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TEPPICHKAUF
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Nur fliegen kann er nicht! 

von H. M. K. Geiss, Windach/Ammersee

Bild_01 Türkisches_Mittelmeer_Teppich
Quelle: DuMont Bildarchiv/ Ernst Wrba

Türkische Teppiche sind beliebte Souvenirs. Doch nicht immer hält das gute Stück, was der Teppichhändler vor dem Kauf versprochen hat. Oft entpuppt sich die Ware weder als Schnäppchen, noch als natürlich gefärbtes, geschweige denn als altes Exemplar. Wer als Laie einen Teppich kaufen möchte, sollte daher einige Tipps beachten.

Die Erfolgsgeschichte türkischer Teppiche nahm ihren Anfang, als Nomaden von den Mosaikböden sesshafter Völker derart begeistert waren, dass sie „mobile“ – also „Mosaik-Teppiche“ – entwickelten. Stolze 2400 Jahre ist der älteste türkische Teppich alt, der berühmte Pazyryk-Teppich. Erst ab dem 19. Jahrhundert wurde begonnen, Teppiche als Massenware in Knüpfzentren nach Mustervorlagen des Palasts herzustellen. Aus dieser Zeit stammt übrigens auch die Bezeichnung „Palastteppich“. Jede Region besitzt eigene Muster und Farbvariationen, die sogar für Fachleute schwer auseinanderzuhalten sind. Für eine grobe Unterteilung wird zwischen Stadt- und Dorfteppichen unterschieden. Beim „Dorfteppich“, der meist aus Anatolien stammt und daher auch „Anatolier“ heißt, wird Wolle auf Wolle geknüpft, beim „Stadtteppich“ Wolle auf Baumwolle.

AUGEN AUF BEIM TEPPICHKAUF

DuMont Bildarchiv/ Ernst Wrba Seriöse Teppichverkäufer bieten ihren Kunden einen Knotenzähler an. Dabei gilt: Je dichter die Knoten, desto besser die Qualität des Teppichs. Wer keinen Knotenzähler zur Hand hat, kann sich folgendermaßen behelfen: Man lege ein Lineal der Breite nach auf irgendeine Stelle der Teppichrückenseite und zähle die Knoten pro Zentimeter. Dann wird diese Zahl quadriert und mit 10 000 multipliziert (vier Knoten ergeben also ca. 160 000 Knoten pro Quadratmeter). Ein weiteres Qualitätskriterium ist der Fettgehalt der Wolle, der die Farben vor dem Ausbleichen und die Fasern vor dem Brechen bewahrt. Fusseln oder brechen die Wollfasern, wenn man sie zwischen den Fingern zwirbelt, ist es um den Fettgehalt der Wolle schlecht bestellt. An diesem Teppich wird die Freude nicht lange währen. Pflanzengefärbte Teppiche weisen den höchsten Wollfettgehalt auf, bei chemisch gefärbten wird oft „nachgeölt“, was sich aber nicht negativ auf die Endqualität auswirkt. Da ältere echte Teppiche (vor allem Kilims) zunehmend seltener werden, waschen einige findige Händler die Teppiche in Chlor und lassen sie dann in der Sonne ausbleichen. Diesem Trick kommt man durch einfaches Riechen an der Ware auf die Schliche. Auch wenn die Farben an der Teppichoberseite eine schwächere Intensität als in der unteren Gewebeschicht aufweisen, sollte man misstrauisch werden. Zudem sehen bei älteren Teppichen die Fransen leicht verfilzt aus und dürfen sich nicht herauszupfen lassen. Und schließlich: Früher wurden Teppiche unter Anwendung natürlicher Materialien gefärbt, die z.B. aus Beeren, Mineralien oder Wurzeln hergestellt wurden. Vorsicht ist geboten, wenn ein „alter“ Teppich in Rosa oder Orange angeboten wird – diese Farben ließen sich nicht aus Naturstoffen herstellen! Gleich zu Beginn des Verkaufgespräches sollte ein Preis genannt werden, der mindestens 40 % unter dem Geforderten liegt. Schlechtes Gewissen ist fehl am Platz – auch der Händler hat den niedrigern Endpreis sicher einkalkuliert. Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollte der gekaufte Teppich gleich mitgenommen und nicht nach Hause geschickt werden. Die meisten Teppiche werden übrigens im Rahmen organisierter Fahrten zu Teppichfabriken verkauft. Es ist ohne Frage sehr interessant zu sehen, wie ein Teppich entsteht, dennoch muss man nicht gleich ein teures Stück erwerben. Und fliegen kann kein Teppich – egal was der Händler verspricht!

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