Jetzt geht es richtig um die Wurst: Wer sich beim Würstelstand, ganz speziell bei einem Wiener Würstelstand, erfolgreich behaupten will, braucht das richtige Handwerkszeug und fundierte Kenntnisse über die angebotenen Spezialitäten.
Sie glauben, Sie können einfach so mir nichts dir nichts das bestellen, was Sie möchten? Weit gefehlt. Um wirklich das zu beim Würstelstand zu bekommen, auf was man gerade “einen Gusto” hat, sind gewisse sprachliche Voraussetzungen vonnöten. Denn dem Wiener ist die Wurst nicht “wurscht”. Und wer in Wien Wiener Würsteln bestellt, der hat schon verloren. Denn in Wien heißen die Wiener Würsteln Frankfurter. Dazu aber mehr weiter unten. Das ist aber beileibe noch das geringste Problem, mit welchem Sie konfrontiert werden.
Dirk Stermann, ein seit mehr als 20 Jahren in Wien lebender, bekannter Kabarettist, deutscher Provenienz, kann ein Lied davon singen. Da merkt man wieder, dass der größte Unterschied zwischen Deutschen und Österreichern und im speziellen den Wienern, die deutsche Sprache ist.
Nach einem verbreiteten Klischee ist der Würstelstand jener Ort, an welchem alle gesellschaftlichen Schichten in einer sozialen Grauzone zusammentreffen. Bekannt in diesem Zusammenhang ist vor allem jener Würstelstand in der unmittelbaren Nähe der Staatsoper in Wien. Der älteste Wiener Würstelstand Leo’s Würstelstand besteht seit 1928. Einige Würstelstände, vor allem im Bereich der Wiener Innenstadt, haben bis spät in die Nacht geöffnet und sind dadurch für Nachtschwärmer, aber auch zum Beispiel für Taxifahrer eine der wenigen Möglichkeiten, um diese Uhrzeit zu einer schnellen Mahlzeit für zwischendurch zu kommen.
Das traditionelle Angebot umfasst: Burenwurst, Käsekrainer, Frankfurter (Wiener), Bosna (auch: Bosner), Waldviertler, Debreziner, Hot Dog, Leberkäse – alles mit süßem oder scharfem Senf, Kren und Ketchup sowie einem Stück Brot oder einer Semmel; oft ergänzt durch das obligate Bier oder dem auch sehr beliebten Spritzer. Daneben finden sich diverse eingelegte Gemüse: Ölpfefferoni (scharf), Salz- und Essiggurken, Silberzwiebeln, aber auch Rollmops und Manner-Schnitten gehören meist zum Sortiment.
Die Bezeichnung „Frankfurter“ wurde jedoch vor allem über die Wiener Abwandlung bekannt, die Johann Georg Lahner (1772–1845), ein in Frankfurt ausgebildeter Metzger, ab 1805 in Wien aus einer Mischung von Rind- und Schweinefleisch herstellte und „Frankfurter“ nannte. Der Erfolg ging um die Welt, weshalb man in Österreich, Nordamerika und anderen Staaten mit „Frankfurtern“ die Wiener Variante meint. In Deutschland und der Schweiz dagegen ist dieser Name für die Würstchen aus Frankfurt besetzt, während diejenigen aus Wien als Wiener Würstchen bezeichnet werden, in einer längeren Variante auch „Sacherwürstel“.
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