Am Rande der Flaniermeile Esplanade, unweit des quirligen Marktplatzes Kauppatori steht sie, bronzegrün und nackt: Havis Amanda. Sie schaut aufs Meer, wo heute die Katamaran-Fähren nach Tallin ihre Bahn ziehen, die riesigen Fähren nach Mariehamn und Stockholm sowie die Schiffe nach Deutschland und Russland. Der verzückte Gesichtsausdruck der üppigen Statue macht deutlich: Sie liebt das Meer genauso wie die Stadt, der sie ihre verschiedentlich schon besungene Kehrseite zuwendet.
Wo ist Helsinki am ursprünglichsten? Vielleicht auf den drei Marktplätzen samt Markthallen im Zentrum. Alle sind sehr viel mehr als ein Markt im herkömmlichen Sinn. Natürlich kann man hier Fisch, Fleisch, Blumen, Obst und Gemüse kaufen. Oder auch Souvenirs wie Rentierfelle oder Lappenmesser. Man kommt aber auch hierhin, um zu sehen und gesehen zu werden, um Kaffee zu trinken oder eine Pirogge zu essen. Ostseehering und Flusskrebse, Moltebeeren und Pfifferlinge, Rentiersteaks und Bärenfleisch – das gesamte kulinarische Angebot des Landes wird auf den Märkten präsentiert, ein Fest für Augen und Gaumen.
Vor allem der Kauppatori ist gute Stube, Gourmet-Mekka und Treffpunkt, und zwar ganzjährig. Schon seine Lage ist einzigartig: Nach Süden geht der Blick auf den Meerbusen, auf Inseln, Schären und die Seefestung Suomenlinna. Zum Osten hin überragt die Uspenski-Kathedrale das Gewimmel der Marktstände. Zur Stadt hin wird der Platz von einer Zeile eleganter Bauwerke begrenzt, im Westen schließt sich die Esplanade an – eine Flaniermeile, wie man sie sich vor allem im Sommer schöner nicht denken kann.
Triste Häuserschluchten, graues Schmuddelwetter, Eis und Schneematsch – so kennt man Helsinki als düstere Kulisse für Russland-Filme à-la “Gorki-Park”. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Helsinki ist bunt und behäbig, altmodisch und schrill, naturbelassen und laut. Die verschiedenen Quartiere zeichnet vor allem eines aus: Vielfalt. Wie aus einem Guss gemacht scheint der Senatsplatz und das dahinterliegende Viertel Kruununhaka – eine Art St. Petersburg im verkleinerten Maßstab. Überragt wird das Viertel von der Domkirche, flankiert von prächtigen Wohn-, Universitäts-, Bank- und öffentlichen Gebäuden.
Dagegen wirkt die östlich des Marktplatzes gelegene Halbinsel Katajanokka grundsolide und ruhig. Nicht nur, weil die orthodoxe Uspenski-Kathedrale das Viertel dominiert, spürt man hier noch den Atem der zaristischen Epoche. Auch sonst erinnert vieles an die russische Zeit, z. B. ehemalige Lazarettgebäude und riesige Kasernen oder auch das alte Offiziers-Kasino. Für Architekturfans ist Katajanokka ein Muss – wegen der interessanten Melange aus alten Zoll- und Packhäusern, Jugendstil-Gebäuden, neoklassizistischen Prunkbauten und neuerer Baukunst.
Ganz anders geht es in jenem Viertel zu, dem man längst schon den Beinamen Design-Distrikt gegeben hat: Kaartinkaupunki. Hier reiht sich Modeboutique an Möbelladen, Werbeagentur an Trendlokal, hier gibt sich Helsinki kosmopolitisch und multikulturell, hier findet man Kinos, Clubs und Kneipen, Restaurants mit internationaler Küche, Theater und Museen. Südlich davon wird es wieder etwas ruhiger: Von Parks umgeben breitet sich dort das Stadtviertel Eira aus, das die geschlossenste Bebauung im finnischen Jugendstil aufweist – ein Dorado für Architekturfreunde und Fotografen!
Müde gelaufen? Keine Lust auf teure, organisierte Stadtrundfahrten mit hastigen Erläuterungen in diversen Sprachen? Dann sollten Besucher die grüne Tramlinie 3 T (oder die 3 B in umgekehrter Richtung) nutzen, die in kurzer Frequenz eine große Acht durch Helsinkis Zentrum beschreibt und an wirklich allen wichtigen Highlights – ob Senatsplatz, Felsenkirche, Hauptbahnhof, Kiasma-Museum, Reichstag, Olympiastadion, Jugendstilviertel Eira oder Alte Markthalle – vorbei kommt. Einfach aussteigen, besichtigen, zurück zur Haltestelle und weiter zur nächsten Station!
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