Eine typisch Berliner Geschichte: Auf dem Tempelhofer Feld entstand Hitlers Flughafen, nach dem Krieg war das Gelände Berlins Rettung, als hier die Rosinenbomber landeten. 2009 wurde der Flughafen geschlossen, jetzt ist er eine riesige Freifläche. Verschenkte Chance oder grandioses Freizeitgelände? Wie man’s nimmt.
Schräg scheint die Morgensonne auf die Rollbahn, das Rennrad wirft einen langen Schatten, die Autorin dieser Zeilen dreht einsame Runden auf dem Tempelhofer Feld, mit Musik im Ohr. Eine schönere Trainingsstrecke kann es kaum geben, und so teilen sich schon in aller Frühe Skater, Radsportler und Läufer den Rundkurs.
Im Lauf des Tages bevölkert sich das Areal, dessen Fläche größer ist als New Yorks Central Park. Kinder wackeln ihre ersten Meter auf dem Rad, stolpern mit Rollschuhen über den Asphalt. Mütter aus den angrenzenden Bezirken schieben Kinderwagen. Am späteren Nachmittag kommen dann Szenemenschen. Mit Buch oder Laptop liegen sie im Gras. Aber die Arbeitsutensilien dienen nur als Alibi – sie warten auf die Freunde mit dem Einmalgrill und dem gekühlten Rosé. Bald ziehen BBQ-Rauchschwaden über die Wiesen. Ein innerstädtisches Idyll …
Der Tempelhofer Park wurde am 8. Mai 2010 eröffnet, schnell angenommen – doch eine derart große Freifläche mitten in der Stadt weckt Begehrlichkeiten – und Stadtplaner auf den Plan. 2017 wird die Internationale Gartenausstellung (IGA) einen Teil verschönern. Motto: „Unser Park soll schöner werden.“ Unangetastet bleiben werden dabei einige sensible Bereiche für Flora und Fauna, doch das Areal nachhaltig nach ökologischen Kriterien und hin zu einer gesunden, zukunftsfähigen und lebendigen Stadt zu entwickeln, ist eine Herausforderung, sagt Ingeborg Junge-Reyer, Berlins Senatorin für Stadtentwicklung. Denn an den Rändern der Brache wird auch gebaut. Das bisherige Flughafen-Gebäude, in dem die Modemesse Bread&Butter eingezogen ist, soll für die Kreativwirtschaft ausgebaut werden. Im Stadtquartier Tempelhof sollen Zukunftstechnologien entwickelt, und im Stadtquartier Neukölln soll städtisches Wohnen am Park möglich werden. „Innovatives Wohnen“ verspricht das Columbia-Quartier zukünftigen Bewohnern des Parks. Was dazu die Kreuzberger Nachbarn sagen werden, das bleibt abzuwarten.
Der Park ist jeweils etwa von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang geöffnet. Nach der Schließung kann er durch Drehtore verlassen werden. Am Wochenende werden ab 5 Teilnehmern geführte Touren zu den Themen Geschichte und Zukunft des Tempelhofer Feldes, Architektur und Natur veranstaltet: per Bus, Rad oder zu Fuß (Dauer ca. 90 Minuten). Ticketpreise von 4,50 Euro bis 5,90 Euro, Tel. 030/2 80 18
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