“Das Leben ist viel zu kurz, um schlechten Wein zu trinken”, stellte schon der deutsche Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe zu Lebzeiten fest. Daher sei es Liebhabern von gutem Wein angeraten, nach Kalifornien zu reisen, denn hier locken mehr als 3.000 Weingüter in meist idyllischer Lage mit regelmäßig prämierten Spitzenweinen. Die innovativen Küchenchefs der “California Cuisine” sorgen zusätzlich dafür, dass Gourmets aus aller Welt beim Gedanken an den Sonnenstaat das Wasser im Munde zusammen läuft.
Die Geburtsstunde des amerikanischen Weines ist eng mit dem Namen eines Schädlings verknüpft: “Viteus Vitifoliae”, zu Deutsch die Reblaus, verhalf den amerikanischen Reben zu einem ersten Durchbruch auf dem europäischen Markt. Die amerikanischen Weinstöcke waren nämlich resistent gegen den Parasiten, der Mitte des 19. Jahrhunderts nahezu alle großen europäischen Weinanbaugebiete verwüstete, und wurden daher für den Neuanbau verwendet.
Es sollten allerdings weitere 100 Jahre vergehen, bis Weine aus den USA, insbesondere aus Kalifornien, in aller Munde waren. Das Weingut Chateau Montelena im Napa Valley war es schließlich, das 1976 bei der berühmt gewordenen Verkostung “Jugement de Paris” den Überraschungssieg davontrug und für erheblichen Diskurs unter Weinkennern sorgte – galten bis dato die französischen Weine doch als die Besten weltweit. Seitdem sorgen regelmäßig Weingüter aus Kalifornien dafür, dass europäische Winzer ihren traditionellen Anbau neu überdenken, um ähnliche Spitzenweine wie die Kalifornier keltern zu können.
Das Napa Valley im Norden Kaliforniens belegt aufgrund der idealen klimatischen Bedingungen den ersten Platz unter den kalifornischen Weinanbaugebieten. Besonders gut gedeihen hier Chardonnay-, Cabernet Sauvignon- und Zinfandeltrauben sowie neuere Sorten wie Syrah und Sangiovese, einer der wenigen “Italiener” unter den kalifornischen Rebsorten. Ausgezeichneten Spätburgunder bekommt man im Russian River Valley, das zum benachbarten Anbaugebiet Sonoma Valley gehört, für Pinot Noir, Sémillon und Sauvignon Blanc lohnt ebenfalls ein Ausflug in das “Valley of the Moon”, wie das Sonoma-Tal auch genannt wird.
Da guter Wein und gutes Essen unbedingt zusammen gehören, haben sich in Kalifornien die Spitzenköche der USA angesiedelt. Feinschmecker sind begeistert von der innovativen “California Cuisine”, in die Elemente der asiatischen, italienischen und mexikanischen Küche einfließen und die sehr leicht und bekömmlich ist. So sollten hungrige Weinverkoster unbedingt der berühmten “French Laundry” in Yountville im Napa Valley einen Besuch abstatten, in der Starkoch Thomas Keller seinen Löffel schwingt, oder eines der Restaurants des Japaners Nobu Matsuhisa in Südkalifornien aufsuchen. Manch einer wird sich dann nach einem hervorragenden Mahl mit einem Glas Wein in der Hand den bedauernden Worten Kurt Tucholskys, eines weiteren deutschen Dichters, anschließen: “Schade, dass man Wein nicht streicheln kann.”
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