Jahr für Jahr kommen schätzungsweise 40 Mio. Besucher in die Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten, die zu den am schnellsten wachsenden Metropolen der USA zählt. Und zu den ungewöhnlichsten. Denn Las Vegas kann man nur in einigen Teilen als eine Stadt wie jede andere bezeichnen. Ihr schnell pochendes Herz ist eine aus luxuriösen Hotelcasinos, tennisplatzgroßen Leuchtreklamen, Neonfassaden und Myriaden von Shopping Malls und Edelboutiquen bestehende »Illusionsfabrik«, die Besuchern all das vorgaukelt, was das Alltagsleben normalerweise nicht zu bieten hat – hauptsächlich unbeschwerte Tage.
Das größte Amüsementzentrum der Welt erfindet sich ständig neu. Wer der Wüstenmetropole ein oder zwei Jahre lang keinen Besuch mehr abgestattet hat, reibt sich verwundert die Augen über neue, natürlich noch größere und schickere Hotelcasinos und über noch fetzigere Attraktionen. Den Wandel von der Nur-Zockerzitadelle zum ultimativen Vergnügungszentrum für jedermann leitete die Stadt schon vor Jahrzehnten mit der genialen Erfindung des Themencasinos ein. Zu den ersten gehörte »Caesar’s Palace«, in dem Kleopatra am Arm von Marcus Antonius auf dicken Teppichen durch säulengeschmückte Palasthallen schreitet, in denen jaulende und blinkende Spielautomaten, an Poker- und Roulettetischen jubelnde Gäste und Showbühnen mit bekannten Pop-Gruppen einen seltsamen Kontrast zum altrömischen Ambiente bilden.
Die Idee eines antiken Glücksspieltempels löste einen unglaublichen Bauboom aus. Heute unternehmen Las Vegas-Besucher Welt- und Zeitreisen, ohne die Stadt verlassen zu müssen. Vom mittelalterlichen Ritterambiente des Excalibur-Casinos geht es zum futuristischen Stratosphere Tower, mit 356 Metern das höchste freistehende Gebäude westlich des Mississippi. Dazwischen liegen die venezianische Kopie »The Venetian«, in der Gondolieri Touristen in Barken mitten durch das Casino schippern, »The Mirage« mit echtem Regenwald in der Lobby und regelmäßigen Vulkanausbrüchen vor der Tür, »Paris Las Vegas« mit Nachbauten von Eiffelturm, Oper und Louvre, die Filmmetropole »Planet Hollywood«, »New York, New York« mit einer Manhattanfassade hinter der riesigen Freiheitsstatue und »Treasure Island« mit Reminiszenzen an Piraten und Schatzsucher.
Dass der Gast sogar im altägyptisch konzipierten Luxor zwischen Ramses und Sphinx eine Hotellerie und Gastronomie vom Feinsten erwarten darf, versteht sich von selbst. Längst hat die Stadt ihr Billigimage abgelegt und propagiert in den meisten der ca. 150 000 Hotel- und Motelzimmer Stil und Komfort, nicht selten zu gehobenen Preisen (dennoch kann man noch sehr preisgünstig unterkommen). Und wer außer amerikanischem Fast Food ein kulinarisches Niemandsland erwartet, sieht sich getäuscht. Denn unter vielen preisgekrönten Küchenchefs ist mittlerweile en vogue, in Las Vegas ein Nobelrestaurant zu betreiben. Auch die beliebten Casinobuffets haben längst ihren früheren Nimbus als Massenfütterungsanstalten hinter sich gelassen und zollen dem wachsenden Wunsch ihrer Klientel nach Auswahl und Qualität mit exquisitem seafood, Spezialitäten aus aller Welt und guten Weinen Tribut. Heimwehkranke Deutsche können sich im amerikanischen Außenposten des Münchner Hofbräuhauses bei bayerischem Bier und Schweinshaxe trösten.
Dass keine andere Stadt der USA die hohe Schule der Verführung so konsequent und gekonnt pflegt wie Las Vegas, wird vor allem am Unterhaltungsangebot erkennbar. In der Stadt, die tatsächlich niemals schläft, sorgt ein gigantisches Sammelsurium an Einrichtungen dafür, dass zu keiner Sekunde Langeweile aufkommt. Zu den klassischen Amüsements gehören Dutzende von täglichen Casinoshows, die von Varieteauftritten über Magiernummern, Erotikshows, Broadway-Musicals und Revuen bis zu Konzerten mit weltberühmten Stars reichen.
Nicht immer muss man für Unterhaltung tief in die Tasche greifen. Las Vegas weiß, was es seinen Besuchern schuldet und sorgt tagtäglich für kostenloses Amüsement. Vor dem »Bellagio« Hotelcasino findet auf einem künstlich angelegten See abends eine imponierende Licht-, Wasser- und Tonshow statt. Aus 12 000 Düsen steigen nach dem Rhythmus begleitender Musik Wasserfontänen bis 70 Meter hoch in den Himmel. Auf dem »Dream Lake« im »Wynn« Hotelcasino wird nach Sonnenuntergang eine grandiose optische und akustische High-Tech-Show veranstaltet. Bei einer nächtlichen, pyrotechnischen Seeschlacht bekämpfen sich vor dem »Treasure Island« Casino Piraten und Sirenen, bis eines der beiden Segelschiffe von Kanonen getroffen in den Fluten untergeht – und Minuten später wie von Geisterhand gehoben wieder aus dem Wasser auftaucht. Zu den Gratisattraktionen gehört auch die Show in der Fremont Street in Downtown, bei der Videoclips auf einer aus 2 Mio. elektrischen Lämpchen bestehenden Dachkonstruktion erscheinen.
Wer sich lieber kultureller Erbauung widmet, besucht die nachgebaute Grabkammer von Tut ench Amun im »Luxor« Casino oder die »Bellagio Gallery of Fine Art«. Für Familien hält Las Vegas Tiergehege, Fahrbetriebe mit zum Teil haarsträubenden Einrichtungen und Zirkusshows bereit. Nachtschwärmer haben die Qual der Wahl unter dutzenden Clubs. Und wer sich im heißen Wüstenklima erholsam Abkühlung verschaffen will, findet in fast jedem Casino eine exotische Poollandschaft unter Palmen.
Wer die über Las Vegas hereinbrechende Nacht auf dramatische Weise erleben will, macht sich rechtzeitig auf den Weg in die Lounge des Restaurants »Mix« im »Mandalay Bay Casino«. Durch große Glasfenster kann man, versorgt mit einem kühlen Drink, den Sonnenuntergang über den außerhalb gelegenen Wüstenbergen beobachten, ehe sich die Stadt von Minute zu Minute in ein neonfarbenes Lichtermeer verwandelt.
Anzeige