Grey Nomads werden die reiselustigen Rentner genannt, die zu Zigtausenden mit Wohnmobil oder Caravan in ihrem riesigen Land unterwegs sind. Die meisten wollen den gesamten Kontinent umrunden. Zumindest einmal in ihrem Leben.
Als “The Big One”, “The Big Lap” oder “Going around the Paddock” umschreibt der Volksmund die ambitionierte Fahrt rund um Australien. Richtungsweisend sind die küstennahen Highways: Asphalt, so weit das Auge reicht. Aber auch Umwege oder Abstecher auf unbefestigten Pisten abseits der Hauptrouten sind beliebt.
Trish und Lenny sind seit 18 Monaten “on the road”. Sie ist 67, er 69 Jahre alt, beide haben ihre jeweiligen Ehepartner viel zu früh zu Grabe tragen müssen, damals nicht gewusst, wie es weitergehen soll. Über Freunde haben sie sich dann kennengelernt. “Lenny hat mich mit seiner Unternehmungslust gleich angesteckt”, erinnert sich Trish. Und so reisen die beiden jetzt einvernehmlich durchs Land. Mit einem ebenso komfortablen wie geländegängigen Caravan, gezogen von einem PS-starken 4WD. Alles in allem ein Gespann, das auch ruppige Outback-Pisten meistern kann. An die 120 000 A$ haben sie in ihr Rolling Home investiert und dafür sein Eigenheim in einem Vorort von Melbourne verkauft. Finanziell kommen sie gut über die Runden. Doch sie kennen auch Pensionäre, die zu knapsen haben und unterwegs immer mal wieder Arbeiten annehmen müssen, zum Beispiel als Erntehelfer auf Obstplantagen oder bei Winzern.
Colleen (55) und Allan (65) verdienen mit “House Sitting” ab und an was dazu, wollen aber diesmal zwölf Monate am Stück Australien bereisen. Ebenfalls mit einem Caravan. Jetzt machen sie eine Woche Halt in Darwin, auf einem Campingplatz am Stadtrand: ausreichend Schatten, ein Swimmingpool, gute sanitäre Einrichtungen und ermäßigte Preise für Senioren. Was will man mehr? Für mehrtägige Ausflüge in die unwegsame Wildnis wie nach Arnhem Land haben sie eine Zeltausrüstung dabei. Ihnen ist es wichtig, auch abseits der Highways das Land zu erleben. “Alter schützt nicht vor Abenteuer”, schmunzelt Allan, “auch wenn das Schlafen auf dem Boden meinen morschen Knochen immer mehr zusetzt.”
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