Gerade noch rechtzeitig zum Heiligen Jakobsjahr 2010 hat die Direcció General de Turisme de Catalunya den zweiten Abschnitt des Jakobswegs in ihrer Region ausschildern und markieren lassen. Durch Katalonien führt damit ebenfalls ein Zweig des berühmten Pilgerwegs.
Der erstmals im 9. Jahrhundert erwähnte Jakobsweg zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela besteht aus mehreren Routen. Die berühmteste ist der Camino Francés (11. Jh.), der von den Pyrenäen quer durch Nordspanien nach Galicien führt.
In Katalonien begannen organisierte Pilgerreisen zum Grab des Apostels erst im 13. Jahrhundert, als sich die Regionen, die man auf dem Weg nach Santiago durchqueren musste, wieder in christlicher Hand befanden. Ende des 15. Jahrhunderts entschieden sich historischen Quellen zufolge über die Hälfte der deutschen Jakobs pilger für die Route durch Katalonien. Sie nahmen damit einen längeren und beschwerlicheren Weg in Kauf und suchten auf ihrer Reise katalanische Klöster wie Poblet, Sant Cugat und Montserrat auf.
Der Camí Català, der katalanische Teil des Jakobswegs, führt über 400 km durch Katalonien und ist bei einem täglichen Laufpensum von 25 bis 35 km in 12 bis 15 Tagen zu bewältigen. Er hat zwei verschiedene Ausgangspunkte: La Jonquera an der französischen Grenze und El Port de la Selva mit dem benachbarten Kloster Sant Pere de Rodes am Mittelmeer. Die Strecken kreuzen sich bei Figueres.
Die Route führt auf Vías Verdes (Grüne Wege) – stillgelegten Bahnstrecken, die heute als Rad- oder Wanderwege ausgewiesen sind und einige begehbare bzw. mit dem Rad befahrbare Tunnels aufweisen – um Girona herum. Zwischen Olot und Vic befindet man sich auf dem alten Königsweg, und für mehrere Abschnitte folgt man großen Fernwanderwegen. Später geht der Camí Català in die Ruta de Ebro über und führt über Zaragoza nach Logroño, wo die Route schließlich in den Hauptweg Camino Francés mündet. Der Abschnitt zwischen Montserrat und Alcarràs wurde bereits 2008 markiert. Anfang 2010 hat man auch den Teil von Sant Pere de Rodes bis zum Kloster Montserrat mit den für den Jakobsweg charakteristischen gelben Pfeilen gekennzeichnet: Dem für das Jakobsjahr 2010 erwarteten Pilgeransturm wollte man schließlich etwas bieten können! Das nächste Jakobsjahr – Jakobsjahre sind jene Jahre, in denen der Todestag des Apostels Jakobus (25. Juli) auf einen Sonntag fällt – ist nämlich erst 2021.
Die ideale Zeit zum Pilgern ist das Frühjahr; im Winter kann es hier oben sehr kalt, im Sommer sehr heiß werden. Der Weg verläuft bisweilen parallel zur heutigen Nationalstraße N-IIa und der Autobahn A2, was nicht immer angenehm ist. Doch gibt es einiges zu sehen, etwa das Kloster Montserrat, die alte Kathedrale La Seu Vella de Lleida sowie die historischen Altstädte von Igualada, Tàrrega und Cervera. Neun Pilgerherbergen bieten Wanderern oder Radlern erschwingliche Übernachtungsmöglichkeiten. Auf dem Abschnitt von Sant Pere de Rodes nach Montserrat sucht man nach solchen Unterkünften aber noch vergeblich. Der Camí Català umfasst noch diverse weitere historisch bedeutsame Routen. Noch 2010 soll der Weg von Tarragona nach Lleida markiert werden. Für später ist noch die Kennzeichnung zusätzlicher Pilgerrouten geplant, u. a. eine von Barcelona nach Montserrat.
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