Egal ob Trauben aus dem Weinhängen der Mosel, Äpfel aus der Gascogne oder Marillen aus der Wachau, überall besitzen eine Hand voll Personen kleinere Destilliervorrichtungen um aus den heimischen Früchten einen hochprozentigen Brand herzustellen. Obwohl mit jener Hausmarke gelegentlich der ein oder andere Gewinn eingefahren werden kann, ist der finanzielle Aspekt oftmals eher nebensächlich. Was bewegt manche Personen in ländlichen Gebieten daher sich dem aufwendigen Produktionsprozess bis hin zur Destillation zu widmen? Neugier? Geselligkeit? Oder einfach nur das Bedürfnis etwas Heimat in Flaschen zu füllen?
Ein Paradebeispiel für den Zusammenhang zwischen alkoholischen Getränken und Heimatbewusstsein ist hierbei die Winzerkultur der niederösterreichischen Landschaft Wachau. Neben Weinhängen, die dieses Donaugebiet maßgeblich prägen, sind es vor allem die Marillen, die die Bewohner der Wachau als ihr ganz besonders Wahrzeichen sehen. Marillen, als eine Aprikosenart, wird dort in allerlei Genussmitteln verwendet. Von Süßem wie dem Marillenknödel, bis hin zu Alkoholischem wie dem Marillenlikör. Und auch der reine, ungelagerte Brand wird hier von einigen Bewohnern aus der Marille destilliert und zeigt deutlich, dass man trotz großem Aufwand und anfallenden Steuern, seiner Heimat einen gewissen Tribut zollen möchte.
Bereits der erste Besuch in einem der Donaustädtchen der Wachau bringt dies zum Ausdruck. Neben mittelalterlichen Stadtmauern und Kirchen ist es vor allem die Mentalität der Bewohner und deren Bezug zur ihren Weinen und Destillaten, welches die Wachau zu einem empfehlenswerten Urlaubs- und Erholungsort macht. Seit 1872 findet man vielerorts kleinere, altertümliche Geschäfte, die mit heimischen Spezialitäten wie dem Marillenbrand sowohl Touristen als auch Einheimischen die Möglichkeit geben Wachauer Lebensgefühl aus Flaschen zu genießen. Heute ist natürlich dank Internet und problemlosen Versand auch der Onlinekauf des Marillenbrands kein Problem mehr. Und trotzdem sollte man, sofern man die Möglichkeit bekommt, den typischen Wachauer Brand in seiner Heimat genießen – zwischen Weinhängen und Burgruinen.
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