»Mit einem Taxi nach Paris, nur für einen Tag …«: Es gibt viele gute Gründe, nach Paris zu reisen – Haute Couture und Nouvelle Cuisine, Luxus und Lebensart, Kunst und Kultur im Überfluss. Paris ist die Stadt der Frühlingsgefühle, der Liebe und der Verliebten, die Stadt der Belle Epoque und der modernen Architektur, Metropole der Lebenslust und der Nonchalance, Ort der Zuflucht für Emigranten und Ort der Verlockung für Provinzler, Stadt der Revolution und der Aufklärung, blau-weiß-rot beflaggte Machtzentrale der grande nation Frankreich. Paris ist die Stadt der gediegenen Großbourgeoisie und der Künstlerbohème, der Flaneure und fashion victims, der Gourmets und Genießer. Paris ist eine Stadt, die das Alte erhält, ohne nostalgisch zu sein, die trotzdem in Bewegung ist und dabei menschlich bleibt. Gleich, ob man zum ersten Mal in der Seine-Metropole eintrifft oder zum xten Mal wieder kommt, jeder empfindet den ›Klimawechsel‹. Das hat nichts mit dem Wetter oder der Lage von Paris zu tun – es ist die Atmosphäre, die einen umfängt und die aus Geschichte und Kultur der Stadt, dem Lebensgefühl und der Lebensart der Pariser entsteht.
Notre-Dame, Eiffelturm und Louvre gehören zweifellos zu einem klassischen Sightseeing-Wochenende, aber die Anziehungskraft der Stadt erlebt der Besucher auch ganz ›nebenbei‹. Gerade die alltäglichen Erlebnisse am Rande machen den Charme der Stadt aus – und Paris so ›pariserisch‹. Gehen Sie auf Entdeckungstour, über die bunten Märkte, durch ruhige Stadtviertel und stille Straßen, in schicke Bistros und Szenecafés, Designer-Boutiquen und hundert Jahre alte Fachgeschäfte. Rattern Sie mit der Métro über die Hochbahn und gleiten Sie mit dem Schiff durch Kanalschleusen, blicken Sie auf das berühmte Grau der Dächer, stöbern Sie auf den Flohmärkten, genießen Sie den Sonnenuntergang am Seine-Quai und das Menü im Bistro an der Ecke.
Meist war es das volkstümliche, nostalgische Paris, das Filmemacher und Schriftsteller, Musiker und Maler in seinen Bann zog und dem sie ihre Werke widmeten. Noch heute ist es nicht zuletzt dieses Bild von Paris, das die Stadt zum Mythos macht. Doch Paris hat sein Gesicht tiefgreifend verändert. Schon in den 1960er- und 1970er-Jahren versetzten der Abriss der traditionsreichen Markthallen, des ›Bauchs von Paris‹, und der Bau des Centre Pompidou Paris in die Moderne. Das architektonisch eigenwillige, an Industriebauten erinnernde Kulturzentrum war nicht nur ein Fremdkörper zwischen den historischen Bauten, es sorgte auch für eine völlige Restrukturierung des umliegenden Viertels. Seither ist die »Hauptstadt des 19. Jahrhunderts«, wie Walter Benjamin Paris nannte, mit Riesenschritten ins dritte Jahrtausend geeilt. Zwar hat kaum eine andere Epoche in der französischen Metropole so viele Spuren hinterlassen wie das 19. Jahrhundert – die großen Boulevards, die glasüberdachten Passagen, die Bahnhöfe, ›Kathedralen des technischen Fortschritts‹, der Eiffelturm, zahlreiche Parks und vieles andere sind Errungenschaften jener Zeit –, in kaum einer anderen Stadt aber ist auch so explizit für das 21. Jahrhundert gebaut worden.
In den 1980er- und 1990er-Jahren wurden gigantische Projekte zu Ehren der ville lumière und der grande nation fertiggestellt: die Glaspyramide am Louvre, das Finanzministerium in Bercy, das gläserne Institut du Monde Arabe, der futuristische Wissenschaftspark in La Villette, der riesige Triumphbogen Grande Arche in La Défense, die neue ›Volksoper‹ an der Bastille, die neue Nationalbibliothek, die beiden Parks Bercy und André Citroën
Erhalten blieb die Vielfalt der französischen Hauptstadt, in der jedes Viertel einen eigenen Charakter besitzt. Die reichen beaux quartiers im Westen etwa trennen Welten vom armen und traditionell ›roten‹ Osten der Arbeiter. Doch dort ›boomt‹ die Stadt, und statt Handwerkern und ›Malochern‹ bevölkern heute Trendsetter die einst vernachlässigten Viertel. Modemacher und Designer, Künstler, Galeristen und Nachtschwärmer machten die Bastille und das Marais zu ›In‹-Vierteln: Aufgegebene Werkstätten und Fabriketagen wurden zu lichten Lofts und gestylten Bars. Doch die Szene wandert weiter – derzeit nach Oberkampf, Ménilmontant, an den Canal Saint-Martin. Und seit auch im Pariser Osten die Mieten ins Uferlose steigen, erlebt selbst Montmartre eine Renaissance – noch bevor der Film »Die fabelhafte Welt der Amélie« Kinofans aus aller Welt auf Spurensuche in die Rue Lepic führte.
Paris ist vor allem eine Kulturmetropole der Superlative: mit dem Louvre – dem größten Museum der Welt –, vielen weiteren bedeutenden Sammlungen vom Picasso-Museum über das Musée d’Art Moderne im Centre Pompidou bis zum Musée d’Orsay, mit über 150 Theatern und Konzertstätten, drei Opernhäusern und mehr als 300 Kinos.
Auch der Architektur wegen lohnt sich eine Paris-Reise. Wer will, kann sich ausschließlich einem spezifischen Thema widmen: den Passagen, den Jugendstilbauten, den Arbeiten von Le Corbusier, der Stadtplanung von Haussmann oder den grands travaux, den großen Bauprojekten des 20. Jahrhunderts. Oder man unternimmt eine Spurensuche zum Anlass eines Paris-Wochenendes, um auf den Spuren von Dichtern, Filmemachern, Malern oder Musikern literarische Schauplätze und Filmkulissen, Ateliers und Friedhöfe zu besuchen.
Die Kochkunst gehört in Frankreich – zumal in Paris – ohne Frage zur Kultur. Für Gourmets gibt es eigentlich nur die Entscheidung, immer wieder nach Paris zu fahren – zu zahlreich sind bodenständige Bistros, Klassiker der Haute Cuisine, neue Talente der Nouvelle Cuisine, Spitzenköche der Regionalküche und aus aller Welt.
Nicht zuletzt kann man auch einfach nur zum Einkaufen nach Paris fahren. Der schönste Stadtteil für einen Schaufensterbummel ist Saint-Germain-des-Prés mit Modeboutiquen und Buchhandlungen, Antiquitätengeschäften und Galerien. Luxusläden konzentrieren sich zwischen Madeleine, Rue du Faubourg Saint-Honoré und Avenue Montaigne rechts und links der Champs-Elysées, Einkaufsparadiese sind auch die eleganten Pariser Kaufhäuser.
Zahlreiche Schleusen, eine Wendebrücke und steile, eiserne Fußgängerstege, von denen man den Bootsbetrieb beobachten kann, lassen den von Bäumen gesäumten Kanal Saint-Martin fast holländisch wirken. Die Angler auf ihren Campingstühlchen lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen, und auch sonst hat es hier niemand eilig. Seit kurzem entdeckt die Szene das Viertel, Cafés und Kneipen eröffnen und laden zur entspannten Pause am Wasser ein.
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