentlich wie viel Strom? Wie entsteht Wind aus Sonne und wie wird aus Wasser Energie gewonnen? Alle diese Fragen werden spielerisch und unter Einsatz aller Sinne geklärt beispielsweise an der Strommaschine, der Windpumpe oder der Elektrisiermaschine.
artefact Powerpark
Bremsbergallee 35, 24960 Glücksburg, Tel. 0 46 31 6 11 60, www.artefact.de
Öffnungszeiten: April-Sept. Mo.-Fr. 9.00–18.00 Uhr, Sa., So. 10.00–18.00 Uhr, Okt. Mo.-So. 10.00–18.00 Uhr Eintrittspreise: Erwachsene 4 Euro, Kinder bis 16 Jahre 3 Euro, Familien 10 Euro
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