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NEUE LUST AM ALTEN PIONIERGEIST
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Nostalgie 

von Wolfgang Veit, Stefan Huy

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Quelle: DuMont Bildarchiv/ Clemens Emmeler

Noch nicht einmal 200 Jahre hat die neuseeländische Nation hinter sich: im Gedenken an antike Römer, Griechen und Ägypter entschieden zu wenig, um in der globalen Geschichtsschreibung großartig vorzukommen. Aber die Kiwis stört das kaum. Sie bewahren ihren Happen Historie im eigenen Land mit großem Respekt, hegen und pflegen die Baudenkmäler aus der Pionierzeit.

Quelle: DuMont Bildarchiv/Fred Krüger In Neuseeland ist man heute stolz auf die enormen Leistungen der Pionierzeit und bemüht sich, für die Nachwelt zu erhalten, was an Historischem noch greifbar ist. Das war nicht immer so. Bis in die 1970er-Jahre hinein drohten reihenweise bauliche Relikte aus dem 19. Jahrhundert zu verfallen, in den Innenstädten von Auckland und Wellington zertrümmerten Abrissbirnen viktorianische Architektur vom Feinsten, damit anschließend seelenlose Büro-Komplexe aus Beton hochgezogen werden konnten, und auf dem Land fanden allenfalls Schafe in steinernen Überresten alter Cottages Unterschlupf. Mit einem Mal war dann Schluss mit dem Vandalismus. Sonst hätten selbst so wunderschöne viktorianische Einkaufspassagen wie Queens oder Strand Arcade in Auckland sich vermutlich nicht in die Gegenwart retten können. Diesen Erfolg kann sich allen voran der „New Zealand Historic Places Trust“ auf die Fahnen schreiben. Die aus Spenden finanzierte Initiative nahm 1954 ihre Arbeit auf, zielt laut Satzung auf den „Schutz, Erhalt und die Instandsetzung historischen und kulturellen Erbes“: ein durchaus ehrgeiziges Unterfangen zu einer Zeit, als die neuseeländische Gesellschaft noch dem US-amerikani-schen Lebensstil mit allen modernen Accessoires hinterherhechelte und froh war, endlich etwas von der kolonialen Patina hinter sich lassen zu können.

WALFISCHKNOCHEN UND VIKTORIANISCHE DAMENUNTERWÄSCHE?

Quelle: DuMont Bildarchiv/Clemens Emmeler Zum Glück war Neuseeland zu keiner Zeit eine Wegwerfgesellschaft. Weil die Kiwis immer schon meinten, jedes Ding wieder verwerten zu können, haben sich über die Jahrhunderte in Abstellräumen, Garagen oder Scheunen alle möglichen alten Schätzchen von mehr oder weniger historischem Wert ansammeln können. Beinahe jedes Heimatmuseum ist heute voll davon, präsentiert gedrechselte Möbel aus heimischem Rimu-Holz ebenso wie mit Walfischknochen drapierte viktorianische Damenunterwäsche oder eine speckige Soldatenuniform.

INTERESSE AN DER JUNGEN HISTORIE

Selbst unbedeutende Dörfer leisten sich ein eigenes Museum. Puhoi zum Beispiel, nördlich von Auckland, hält mit einer kleinen, aber liebevoll arrangierten Ausstellung in einer weiß gestrichenen Holzhütte die Erinnerung an seine aus Böhmen eingewanderten Begründer wach: geöffnet an Wochen enden, zwischen 13.00 und 16.00 Uhr, sofern die ausschließlich ehrenamtlichen Mitarbeiter, die Volunteers, nichts anderes vorhaben. Was selten vorkommt, denn Besucher mit Interesse für die junge Historie sind höchst willkommen, vor allem wenn sie aus der so sehr geschichts trächtigen alten Welt angereist sind.

NOSTALGIE BELEBT DAS GESCHÄFT

Mancherorts wurden Baudenkmäler versetzt und zu Freilichtmuseen arrangiert; etwa
in Christchurch, wo am Stadtrand der „Ferrymead Heritage Park“ Schulgebäude, Gefängnis, Kirche und Bahnhof aus dem 19. Jahrhundert zeitgetreu restauriert hat. Weil Nostalgie auch bei touristischen Unterkünften das Geschäft belebt, bieten sich zahlreiche denkmalgeschützte Gebäude als hochpreisige Hotels oder B&B an. Zahlungskräftige Gäste mögen das: Pioniergeist in ebenso elegantem wie heimeligem Ambiente. Warum also nicht eine komfortable Bettstatt im einstigen Pferdestall wählen? Genau das kann man nämlich zum Beispiel bei „Olivers“ in Clyde: in über 140 Jahre alten Mauern aus der Goldgräber-Ära unterkommen.

DIE WICHTIGSTEN INTERNETLINKS

www.historic.org.nz
Die Webseite des Historic Places Trust ist zuständig für den nationalen Denkmalschutz

www.history-nz.org
Übersichtlich strukturierte Zusammenfassung der Geschichte Neuseelands

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