Im grenzübergreifenden KAZA-Park wollen die fünf Länder Namibia, Botswana, Sambia, Simbabwe und Angola ihren Traum vom Erhalt der afrikanischen Wildnis Wirklichkeit werden lassen und den größten Nationalpark der Erde schaffen – zugunsten der Tierwelt und der einheimischen Bevölkerung.
Es ist eines der ambitioniertesten Naturschutzprojekte der Gegenwart: In den kommenden Jahren soll rund um das wild- und pflanzenreiche Okavango-Delta Schritt für Schritt das größte Schutzgebiet der Erde geschaffen werden, ein „Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area“ (kurz: KAZA) genanntes, grenzüberschreitendes Natur- und Landschaftsschutzgebiet, das sich über eine Fläche von mehr als 287 000 Quadratkilometern erstrecken wird. Insgesamt 36 Naturschutzgebiete – darunter der Caprivi-Zipfel in Namibia, die Victoriafälle in Sambia/Simbabwe, der Hwange-Nationalpark in Simbabwe, das Okavango-Delta und der Chobe-Nationalpark in Botswana – sollen dafür zusammengefasst werden.
Die Idee für den KAZA-Park wurde bereits im Jahr 2003 geboren. Ursprünglich sollte dieser schon zur Fußball-WM 2010 in Südafrika eröffnet werden, wegen Unstimmigkeiten zwischen den Ländern musste der Zeitpunkt dann aber immer wieder verschoben werden. Die Zusammenarbeit demokratischer Staaten wie Namibia und Botswana mit autoritären Regimen wie jenem in Simbabwe gehört dabei zu den größten Herausforderungen. Immerhin unterzeichneten im Jahr 2006 die bereits genannten fünf Länder ein Memorandum, in dem die Kooperation beschlossen wurde. Derzeit sind die Mitgliederländer damit beschäftigt, eine gemeinsame Verwaltung aufzubauen und die Grenzformalitäten zu vereinheitlichen. In naher Zukunft soll es zum Beispiel ein länderübergreifendes Visum für Touristen geben.
Unterstützt wird das Mammutprojekt unter anderem vom deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Kooperation mit der KfW-Entwicklungsbank in Frankfurt. Mehr als 20 Millionen Euro hat die Bundesregierung bereits in das Projekt gesteckt. „Ziel ist es, die alten Wanderrouten der Tiere wieder herzustellen, die Armut in der Region zu lindern und die Versöhnung der einzelnen Mitgliedsstaaten voranzutreiben“, erläutert Christoph Kessler, der Leiter des Referats Naturressourcen bei der KfW. Zusätzlich zum Schutz des überaus sensiblen Ökosystems will man auch aktiv neue Rückzugsgebiete für Tiere wie das bedrohte Spitzmaulnashorn, Geparden und den seltenen Afrikanischen Wildhund schaffen.
Zugleich soll in dieser bislang schlecht erschlossenen Region ein nachhaltiger Tourismus gefördert werden, was jene Einheimische überzeugen könnte, die derzeit von dem Park in erster Linie Nachteile befürchten: Jagdverbote, Ernteschäden durch Elefanten aus dem benachbarten Botswana und Umsiedlungsaktionen. Christoph Kessler aber betont: „Die Menschen sollen vom Tourismus im Park profitieren.“ Und die Rechnung sei relativ einfach: „Acht Touristen schaffen einen permanenten Arbeitsplatz.“
… sind die Elefanten: Im Chobe-Nationalpark in Botswana lebt heute fast ein Drittel aller afrikanischen Elefanten. Diese zerstören zunehmend die landwirtschaftlichen Nutzflächen und stellen so für die lokale Bevölkerung eine Bedrohung dar. Auch in diesem Zusammenhang könnte der KAZA-Park hilfreich sein, denn mit ihm werden Grenzen geöffnet und Veterinärzäune abgerissen. So erweitert sich der Lebensraum für die Tiere grenzüberschreitend und ermöglicht ihnen eine Rückkehr auf ihre alten Wanderrouten. Im Süden Angolas steht den Elefanten ein bislang ungenutztes Rückzugsgebiet zur Verfügung. Auch deshalb sprechen die Initiatoren vom „bedeutendsten Naturschutzprojekt in Afrika in den vergangenen 100 Jahren“. Nach seiner offiziellen Eröffnung wird der KAZA-Park auch der größte von insgesamt 14 grenzübergreifenden Friedensparks in Afrika sein.
… zum KAZA-Park liefert das Park-Sekretariat in Kasane/ Botswana, www.kavangozambezi.org. Einen Überblick über alle afrikanischen Friedensparks findet man auf der Webseite der Peace Parks Foundation, www.peaceparks.org.
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