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PARFÜM
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Studenten im Reich der Düfte 

von Robert Fishman

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Quelle: ©DuMont Bildatlas / Björn Göttlicher

Das Reich der Düfte ist unermesslich. Bis zu zwei Jahre dauert es, um ein großes Parfüm zu entwickeln. In Grasse kreieren Gäste bei so berühmten Manufakturen wie Molinard, Fragonard und Galimard ein weltweit einzigartiges Parfüm: ihr selbst komponiertes.

Madame ist zufrieden. „Ja, doch, das könnten wir vermarkten“, bemerkt die Nase des Hauses Galimard und schnuppert konzentriert an einem kleinen hellblauen Papierstreifen. „Es ist ein starkes Parfüm, sehr ausgeglichen in seinen Noten“, lobt Caroline de Boutigny. Das Pärchen aus Leipzig strahlt ob des Lobs aus dem Mund der Meisterin.

Zwei Stunden haben die beiden Teilnehmer eines Parfümkreationskurses an ihrem Parfüm gearbeitet, immer wieder an einem der 127 Fläschchen an ihrem Arbeitstisch geschnuppert, Duftkombinationen aufgeschrieben, probiert, verworfen, tröpfchenweise Essenzen zusammengeschüttet und immer wieder Überraschungen erlebt. Eine Zutat auszuwählen ist das eine. Zu wissen, wie sie sich nach der Vermischung mit einer anderen Essenz verhält, etwas ganz anderes.

JENSEITS VON HOLLYWOOD

Der Film „Das Parfüm“ hat für Caroline de Boutigny „rein gar nichts“ mit der Parfümkreation zu tun. Ein erfundener Krimi sei er, mehr nicht. Ein wirklich gutes Parfüm entstehe aus dem „Gleichgewicht seiner Zutaten“. Ein Viertel davon müsse aus natürlichen Stoffen bestehen. Eine Regel, die die Parfümeure „heute nicht mehr einhalten“. Moderne Parfüms bestünden zu 95 Prozent aus chemischen Substanzen. „Deshalb verflüchtigen sie sich so schnell.“ Auf den in englisch, französisch und deutsch vorgedruckten Arbeitsblättern tragen die Gäste zunächst die Bestandteile der Basisnote ihres Parfüms ein. Diese fixiert den Duft auf der Haut. Anschließend kommt die ebenfalls aus drei Komponenten gemischte Herznote, die den Charakter des Parfüms bestimmt – fruchtig und blumig für die Dame, eher erdig-holzig für den Herrn.

Schließlich kreieren die Gäste aus weiteren drei Essenzen die Kopfnote, die dem Parfüm die Frische verleiht. Wenn Caroline de Boutigny nicht gerade Touristen in die Geheimnisse der Parfümherstellung einführt, kreiert sie für Galimard neue Düfte. „Ich arbeite hier mit 2000 verschiedenen Rohstoffen, 1600 künstlichen und 400 natürlichen“, erklärt sie den Touristen, die sich vor den bis zur Decke aufgestapelten Essenzflaschen des Labors drängen. Bis zu zwei Jahre dauert die Entwicklung eines neuen Parfüms. Wenn der Kunde mit der Kreation nicht zufrieden ist, wird nachgebessert.

PARFÜMIEREN STATT WASCHEN

1747 gründete ein Freund Goethes, Jean de Galimard, in Grasse die gleichnamige Parfümerie. Als Gründer der Vereinigung der Handschuhmacher und Parfümeure belieferte der Graf den französischen Königshof mit Olivenöl, Pomaden und Parfüms. Zu jener Zeit, als die feine Gesellschaft Europas waschen für ungesund hielt und ihre Körpergerüche mit Parfüms überdeckte, entwickelte sich das heute 47 000 Einwohner zählende Städtchen Grasse im Hinterland der Côte d’Azur zum Zentrum der Düfte. Um den Gestank aus ihren Gerbereien zu vertreiben, gewannen die Ledermacher wohlriechende Essenzen aus den Jasminblumen,
den Rosen und anderen Blüten, die die Bauern im milden Klima der östlichen Provence anbauten. Nach und nach entstanden immer mehr Parfümerien, die ihre Duftstoffe in die ganze Welt verkauften.

Von einst 80 Parfümmanufakturen gibt es noch 40 in Grasse. Die großen wie Molinard, Fragonard und Galimard bieten Kurse für Touristen an. Zum Schluss überreicht Meisterin Caroline de Boutigny den Leipzigern ihre Diplome. „Sie sind nicht Nase, aber Nase studenten“, erfahren sie. „Für Nase muss man zehn Jahre studieren.“

ANBIETER (AUSWAHL)

Galimard Parfumeur: Grasse, Route de Pégomas, Tel. 04 93 09 20 00, www.galimard.com, Preis: 45€ pro Person, 2 Std. Einführungskurs inkl. 100 ml des selbstkreierten Parfüms.

Molinard: Grasse, 60, Bd. Victor Hugo, Tel. 04 92 42 33 28, www.molinard.com, Nizza: 20, Rue St François de Paule, Preis: 40€ pro Person, 1 ½ Std. inkl. 50 ml des eigenen Parfüms.

Bei beiden Anbietern können die Kursteilnehmer ihre Kreation immer wieder nachbestellen. Plätze müssen vorab reserviert werden.

Der DuMont Bildatlas Côte d’Azur ist im Handel und im Online-Shop erhältlich.

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