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ELBVERTIEFUNG
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Streitthema mit Tradition 

von Hilke Maunder

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Quelle: DuMont Bildarchiv/ Mike Schröder

Die Elbe ist Hamburgs Schicksalsstrom. Sie sorgt regelmäßig für Hochwasser in der Hansestadt, schleppt Schlick und Sand an – und ist die Lebensader des Hamburger Hafens. Zugunsten der Schifffahrt wird der Strom immer wieder ausgebaggert. Die neunte Elbvertiefung sorgt für Streit unter den norddeutschen Nachbarn.

Riesige stählerne Arme beugen sich über die Schiffe, wuchten Container um Container an den Kai. 9,9 Millionen 20-Fuß-Standardcontainer waren es im Rekordjahr 2007, und 2011 sollen es noch mehr sein. Deshalb wird umfangreich ausgebaut, werden die 72 Quadratkilometer Hafenland inmitten der Metropole für die Zukunft fit gemacht. Doch die Groß-Terminals Altenwerder, Burchardkai, Tollerort und Waltershof sichern die Zukunft des Hafens nur, wenn die Riesenschiffe der neuesten Generation sie auch erreichen. Denn anders als Dauerkonkurrent Rotterdam liegt Hamburg nicht am Meer sondern landein – 127 km die Elbe hinauf. Ursprünglich war der Strom gerade mal gut fünf Meter tief – heute beträgt seine Tiefe mehr als das Dreifache. Und doch ist Hamburg für Frachter mit mehr als 13,5 Meter Tiefgang unerreichbar. Selbst mit 12,5 Meter tief gehende Schiffe können den Strom nicht mehr voll beladen passieren bzw. nur mit auflaufender Flut den Hafen erreichen. Eine neue Elbvertiefung muss her, fordert Hamburg daher und beantragte 2002 die neunte Ausbaggerung der Elbe auf maximal 19 Meter unter Normal Null. Seitdem beharken sich Befürworter und Gegner mit Einwänden, Gutachten und Gegenargumenten. Allein 5200 Einwendungen wurden während der Auslegungen der Planunterlagen im Frühjahr 2007 von betroffenen Menschen, Kommunen und Verbänden erhoben.

Besonders Niedersachsen wehrt sich. Das Bundesland nennt Bedenken beim Deichschutz, um die Hanseaten zur Kasse zu bitten – und verknüpft eine mögliche Zustimmung mit der Auflage, dass Hamburg sich beim JadeWeserPort, dem geplanten Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven, heraushält. Besonders stark ist der Widerstand in Cuxhaven. Die Stadt an der Elbmündung, in der Hamburg bis 1993 mit dem Amerika-Hafen und dem Steubenhöft eigenes Hafenland besaß, hat eine Klage gegen die Vertiefung eingereicht. Gelassener hingegen gibt man sich in Schleswig-Holstein. Solange der Deichschutz gewährleistet sei, stimme man dem Projekt wegen seiner großen Bedeutung für die norddeutsche Wirtschaft zu, heißt es aus der Staatskanzlei in Kiel. DuMont Bildarchiv/ Mike Schröder Erhebliche Bedenken hegen hingegen Schleswig-Holsteins Grüne und Umweltverbände; selbst das Bundesumweltministerium kritisiert, dass die Elbvertiefung erhebliche Beeinträchtigungen von Gebieten mit europäischen Schutzrechten mit sich brächte. Die Ausbaugegner befürchten immer höhere Fließgeschwindigkeiten und Wasserstände. Während weltweit der Wasserspiegel im letzten Jahrhundert um 18 Zentimeter angestiegen ist, waren es in Hamburg-St. Pauli 56. Die große Hamburger Flut von 1962 – auch eine Folge der Fahrrinnen anpassung? Die immer größeren, schnelleren Schiffe gefährden auch den Tourismus. Sie lassen nicht nur die Sportboothäfen an der Unterelbe verschlicken, sondern sorgen auch immer häufiger für Badeunfälle durch Sog- und Wellenschlag. Nachdem es 2006 sechs registrierte Vorfälle an der Elbe gab, schaltete sich sogar die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung in Hamburg ein.

CHRONIK DER ELBVERTIEFUNGEN

Der Hamburger Hafen wird seit Jahren regelmäßig ausgebaggert. Die Fahrrinne der Elbe wurde seit 1818 acht Mal vertieft:
1818–1825 auf -5,4 m NN, 1850–1862 auf -6,7 m NN,
1909–1910 auf -9,4 m NN, 1922–1937 auf -11,4 m NN,
1957–1964 auf -12,4 m NN, 1964–1969 auf -13,4 m NN,
1974–1978 auf -14,9 m NN, 1998–1999 auf -16,8 m NN

Infos im Internet:
Hamburg Port Authority: www.hamburg-port-authority.de
Projektbüro Fahrrinnenanpassung: http://zukunftelbe.de/Projektbuero/index.php.
Initiative Zukunft Elbe: www.zukunftelbe.de.
Regionales Bündnis gegen Elbvertiefung: www.wir-brauchen-keine-elbvertiefung.de
Förderkreis „Rettet die Elbe“: www.rettetdie-elbe.de

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