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IN DEN HOHEN TAUERN
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Über die höchsten Berge 

von Stefan Spath

Bild_01 Salzburg_Die Höchsten
Quelle: DuMont Reiseverlag/Christina und Toni Anzenberger

Die Krimmler Ache bildet an ihrem Oberlauf eines der schönsten Hochtäler Österreichs. Almböden, Zirbenwäldchen an den Berghängen und der Blick gegen Talschluss ergeben eine höchst malerische Kulisse für eine Wanderung. Weniger die Schönheit der Landschaft als die alpine Herausforderung vor Augen hatten einst die Säumer: Wanderhändler, die auf waghalsigen Pfaden die Hohen Tauern überschritten, um im Süden Geschäfte zu machen.

Quelle: DuMont Reiseverlag/Christina und Toni Anzenberger Bis in die Gegenwart lassen sich die Spuren der Säumer verfolgen, zum Beispiel am Krimmler Tauernhaus. Wo heute Wanderern ein weiches Bett und solide Almkost geboten wird, kamen bereits vor über 600 Jahren Säumer unter, um sich für die „Königsetappe“ über den Alpenhauptkamm zu rüsten. War das Wetter anderntags passabel, bepackten sie in aller Herrgottsfrühe ihre trittsicheren Norikerpferde oder Maultiere, schnallten sich eine Buckelkraxe um und begaben sich auf den langen Tagesmarsch über den Krimmler Tauern oder die Birnlücke – beides Pässe an der 2600-Meter-Marke – hinüber ins Südtiroler Ahrntal. Etabliert hatte sich das Pinzgauer Säumerwesen im Mittelalter – zum einen, weil die nächsten guten Alpenübergänge weit weg lagen. Zum anderen ließen sich auf dem Säumerpfaden die habsburgischen Länder im Westen und Osten umgehen, wo für Salzburger mit hohen Zöllen und Schikanen zu rechnen war.

Quelle: DuMont Reiseverlag/Christina und Toni Anzenberger Mangels fuhrwerktauglicher Trassen war der Transport jedoch nur auf schmalen Steigen möglich. Ein halbes Dutzend gab es. An den Ausgangs- und Endpunkten der schwierigsten Etappen waren Säumerstationen eingerichtet, von denen einige wie das Krimmler, das Rauriser oder das in Osttirol gelegene Matreier Tauernhaus erhalten blieben. Die Bezeichnung „Säumer“ stammt von der „Saum“: jener Last, die ein Pferd oder ein Mensch befördern konnte. Eine „Ross-Saum“ betrug 168 Kilogramm, während sein menschlicher Begleiter mit 60 Kilo gut beladen war – mit Salz, dem wichtigsten Handelsprodukt, Leder und Metallen. Das brachten die Säumer in Italien an den Mann, um sich im Gegenzug mit „welschem“ Wein, Olivenöl, Gewürzen, Glas, Stoffen und anderer im Norden begehrter „Venezianer“- Ware einzudecken. Nach dem Ausbau der niedrigeren Alpenpässe verlor das Gewerbe seine Bedeutung. Die Erinnerung daran hat sich allerdings gehalten. Heute kann man mit Felber Tauern, Mallnitzer Tauern und Krimmler Tauern im Sommer drei klassische Säumer-Wege, von Salzburger Nationalpark-Rangern begleitet, erkunden.

FAKTEN

Das Wort Tauern bedeutete ursprünglich „hohe Übergänge“ (Pässe), bezeichnet jedoch bereits seit dem Mittelalter auch die entsprechenden Gebirgszüge. Im Sommer veranstaltet der Nationalpark Hohe Tauern geführte Wanderungen auf den alten Säumerrouten über Felber, Mallnitzer und Krimmler Tauern (www.national park.at park.at). Das Krimmler Tauernhaus ist auch heute noch ein guter Tipp für Unterkunft und Verpflegung (A-5743 Krimml, Mobil-Tel. 06 64/2 61 21 74, www.krimmler-tauernhaus.at). Die Großglockner-Hochalpenstraße folgt über weite Strecken alten Saumwegen. Auf dem Lehrwanderweg „Kelten-, Säumer- und Römerweg“ am Hochtor erfährt man, dass an dieser Stelle Menschen bereits vor 3500 Jahren die Alpen überquerten.

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