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DIE HÖHLE VON ALTAMIRA
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Virtuosen der Steinzeit 

von Cordula Rabe

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Quelle: DuMont Reiseverlag/ Arthur F. Selbach

Wie so oft hatte er mit dem steinernen Faustkeil die Felswand bearbeitet, im Feuerschein der kleinen Lampe Linien in den Kalkstein geritzt. Dann machte er Feierabend, legte den Keil neben seinem Tagwerk ab und ging. Er sollte nicht mehr wiederkehren. Der Stein blieb zurück. Etwa 13 000 Jahre lang.

Quelle: DuMont Bildarchiv/Arthur F. Selbach Anfang der 1990er-Jahre suchte José Antonio Lasheras in einem etwas abgelegenen Teil der Höhle nach Felsgravuren. Und da sah er diesen Faustkeil liegen, den ein steinzeitlicher Benutzer hinterlassen hatte: „Wissenschaftlich gesehen war dies sicher keine spektakuläre Entdeckung, doch für mich persönlich die emotionalste.“ Seit 1991 ist Lasheras Direktor des Nationalmuseums von Altamira, unter seiner Leitung entstand die originalgetreue Reproduktion der Steinzeithöhle mit ihren weltberühmten Zeichnungen von Bisons, Hirschen und Pferden. Nirgendwo sonst geben unsere steinzeitlichen Vorfahren einen so umfassenden und plastischen Einblick in ihre Gedanken- und Erlebniswelt. Das erkannte auch ihr Entdecker Marcelino Sanz de Sautuola (1831–1888). Bloß schenkte dem Juristen und Hobby-Naturwissenschaftler, den 1875 ein Hirte auf die Höhle aufmerksam gemacht hatte, zunächst niemand Glauben. Zuerst fand er darin nur Muscheln, Knochen und ein paar Wandzeichnungen. Als er die Höhle erneut, diesmal in Begleitung seiner etwa neunjährigen Tochter inspizierte, schweifte der Blick des Mädchens auch zur Decke. „Schau mal Papa, Stiere!“, soll sie gerufen haben. Sautuola identifizierte die wuchtigen Tiere jedoch als in Europa längst ausgestorbene Bisons. Für ihn stand auβer Zweifel: Steinzeitmenschen hatten diese Kunstwerke geschaffen. Die Anerkennung seiner Entdeckung erlebte Sautuola nicht mehr, er verstarb 1888. Seine erste Analyse der Höhle gilt jedoch bis heute als verlässliche Referenz. Nach neuestem Forschungsstand war die Höhle bis vor etwa 13 000 Jahren bewohnt, dann stürzte der Eingangsbereich ein. Zuvor hatten ihre wechselnden Bewohner sich immer wieder von den bereits vorhandenen Zeichnungen inspirieren lassen und eigene hinzugefügt. Für den Museumsdirektor Lasheras waren die Menschen der Steinzeit die gröβten Erfinder. So entstanden die von einer Farbkontur umgebenen Hände mit einer prähistorischen, mittels eines Systems von zwei Röhrchen funktionierenden Spraytechnik. „Und selbst ein Armani-Anzug wird noch immer mit einer steinzeitlichen Erfindung hergestellt: der Nadel.“

MUSEO DE ALTAMIRA

Öffnungszeiten: Mai–Okt. Di.–Sa. 9.30–20.00, So./Fei. 9.30
bis 15.00 Uhr. Nov.–April Di.–Sa. 9.30-18.00 Uhr, So./Fei. 9.30
bis 15.00 Uhr. Eintritt Museum und Neocueva 3 €. Sa. ab
14.30 Uhr und So. ganztägig sowie April, 18. Mai, 12. Okt.
und 6. Aug. freier Eintritt. Das Museum bietet Workshops für Kinder, in denen prähistorische Techniken wie steinzeitliches Farbsprayen, Feuermachen oder die Herstellung eines Faustkeils gezeigt werden. Anmeldung notwendig.
www.museodealtamira.es

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