Exotische Gewürze und Köstlichkeiten aus aller Herren Länder werden seit dem Mittelalter in der Hansestadt Gent gehandelt. Prächtige Stapelhäuser an den Grachten und vor allem viele kulinarische Spezialitäten zeugen von der Größe der ehemaligen Kaiserstadt Gent. An vielen Ecken der Stadt wartet die süße oder auch herzhafte Versuchung.
Das B&B Chambreplus am Hoogpoort, mitten im historischen Zentrum, ist ein absoluter Volltreffer. Mit sehr viel Liebe zum Detail und ästhetischem Feingefühl haben Mia Akaert und ihr Mann Hendrik hier, auf der ältesten Straße von Gent, ein kleines Juwel der Gastfreundschaft mit hohem Komfort geschaffen. Sehr herzlich werden wir von unserer Gastgeberin mit Kaffee und selbst gemachtem Kuchen empfangen. Und das gebuchte Zimmer, die Sultan-Kamer, ist wirklich ein Traum aus 1001 Nacht. Sehr stilvoll farblich in Rot- und Orangetönen eingerichtet, stimmt hier bis hin zu den passenden Sultanspantoffeln einfach jedes Detail. Am nächsten Morgen verzaubert uns auch das Frühstück: Von frischer Ananas, Melone mit Schinken und geschichtetem Joghurt bis zu hausgemachten Marmeladen, Schokoladen- und Karamellpasten bleibt hier wirklich kein Wunsch offen. Unsere Gastgeberin erzählt uns, dass ihr Mann Chocolatier ist. Jetzt wird uns einiges klar! Nachdem das mittelalterliche Kellergewölbe des Hauses umgebaut wurde, finden hier auf Anfrage regelmäßig Workshops, Verköstigungen und vieles mehr rund um Schokolade statt.
Eine Straßenecke weiter liegt der nostalgische Gewürzladen der Witwe Tierenteyn-Verlent. Durch das Fenster fällt der Blick auf die großen Steinguttöpfe in hölzernen Regalen. Was mag da wohl drin sein? Alles Senf! Angeblich habe ein französischer Soldat im Gefolge von Napoleon, allzu leichtfertig seiner flämischen Geliebten im Bett das Rezept ausgeplaudert. Das war der Beginn der pikanten Tradition und Gaumenfreude. Nach diesem alten Familienrezept wird hier nun schon seit 200 Jahren Senf gemahlen und verkostet. Aber nicht nur das: außer Senf kann man sich auch Gewürze und Kräuter aus den verschiedensten Ländern der Welt abfüllen lassen. Keine Frage, das muss ausprobiert werden. Mit dem hölzernen Löffel geht die Dame an das Senffass und füllt uns lächelnd ein kleines Glas mit köstlichem hausgemachtem Senf ab.
Ein paar Schritte weiter wartet die nächste Versuchung. Fast laufen wir daran vorbei. Aber der Kaffeeduft macht neugierig und zwingt uns stehen zu bleiben. Im Donkersteeg blicken wir in ein Schaufenster, in dem sich mehrere Kisten mit schwarz-braun glänzenden Kaffeebohnen befinden. Der Kuchen daneben schaut auch verlockend aus, also, nichts wie rein! In dem dunkel vertäfelten Kaffeehaus Mokabon sind offensichtlich überwiegend die Genter zu Gast. Nach einer Tasse Lait Russe und dem herrlichen, noch warmen, Käsekuchen nehmen wir noch ein Pfund frisch geröstete Kaffeebohnen für zuhause mit. Die knallgelbe Kaffeetüte duftet aus der Tasche heraus, herrlich!
Wir laufen die Graslei entlang, an der sich alte Speicher- und Zunfthäuser aneinanderreihen. Kein Wunder, denn hier befand sich früher der Hafen von Gent. In einer Seitenstraße der Leie stolpern wir über einen weiteren Leckerbissen …
Auf der Hoornstraat 9 läuft uns beim Anblick des Schaufensters das Wasser im Mund zusammen: geascht, mit Rotwein eingerieben, in Weinblätter oder Stroh verpackt oder mit Farnblättern verziert – hier gibt es Käse in allen erdenklichen Formen, Farben und Geschmacksrichtungen. Wir fühlen uns kurzzeitig in die Pariser Rue Mouffetard versetzt und sind fast ein bisschen froh, dass der kleine feine Käseladen Peeters Michel gerade Mittagspause macht. Es empfiehlt sich hier lieber nicht vorbeizugehen, wenn man größeren Appetit hat!
Der Weg in eines der ältesten Viertel Gents, den Patershol, führt durch die Jan Breydelstraat. Auf der rechten Seite entdecken wir einen kleinen Blumenladen, der zuerst durch seine außergewöhnlichen Pflanzen und originellen Gestecke auffällt. Neben Blumen und Pflanzen wird hier sonderbarerweise aber auch Eis angeboten. Die Eissorten passen in diesem Fall exakt zum Sortiment des Ladens. Schokoladen- oder Vanilleeis sucht man hier vergebens, stattdessen stehen die Geschmacksrichtungen Rose, Veilchen und sogar Rosmarin auf der Karte. Das klingt erst einmal völlig ungewöhnlich, aber es macht natürlich neugierig. Ich nehme ein Roseneis und nach dem zunächst ungewohnt kühl-blumigen Aroma, bin ich von dem Geschmackserlebnis völlig hin und weg. Die nette Floristin erzählt, dass dieses Eis in den Sommermonaten eine besondere Attraktion des Ladens sei. Wie gut, dass wir im Sommer hier sind, denkt sich wohl auch mein Begleiter und probiert gleich noch das Rosmarineis.
Ein Stück weiter, im Patershol, befinden wir uns im kulinarischen Herzen der Stadt. Die Café- und Restaurantdichte ist hier wohl am größten. Für Liebhaber außergewöhnlicher Süßigkeiten ist die historische Zuckerbäckerei Temmerman ein absolutes „Muss“. Schon beim Anblick des schnuckeligen Schaufensters geht dem Leckermaul das Herz auf. Zahlreiche Genter Spezialitäten wie Gentse Mokken (Teegebäck) oder Cuberdons Neuskes (kleine kegelförmige Himbeergummis) liegen hier nebeneinander. Sogar die pastellfarbenen Marienfiguren, Lieve Vrouwkes, sind essbar. Im Laden dürfen wir etwas probieren: Wippers, in Puderzucker gewälzte Karamellbonbons, wunderbar! Mit einer Papiertüte Wippers in der Hand stehen wir glücklich vor dem Laden und bemerken erst jetzt die schöne Hausfassade. Auf mehreren Bildfeldern wird hier wohl eine Geschichte erzählt. Aber wie hängt das alles zusammen? In einer Szene jedenfalls teilen sich mehrere Personen etwas Essbares, das passt doch gut zu diesem Haus. Es ist das Haus der sieben Barmherzigkeiten. Daneben befindet sich das Haus der sieben Sünden. Es ist natürlich ein Restaurant mit dem sündigen Namen “Hel”, Hölle und für “Weightwatcher” ist sie es zweifellos.
Gent ist eine der reizvollsten Städte Flanderns. Hier treffen Historie und Moderne unmittelbar aufeinander. Baudenkmäler aus Gotik, Barock und Jugendstil prägen das Stadtbild, während moderne Hotels Ihren Besuch erwarten.
Wenn man über die St. Michaels-Brücke in die Innenstadt läuft, bietet sich dem Beobachter ein toller Ausblick. Links und rechts gleiten die Boote durch das Wasser der Graslei und vor Ihnen ragen die drei berühmten Genter Türme über die mittelalterlichen Fassaden der Häuser hinweg: Der Turm der St. Nikolaus-Kirche, der wuchtige Belfried (ein UNESCO-Weltkulturerbe) sowie der Turm der St. Baafs-Kathedrale. In den vielen verwinkelten Gassen finden sich zahlreiche hervorragende Restaurant, teilweise Michelinstern bekrönt, und Spezialitätengeschäfte, wo sie scharfen Senf und süße „Nasen“ kosten können.
Wo speise ich?
House of Eliott
Jan Breydelstraat 36
9000 Gent
Tel.: +32 – (0)9 – 225 21 28
www.thehouseofeliott.be
Mit Blick auf die malerischen Grachten von Gent speisen Sie im House of Eliott in besonderem Ambiente. Bei schönem Wetter sitzen Sie auf einer gemütlichen Holzterrasse über dem Wasser. Innen ist das Restaurant mit Antiquitäten und allerhand Trödel dekoriert. So schaut Ihnen möglicherweise eine in Pelz gewandete Schaufensterpuppe während des Essens über die Schulter, oder Sie vergessen gar die köstlichen Speisen auf Ihrem Teller über die Betrachtung der ausgefallenen Gemälde und vielen Accessoires. Die Speisekarte wird von Fisch und Meeresfrüchten dominiert. Kosten Sie unbedingt die Jakobsmuscheln im Speckmantel oder eine der köstlichen Krebsvariationen!
Chefkoch: Jean Van Elsacker
Wo shoppe ich?
Gewürz und Senfladen
Tierenteyn-Verlent
Groentenmarkt 3
9000 Gent
Tel.: +32 – (0)9 – 22 58 336
www.tierenteyn.be
Seit 1818 ist Gent für den köstlichen Senf von Ferdinand Tierenteyn bekannt. Mitten im historischen Zentrum befindet sich das Geschäft mit den rustikalen Steinguttöpfen. Hier können Sie sich den köstlichen Senf direkt frisch abfüllen lassen. Die Verkäuferinnen benutzen dazu traditionell eine große hölzerne Kelle, mit der sie Gläser und Töpfchen in allen Variationen mit köstlichem, hausgemachten Senf befüllen.
Was unternehme ich?
Designmuseum
Jan Breydelstraat 5
9000 Gent
Tel.: +32 – (0)9 – 267.99.99
museum.design@gent.be
http://design.museum.gent.be
Nur wenige Gehminuten vom Korenmarkt entfernt liegt Gents Designmuseum. Die Salons des Hotels de Coninck – 1755 erbaut – mit ihren echten Parkettböden und Wand- und Deckentäfelungen sind mit Polstermöbeln aus dem 17. und 18. Jahrhundert ausgestattet. Der absolute Höhepunkt des historischen Gebäudes ist das in seiner ursprünglichen Form bewahrte Esszimmer, in dem der hölzerne Kronleuchter, ein Werk des Genter Bildhauers F. F. Allaert, noch immer an seinem alten Platz hängt. 1992 wurde das Museum um einen neuen, luftig gestalteten Trakt erweitert, in dem Design vom 20. Jahrhundert bis heute untergebracht ist. Darunter befinden sich u. a. Entwürfe von Horta, Wolfers und Eysselinck. Themenausstellungen ergänzen die permanenten Ausstellungsstücke.
Lamm Gottes-Altar in der St.-Baafs-Kathedrale
Sint-Baafsplein
9000 Gent
Tel.: +32 – (0)9 – 267.99.99
museum.design@gent.be
www.gent.be
Die Taufkirche Kaiser Karls V. ist eines der Prunkstücke der Stadt Gent. Der Bau der Kathedrale wurde Ende des 13. Jahrhunderts begonnen und erst 1538 vollendet. Romanische sowie früh- und spätgotische Bauelemente vereinigen sich zu einem imposanten Bauwerk. Doch vor allem die Ausstattung mit dem Genter Altar macht dieses Gotteshaus zu einem einmaligen Gesamtkunstwerk. Die Anbetung des “Lamm Gottes” bildet das Zentralmotiv eines der wichtigsten sakralen Kunstwerke des Abendlandes: Der 1432 geweihte Flügelaltar stammt vom bedeutenden flämischen Maler Jan van Eyck. Sein Stil gilt als Meilenstein der Kunst. Bei einem Teil des Polyptychons handelt es sich jedoch um eine Kopie, zwei der Tafeln wurden 1934 gestohlen. Die “Gerechten Richter” ist bis heute verschollen und gibt Kriminologen wie auch Hobby-Schatzsuchern nach wie vor Rätsel auf.
Gravensteen
Sint-Veerleplein
9000 Gent
Tel.: +32 – (0)9 – 225 93 06
Die Grafenburg Gravensteen ist zusammen mit dem Genter Altar die meist besuchte Sehenswürdigkeit von Gent. Nach umfangreichen Restaurierungen ist das Aussehen der mittelalterlichen Zwingburg umfassend wieder hergestellt. Anno 1180 ließ Philipp von Elsaß die imposante Grafenburg im Herzen von Gent bauen. Das Gefühl von Reichtum und Macht, das er in seiner Burg verewigen wollte, wird auf sensationelle Weise fühlbar, wenn man zwischen den Zinnen steht und über die Stadt schaut. An manchen Wochenenden können Besucher der Grafenburg echten Rittern in die Arme laufen. Im Folterkeller kann man eine beeindruckende Sammlung authentischer Waffen und Foltergeräte einschließlich einer Guillotine bewundern.
Champagne Bar Chez De Beir
Onderbergen 33
Tel.: +32 – (0)475 – 59 04 87
Dienstag geschlossen
www.champagnebar.biz
info@champagnebar.biz
Nicht weniger als 28 unterschiedliche Champagner findet man auf der Karte der Champagner Bar Chez De Beir. So kommen auch verwöhnte Gaumen auf ihre Kosten. Damit Ihnen das edle Kribbelwasser nicht so schnell zu Kopf steigt, empfehlen wir Ihnen, ein paar der köstlichen Tapasvariationen zu genießen, die als Häppchen angeboten werden. Die elegante Bar befindet sich im historischen Zentrum von Gent. In einem edlen und stilvollen Ambiente können Sie hier bei einem Gläschen Ihren Feierabend genießen oder das Wochenende einläuten.
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