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Wein vom Bodensee
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Sonne und See im Glas 

von Dina Stahn

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Quelle: ©ClipDealer.com/Copit

Das besondere Klima des Bodensees kommt Obst und Wein entgegen. Seit die Mönche der Reichenau als erste Wein anbauten, hat sich der Weinbau beständig weiter verbessert. Mit Spitzenergebnissen.

Nichts weniger als eine Sensation dürfte es gewesen sein, als 2007 ein Wein vom Bodensee bei der Austria Wine Challenge in Wien zum „Besten Weißwein der Welt“ gekürt wurde. Die „Meersburger Sängerhalde Grauburgunder 2006“ vom Weingut Aufricht stellte die gesamte Konkurrenz in den Schatten und verschaffte den Seeweinen beste mediale Aufmerksamkeit.

DER SEE ALS SONNENSAMMLER

Wer das Weingut Aufricht bei Meersburg besucht, das mehr als nur einmal bei Weinprämierungen Goldmedaillen abräumte, ahnt schnell, wieso dort so gute Weine entstehen können. Ein Bilderbuchweingut mitten in den Reben, dazu eine Traumlage überm See, keine Straßen, nur Sonne und eine leichte Brise vom See herauf. Am Horizont verschwimmen die Schweizer Alpen im Sommerdunst.

Manfred Aufricht bewirtschaftet zusammen mit seinem älteren Bruder rund dreißig Hektar Weinberge am südlichsten Punkt Deutschlands, auf dem gleichen Breitengrad wie die Weinbauregionen im Markgräfler Land und Burgund. Trumpfkarte von Aufricht und seinen Kollegen ist der See: Die Wasserfläche wirkt wie ein gigantischer Spiegel, der das Sonnenlicht reflektiert und in einer Zone von rund vier bis fünf Kilometern über das Ufer hinaus die Sonnenintensität zusätzlich steigert. Das Wasser speichert die geballte Sonnenkraft und gibt sie im Herbst und Winter wieder ab. Diese Extraportion Sonne kommt den Reben zugute, die hier auf 400 bis 560 Meter Meereshöhe wachsen – so hoch wie nirgendwo sonst in Deutschland. “Hochlandgewächse also, wie Hochlandtee oder -kaffee. Was ganz Besonderes!“, schwärmt Manfred Aufricht. Ihre Wurzeln senken die Bodenseereben in eiszeitlichen Endmoränenschutt – ein kunterbuntes Sammelsurium der Granite, Kalke und Gneise der Alpen. Gut durchmischt wird das Ganze von Lehm, der Wasser speichern kann. In der Summe sorgen See, Klima und Boden für den ausgeprägten Charakter der Seeweine, ihr unverwechselbares Terroir. Besonders ihre Fruchtigkeit fällt den Kennern auf.

Die Seewinzer setzen vor allem auf Burgundersorten. Bei den Rotweinen überwiegt der samtig edle Spätburgunder, auch Blauburgunder oder Pinot Noir genannt. Liebling und meistverkauft unter den Bodensee-Weißweinen ist der Müller-Thurgau (eine Kreuzung aus Riesling und Gutedel mit weichem Muskatton und angenehmer Säure). Viele Freunde hat auch der Sauvignon blanc, ein ausgezeichneter Begleiter zu Bodenseefischen, der auch bei Experimenten der Köche mitspielt und zum Beispiel mit Ingwer und exotischen Gewürzen harmoniert. Der Ruländer kann ins Liebliche spielen, ist jedoch, trocken ausgebaut und dann „Grauer Burgunder“ genannt, ein hervorragender Begleiter zu allen Fischgerichten.

NCHE ALS WEINPIONIERE

Am Bodensee selbst dienen rund 500 Hektar dem Weinanbau, die besten Lagen erstrecken sich um Meersburg und Hagnau. Keimzelle des Weinbaus war jedoch die Reichenau: Irgendwann im 9. Jahrhundert pflanzten die Mönche der Klosterinsel die ersten Weinreben in dieser Gegend. Bauern folgten dem Beispiel, doch aus alten Sorten wie dem „Elbling“ ließ sich nur ein saurer Trunk herstellen, der es bestenfalls für den Hausgebrauch tat. Kein Renner auf dem Markt, zumal die Klöster – damals Stammkundschaft in Sachen Wein – recht gute Kontakte nach Italien unterhielten und sich von dort weit bessere Tropfen kommen ließen. Das Blatt wendete sich erst, als im 18. Jahrhundert neue Sorten nach neuen Methoden angebaut wurden. Nach vielen Jahren mäßiger Umsätze mit durchschnittlichen Weinen setzen viele Erzeuger am See nun auf Finesse und höchste Qualität.

IM BLAUBURGUNDERLAND

Auch die Schweiz und Österreich liefern Bodenseewein. Die Winzer rund um den See empfinden sich als Familie, Nationalitäten tun da wenig zur Sache. Wie auf der deutschen wird auch auf der Schweizer Seite auf rund 500 Hektar Weinbau betrieben. Allerdings liegt das Schweizer Anbaugebiet nicht direkt am See – die Schweizer haben hier ja „nur“ Nordhänge –, sondern im Hinterland bei St. Gallen und im Thurgau sowie etwas westlich bei Schaffhausen, genauer gesagt rund um Hallau. Auf drei Viertel der Fläche gedeiht Blauburgunder, daher haben die Marketingstrategen die Gegend „Blauburgunderland“ getauft. Noch immer sind Bodenseeweine keine Massenware – zum Glück. Deshalb wird man sie zu Hause kaum im Weinhandel finden. Unser Rat: Unbedingt gleich vor Ort probieren und einen „Schluck Urlaub“ vom Bodensee mitnehmen.

WEIN VOM SEE

Weingut Aufricht
Höhenweg 8, Meersburg-Stetten, Tel. 07532/24 27
Mo.–Sa. 10.00–12.00 und 14.00–18.00 Uhr
www.aufricht.de

Winzerhaus des Winzervereins Hagnau
Strandbadstr. 7, Tel. 07532/10 30
Mo.–Fr. 8.00–18.00, Sa. 9.00–16.00 Uhr
April–Okt. Sa. bis 18.00 Uhr
Weinproben Di. 19.00 Uhr (nach tel. Anm.)
www.wv-hagnau.de

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