Bienvenido auf der Karibikinsel Hispaniola. Nur wenige wissen, dass auf diesem von Sonne und weißen Palmenstränden verwöhnten Eiland, das zu zwei Dritteln von der Dominikanischen Republik und zu einem Drittel von Haiti eingenommen wird, die Entdeckung Amerikas ihren Ausgang nahm. Und doch ist die dominikanische Metropole Santo Domingo die älteste Stadt der Neuen Welt und wartet nun ihrerseits auf die Entdeckung.
In Santo Domingo entstand das erste europäische Machtzentrum Amerikas, das sich später über den ganzen Kontinent ausbreiten sollte. Die Stadt rühmt sich außerdem der ersten Kathedrale, des ersten Krankenhauses und der ersten Universität des Kontinents. Hier steht auch das einzige Denkmal für den Entdecker ›Westindiens‹, der Faro a Colón. Das monumentale, kreuzförmige Bauwerk, für dessen Errichtung ein ganzes Stadtviertel abgerissen wurde, ist bei Dominikanern wie Besuchern gleichermaßen umstritten und immer wieder Anlass für Auseinandersetzungen. Um die 70 Millionen US-Dollar kostete der Bau, in den am 6. Oktober 1992 die angeblichen Gebeine des Christoph Kolumbus überführt wurden – eine stolze Summe für ein Land, das seiner Bevölkerung nicht einmal kostenlose medizinische Versorgung garantieren kann.
Von Piratenüberfällen und Hurrikanen heimgesucht, von fremden Truppen besetzt, von Spanien mal hofiert, mal fallen gelassen, so pendelt die Stadt seit Jahrhunderten zwischen enormem Reichtum und sich selbst überlassener Armut hin und her. Dann diverse Militärinterventionen der USA, eine jahrzehntelange Diktatur – während derer Santo Domingo Ciudad Trujillo (›Trujillo-Stadt‹) hieß. Das 20. Jahrhundert war von Aufständen, Rebellion und Repression geprägt. So wird auch dem flüchtigen Besucher auffallen, dass die Kapitale mit ihren rund drei Millionen Einwohnern von erheblichen Gegensätzen geprägt ist. Trotzdem verkörpert Santo Domingo keinen typisch lateinamerikanischen Moloch – die Stadtviertel sind überschaubar und alle interessanten Kultureinrichtungen konzentrieren sich auf engem Raum.
Die historische Altstadt am westlichen Ufer des Río Ozama wurde 1990 von der UNESCO als Welterbe der Menschheit deklariert und ist liebevoll und mit großem Aufwand restauriert worden. Hier kann man flanieren, in schattigen Patios ausruhen, in zahlreichen Museen die Silberschätze gesunkener Karavellen bestaunen oder die Leidensgeschichte der Indianer nachempfinden und das Auf und Ab der Kolonialgeschichte erspüren. Wer einmal die Calle Las Damas entlangspaziert ist, die erste mit Kopfsteinen gepflasterte Straße der Neuen Welt, taucht endgültig ein in die Vergangenheit. Fast glaubt man, der Gattin von Kolumbus’ Sohn Diego, Doña María de Toledo, zu begegnen, wie sie mit ihren spanischen Hofdamen promeniert.
Die von historischen Gebäuden gesäumte Gasse führt geradewegs nach ›Spanien‹, und zwar auf die Plaza España. Es gibt wohl keinen schöneren Ort in Santo Domingo, um in kolonialer Atmosphäre einen Drink zu nehmen oder zu speisen. Beispielsweise im Restaurant Pat’e Palo, das im Gebäude der angeblich ersten Taverne der neuen Welt (1505) beheimatet ist, oder im Museo del Jamón, wo im Innenraum köstlicher spanischer Schinken von der Decke baumelt. Draußen überblickt man von den Terrassen die Plaza und stärkt sich mit iberischen Tapas oder einer Paella. Und das alles in Sichtweite des Alcázar de Colón, in dem einst der erste spanische Hof residierte und in dem Strategien zur Eroberung des Kontinents entworfen wurden. Den heute fast klein wirkenden gotisch-maurischen Palast ließ Kolumbus’ Sohn Don Diego im Jahr 1510 von anderthalbtausend indianischen Zwangsarbeitern erbauen. Als Werkzeuge dienten Säge, Meißel und Hammer – kein einziger Nagel wurde verwendet. Heute dient das Gebäude als Museum und ist mit Mobiliar und herrlichen Wandteppichen aus dem 16. Jh. ausgestattet.
Die Plaza España ruht sich jedoch keineswegs auf ihrem reichen Erbe aus, sondern ermöglicht einen nahtlosen Übergang von der Vergangenheit in die Moderne und dient während der Saison als Bühne für kostenlose Live-Konzerte. Auch andernorts in der pulsierenden Karibikmetropole wird die Nacht gerne zum Tag gemacht. In den angesagten Tanztempeln lässt man sich vor Mitternacht nicht blicken, vorher nimmt man ein paar Drinks in einer der vielen Bars. Und an den Wochenenden verwandelt sich der Malecón, die Meerespromenade, in eine riesige Open-Air-Disco. Besonders quirlig geht es hier Ende Juli bzw. Anfang August zu, wenn das Festival de Merengue gefeiert wird, oder Ende Februar zum Karneval. Dann herrscht Ausnahmezustand in Santo Domingo und es gibt wohl keine bessere Gelegenheit, um die – aller wirtschaftlichen und sozialen Probleme zum Trotz – karibische Lebensfreude kennenzulernen. Bienvenido in Santo Domingo.
So fühlt man sich in der Suite des Hotel Palacio. Der Schlüssel ins Paradies trägt die Nr. 136 und öffnet die Tür zu einer traumhaften Unterkunft direkt unter dem Dach mit fantastischer Aussicht über die Altstadt, eigener Sonnenterrasse und Jacuzzi. Sehen lassen können sich auch die übrigen 35 Zimmer in dem hübschen Stadtpalais, das nach und nach erweitert und von seinen deutschen Besitzern liebevoll renoviert wurde. In dem verwinkelten Kolonialbau gibt es viele kleine Innenhöfe mit Sitzmöglichkeiten und einen Whirlpool unter freiem Himmel. In der Hauptsaison sollte man mindestens zwei bis drei Wochen im Voraus reservieren. Infos: Hotel Palacio, Calle Duarte 106, Ecke Calle Salomé Ureña, Tel. 809 682 47 30, Fax 809 687 55 35, www.hotel-palacio.com.
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