Wenn der Berg ruft, kommen alle, die dürsten: ob nach Gnade oder Geselligkeit, Gebet oder Gerstensaft. Kloster Andechs, der Heilige Berg, der bayerische Olymp, von weither sichtbar über dem Ammersee inmitten des Fünf-Seen-Landes gelegen, ist seit mehr als einem halben Jahrtausend ein Ziel für Pilger – und seit vielen Jahren auch für Biergartenfreunde.
177 Meter über dem Ostufer des Ammersee thront das Kloster, das 1438 zunächst als Augustinerstift gegründet und 20 Jahre später in ein Benediktinerkloster umgewandelt wurde. Wichtigstes Ziel der 250 000 Besucher jährlich ist die Klosterkirche mit dem berühmten Gnadenbild der Muttergottes, den opulenten Fresken – und natürlich das leckere Bier. Schon lange vor Kloster und Kirche war Andechs ein Wallfahrtsziel. Im 10. Jahrhundert brachte Graf Rasso aus dem Heiligen Land Reliquien mit, Grundstock des Andechser Heiltumsschatzes und Grundlage des ehrenvollen Namens Heiliger Berg. Später beanspruchte Andechs sogar für sich, im Besitz der Heiligen Vorhaut von Jesus zu sein. Strategisch und spirituell war dieser magisch anmutende Ort schon seit jeher von Bedeutung. Andechs gilt deshalb, neben Altötting, als der älteste und bedeutendste Wallfahrtsort Bayerns. Gastfreundschaft wird hier seit gut 550 Jahren groß geschrieben. Nach der Regel des heiligen Benedikt – „alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus“ – wurden Pilger seit jeher von den Mönchen verköstigt. Heutzutage sieht das freilich etwas anders aus. Pilger mit religiösen Motiven scheinen besonders an heißen Sommertagen in der Unterzahl, während die mit lukullischen Beweggründen die weitläufige Sonnenterrasse bevölkern und das mit großem und lautstarkem Hallo. Zwar bleiben oktoberfestähnliche Zustände wie nackte Oberkörper oder blanke Busen auch nach mehreren Maß aus, doch von der Würde eines Klosters ist bei rappelvoller Belagerung, derben Sprüchen und vulgärer Gestik so manches Mal wenig übrig.
Der traditionsreiche „Klostergasthof“ gilt als genauso alt wie das Kloster selbst. Als erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen kann Kloster Andechs alle finanziellen Mittel für die Versorgung und den Unterhalt der Abtei St. Bonifaz in München und Andechs selbst aufbringen. Es bekommt keine Zuweisungen aus Kirchensteuermitteln. Das von Mönchen und Mitarbeitern erstellte Leitbild bringt die Unternehmenskultur des Klosterbetriebs auf den Punkt: Unsere Tradition ist es, fortschrittlich zu sein; unseren Fortschritt verdanken wir einer großen Tradition. Daraus resultiert das Handeln der Klosterschaft, in der Gegenwart die Basis für die Zukunft zu schaffen. Die Andechser Faszination ist, dass Andechs nicht nur ein Wallfahrts- und Genuss ort ist, sondern Bayern im Kleinformat darstellt. Man findet alles, was Oberbayern ausmacht: Bier, Berge, Barock und Religion. Die Gegend kommt einer Ideallandschaft gleich, mit Alpenkulisse und Hügeln, üppigem Baumbestand und satten Wiesen. Mensch und Tier fügen sich in diese wunderschöne, bucklige Welt ebenso ein wie die krummen Wege und versteckten Dörfer. Über den Dingen steht nur Andechs mit seinem Berg und Kloster.
Kloster Andechs, Bergstraße 2, 82346 Andechs, Tel. 0 81 52/37 60, www.andechs.de
Klostergasthof Andechs, Bergstraße 9, Tel. 0 81 52/9 30 90, www.klostergasthof.de
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