Für fast 80 Prozent der Südafrikaner, egal ob Zulu, Xhosa, Ndebele und Swasi, ist der Gang zu einem von geschätzten 200 000 Sangomas Alltag. Nicht nur, weil Schulmediziner für die meisten zu teuer sind, sondern auch, weil sie der Fähigkeit der Heiler vertrauen, mit den Ahnen Kontakt aufzunehmen. Sie geben Rat, können aber auch tadeln.
Die Stimme kommt aus dem Nichts. Nur ein Wispern hinter den Bastmatten. Beinahe geht sie im Heulen des Windes unter, der um die Rundhütte pfeift. Oder sitzt da jemand hinter der Wand und flüstert dem Medizinmann etwas zu? Sangoma Ngobe ist der offizielle Heiler eines kleinen Dorfes im Land der Zulus. Wenn die Bewohner des Ortes ein Problem haben, kommen sie zu ihm – seien es Krankheiten, Streit in der Familie oder Depressionen. „Wie wird die Ernte dieses Jahr?“, fragt Ngobes Patient. Der Sangoma konzentriert sich, wedelt dabei rhythmisch mit dem Schwanz eines Gnus, der zum energetischen Reinigen der Luft dient. Mit seiner Arbeitskleidung, einer Perücke aus schwarzen Zöpfen und Tierfellen, wirkt er wie aus einer anderen Zeit. „Du wirst eine reiche Ernte einfahren“, übersetzt er schließlich die Botschaft der geheimnisvollen Stimme – die Ahnen haben geantwortet.
Der Sangoma spielt meist eine bedeutende soziale und politische Rolle. Gerade zur Lösung der Aids-Problematik, die von Südafrikas Regierenden lange geleugnet wurde, setzt man seit einiger Zeit auf die Hilfe der Sangomas, die aufgrund ihrer herausragenden Stellung in den Gemeinden als wichtige Ratgeber fungieren. Im Rahmen des Projekts HOPE Cape Town werden Sangomas informationskampagnen einbezogen – die Heiler als Aufklärer in Sachen Safer Sex. Aufklärung ist auch ein wichtiges Thema für Sarah Wager: Die weiße Südafrikanerin hat die traditionelle Heilkunst der schwarzen Bevölkerung erlernt und kann daher gut zwischen westlicher und traditioneller Medizin vermitteln. In ihrer Sprechstunde erklärt sie die Rituale: das Verbrennen von Kräutern, das Trinken von Sorghum-Bier, das Singen und Trommeln. Der eigentliche Kontakt mit den Ahnen kann entweder über die Deutung von Träumen stattfinden, über das Channeling – bei dem die Vorfahren über den Sangoma direkt mit dem Patienten kommunizieren – oder durch das Werfen von Knochen. Inzwischen gibt es sogar die „Lizenz zum Heilen“: Sangomas sind den westlichen Ärzten per Gesetz gleichgestellt. Den Besuch beim ingetragenen Heiler zahlt die Krankenkasse und die Kräutermedizin gibt es danach auf Rezept.
Ein Besuch bei Sarah Wager ist buchbar über den deutschen Veranstalter Umfulana Reisen. www.umfulana.de
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