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Nordseeküste
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Schick mit Schlick 

von Sven Bremer

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Quelle: DuMont Bildarchiv/Marc-Oliver Schulz

„Thalasso macht schön.“ Mit diesem Slogan wirbt das „Badehaus“ auf Norderney am altehrwürdigen Kurplatz. Vom Plakat an der Bauhaus-Fassade strahlen Badenixen längst vergangener Zeiten auf Besucher herab. Die Damen in den züchtigen Schwimmanzügen stehen auch für die Tradition des ältesten Seebades an der Nordseeküste.

Quelle: DuMont Bildarchiv/Marc-Oliver Schulz Bereits 1797 kurten auf Norderney die ersten Gäste, 1931 wurde hier das erste Meerwasserschwimmbad Europas eröffnet. Die Botschaft der schmucken „Deerns“ auf dem Banner jedenfalls kommt an – das „Badehaus“ auf Norderney „brummt“. Vor allem, weil Thalasso nicht nur schön macht, sondern auch Heilung oder zumindest Linderung bei diversen Krankheiten und Allergien verspricht. Thalasso leitet sich von Thalassa ab, dem griechischen Begriff für Meer. Es beinhaltet die Behandlung mit Meerwasser, Algen, Schlick und Salz, aber auch mit frischer Meerluft und Sonne. Als „Erfinder“ gilt der britische Arzt Richard Russell, der bereits 1750 die heilende Wirkung der Meeresprodukte hervorhob, vorzugsweise bei Atemwegserkrankungen, bei Neurodermitis, bei diversen Hautirritationen sowie bei rheumatischen Leiden. Nicht zu vergessen der Wellness-Aspekt, von dem Norderneys Kurdirektor Wilhelm Loth sagt: „Das ist nicht mehr nur ein Trend, das ist ein Grundbedürfnis der Menschen heutzutage.“ Für Loth ist der Erfolg des „Badehauses“ auf Norderney vor allem mit der Authentizität der Einrichtung zu erklären. Es werden fast ausschließlich regionale Produkte verwendet: Der Schlick kommt aus dem Wattenmeer vor der Haustür, das frische Meerwasser wird direkt aus der Nordsee in die Wohlfühl-Oase gepumpt, lediglich die Algen würden aus Frankreich importiert. Einiges, so Loth, tummele sich inzwischen unter dem Begriff „Thalasso“ in der immer noch boomenden Wellness-Landschaft. „Aber Thalasso in München?“ Er schüttelt leicht, aber bestimmt den Kopf. „Wir veranstalten doch auch kein Alpen – glühen im Dünental!“

Eintreten und alles andere hinter sich lassen – damit wirbt die Wellnessbranche.

Quelle: DuMont Bildarchiv/Marc-Oliver Schulz Ein weiterer Slogan des „Badehauses“ lautet: „Leben Sie die Kraft des Meeres“. Thalasso beginne eigentlich schon auf der Fährfahrt hinüber zu den Ostfriesischen Inseln, sagt der Kurdirektor. Obwohl er in seinem Büro im Rathaus sitzt, atmet er tief ein, als wollte er seine Behauptung unterstreichen. „Dass, was der Gast auf der Insel erlebt, soll sich auch im „Badehaus“ widerspiegeln und fort geführt werden“, erläutert Loth. Dort dann unter der Obhut ausgebildeter Bademeister, Masseure und Therapeuten. Natürlich kann sich jeder Nordsee-Urlauber auch selbst am Strand mit dem heilenden Schlick einreiben. Wohlfühleffekt und Heilungsfaktor im „Badehaus“ dürften jedoch um ein Vielfaches höher liegen. Dort wird der erwärmte Schlick hauchdünn und sanft auf die Haut aufgetragen. Durchatmen ist angesagt. Man fühlt sich wie im siebten Himmel in einer Art Schwerelosigkeit. „Wunderbar“, schwärmt Wilhelm Loth, „da schwimmt man wie der Milky Way in der Milch.“ Auch die Insulaner sind nach anfänglicher Skepsis inzwischen stolz auf das „Badehaus“. Eine puristisch anmutende Architektur, die auf natürliche Baustoffe setzte, ein sanftes und wohldosiertes Licht sowie eine nahezu perfekte Akustik fügen sich zu einem stimmigen Ensemble zusammen. So kommen inzwischen Gäste gezielt wegen des Thalasso-Angebots auf die Ostfriesischen Inseln. „Das „Badehaus“ sorgt auf Norderney ganz deutlich für eine Saisonbelebung in der Vor- und Nachsaison“, sagt Kurdirektor Loth. Einziger Wermutstropfen: Die Gäste müssen ohne Blick aufs Meer auskommen, sondern sich überwiegend mit dem über die Dächer Norderneys begnügen. Lediglich von der Sauna auf dem Dach des „Badehauses“ erhascht man einen Blick auf die Nordsee. Norderney ist Vorreiter, doch auch die anderen Inseln schlafen nicht, ziehen nach und bieten vielfältige Thalasso-Anwendungen wie Meerwasser-Sprudelbäder, Meeresalgenpackungen, Muschelkalkanwendungen oder Meerwasserdampfbäder. „Thalasso hat ein Zuhause“, behauptet die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Seebäder. Und das liege zweifelsohne auch vor der Küste Ostfrieslands. Andere, die eher auf den kosmetischen Effekt setzen, werben mit dem kurzen, aber prägnanten Motto: „Schick mit Schlick!“

Hinweise

Der Wohlfühlfaktor setzt bereits nach wenigen Minuten bei den meisten Thalasso-Behandlungen ein. Um schwer – wiegendere gesundheitliche Probleme zu lindern, werden jedoch Kuren von mindestens einer Woche empfohlen. Menschen, die an Schilddrüsenüberfunktion oder Bluthochdruck leiden, Krebspatienten und Schwangere sollten Thalasso-Anwendungen nur nach Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt wahrnehmen. Das „Badehaus Norderney“ gilt als größtes öffentliches Thalasso-Zentrum Deutschlands, aufgeteilt in zwei Bereiche: SPA für Ruhe und Erholung und SPASS mit Rutsche, Brandungsbecken und Badegrotte (Am Kurplatz, Tel. 0 49 32/ 89 10, www.badehaus-norderney.de tgl. 9.30–21.30 Uhr).

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