Das mondäne Seebad Opatija in der Kvarner Bucht verzaubert mit prunkvollen Villen und Hotels, die sich gegenseitig an Stil, Stuck und Sternen übertrumpfen. Architektur und alte Namen erinnern an die k. u. k. Monarchie, als Adel und Großbürger dem Winter entflohen und in das milde, immergrüne „österreichische Nizza“ reisten.
Von der Küste her streift ein leichter Wind durch die Palmen, die sich in den Vorgärten der Villen von Opatija wiegen. Fast als wolle er den Gründerzeit-Fassaden ein wenig Frischluft zufächern. Das scheinen die meisten jedoch gar nicht nötig zu haben, denn in den vergangenen Jahren wurden die eleganten Häuser in majestätischem Gelb und aristokratischem Weiß veredelt. Das Seebad Opatija, das sich im Schatten des hohen Učka-Gebirgsmassivs vor kalten Fallwindenduckt, erstrahlt längst wieder im alten Epochenstil.
Auslaufende Marmortreppen bitten die Gäste in eine Welt der Kronleuchter, Jugendstil-Kommoden und Balkone mit winzigen Tischen, von denen der Blick abends auf die orangefarbenen Lichter in der Kvarner Bucht schweift. So wie aus den oberen Etagen des Hotel Mozart, das mit Namen und Jugendstil-Interieur zwar auf Nostalgie setzt, seinen Keller jedoch längst mit modernem Whirlpool ausgestattet hat. Nur wenige Meter weiter erhebt sich bereits seit 1885 die einstige Edelherberge „Kronprinzessin Stephanie“, heute das Hotel Imperial, das auch für weniger Betuchte einen Hauch verstaubten Epochencharme bereithält. Das Hotel Milenij (Millennium) auf der anderen Straßenseite setzt ebenso auf k. u. k. Tradition, auch wenn die Gäste heute eher aus Moskau und Milano anreisen: In den großen Fenstern des Café Wagner lockt die vermutlich beste Sachertorte südlich von Wien, die von Kellnern in weiß gestärkten Hemden serviert wird. Die Seeterrasse berührt fast den Lungomare. Die Flaniermeile schlängelt sich an Sonnenanbetern auf bunten Handtüchern oder schäumenden Wellen, die an manchen Tagen aufgeregt gegen das Ufer peitschen, über zwölf Kilometer am Ufer entlang.
Hier flanierte einst auch der österreichische Regent Franz Joseph I., als Opatija noch den italienischen Namen Abbazia trug. Entsprechend erinnert man sich heute mit der offiziellen Bezeichnung des Lungomare daran: Šetalište Franje Josipa, der Franz-Joseph-Spazierweg. Doch der Kaiser soll nicht alleine geweilt haben, wird gemunkelt. Vielmehr traf er sich dort auch mit seiner Konkubine, der Burgtheater-Schauspielerin Katharina Schratt – mit dem Segen seiner Gattin Elisabeth, „Sissi“. Im 1884 errichteten Quarnero, heute Kvarner, tanzte der Adel. An diese Tanztradition wird neuerdings mit der „Kaisernacht“ im Juli angeknüpft, mit Polka, Kostümierten und Teezeremonie für „Eure Hoheit“ und alle Normalsterblichen, natürlich stilecht aus entsprechenden Tässchen. Dass die Vergangenheit hier so gepflegt wird, kommt nicht von ungefähr, schließlich verdankt Opatija die Anfänge seiner Tourismustradition der damaligen Hautevolee der Donaumonarchie. Im ausgehenden 19. Jahrhundert zog es die Oberschicht vor allem in den Wintermonaten nach Opatija, in das „südliche Wien“, in dem Palmen, Magnolien und Agaven ganzjährig mediterranes Flair versprühen. So wie im üppig blühenden Park rund um die neoklassizistische Villa Angiolina, die der vermögende Geschäftsmann Iginio Ritter von Scarpa bereits 1844 im Dörfchen Abazzia hatte errichten lassen und nach seiner Frau benannte. Das elegante Haus gilt als Wiege des Fremdenverkehrs, und nicht von ungefähr ist heute darin das einzige Tourismusmuseum Kroatiens untergebracht. Auf Schwarz-Weiß-Fotografien und Postkarten sind Urlaubsgrüße auf Deutsch nachzulesen.
Bereits 1889 war Opatija offizieller Kurort der Doppelmonarchie, Hotels und Parks
wurden weiter ausgebaut, und bis ins südlicher gelegene Lovran verkehrte sogar eine Straßenbahn. Mit dem Ersten Weltkrieg wurde der Aufschwung allerdings jäh gestoppt. Zu sozialistischen Zeiten unter Tito wurde der Kongresstourismus angekurbelt, jedoch auf anderem Niveau. Seit Mitte der 1990er-Jahre nun glänzt Opatija wieder in nostalgischer Pracht, mit „Sahertorta“ (Sachertorte) und „Palačinke“ (Pfannkuchen) auf den Speisekarten, an denen sicher auch die Habsburger Sommerfrischler ihren Gefallen gefunden hätten. Allerdings auch mit
Grundstücks- und Hotelpreisen, die sich mancherorts eher an den einstigen großbürgerlichen Kurgästen orientieren.
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