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UNESCO-Welterbe Dolomiten
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Naturschutz im Welterbestatus 

von Robert Asam und Robert Fischer

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Quelle: DuMont Bildarchiv/ Udo Bernhart

Dass die Dolomiten schön sind, ist unbestritten. Dass sie geschützt werden müssen, hat inzwischen sogar die UNESCO bestätigt, als sie die Dolomiten zum Welterbe erhob. Mit diesem Status ist aber nicht nur die Auszeichnung als „eine der imposantesten Berglandschaften weltweit“ verbunden, sondern auch eine enorme ökologische Herausforderung. Um dieser gerecht zu werden, wird es nicht genügen, große Informationstafeln aufzustellen, mit denen die Eingänge zum Welterbegebiet gekennzeichnet werden sollen.

Seit dem 26. Juni 2009 ist es amtlich: Die Dolomiten sind gemäß der Internationalen Konvention zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt „von außergewöhnlicher, universeller Bedeutung“, ihre Bewahrung liegt „in der Verantwortung der ganzen Menschheit“. Fragt sich nur, wie man dieser Verantwortung gerecht werden will. Dabei könnte es hilfreich sein, sich nicht auf die Menschheit als Ganzes zu verlassen, sondern gleich mal vor Ort damit anzufangen: in Südtirol zum Beispiel, wo die Naturparks Drei Zinnen, Fanes-Sennes-Prags, Puez-Geisler, Schlern-Rosengarten mit dem Gebirgsstock Latemar und die Bletterbachschlucht den weitaus größten Teil des knapp 142 000 Hektar umfassenden Welterbes ausmachen.

WAS LANGEHRT

Insgesamt wurden neun Regionen in fünf verschiedenen Provinzen von der UNESCO ausgezeichnet – neben Südtirol noch Trentino, Belluno, Udine und Pordenone. Über die besondere Schutzwürdigkeit des Gebiets war man sich vor Ort schon lange im Klaren – bereits zwölf Jahre vor der Ernennung, 1997, hatte man einen ersten Vorstoß in Richtung Eintragung der Dolomiten in die Welterbeliste unternommen. Unterschiedliche Vorstellungen der beteiligten Provinzen brachten das Vorhaben zwar zunächst zum Erliegen, doch im Dezember 2004 startete man einen neuen Anlauf, und im September 2005 erreichte der erste formelle Antrag das Welterbesekretariat in Paris.

WIRD ENDLICH WELTERBE

Im Jahr 2006 schickte die UNESCO einen Experten in die vorgeschlagenen Gebiete, um den Antrag inhaltlich zu prüfen, der ab dem Sommer 2007 überarbeitet werden musste, um dann im Februar 2008 neu eingereicht werden zu können. Noch im Sommer desselben Jahres kam es zu einer Expertenbegehung in allen vorgeschlagenen Gebieten, die ein im Mai 2009 hinterlegtes positives Gutachten zur Folge hatte, auf dessen Grundlage sich die 21 Mitglieder des Welterbekomitees bei ihrem 33. Tref fen am 26. Juni 2009 in Sevilla einstimmig für die Eintragung in die Welterbeliste entschieden.

„Die Dolomiten sind zwar nicht die höchsten, wohl aber die schönsten Berge der Welt.“ (Reinhold Messner)

WEM NUTZT DER SCHUTZ?

In der Erklärung des Komitees heißt es: „Die neun Teilgebiete des Welterbes Dolomiten bilden eine Serie einzigartiger Gebirgslandschaften von außergewöhnlicher Schönheit. Ihre beeindruckend senkrechten und bleichen Gipfel weisen eine weltweit außerordentliche Formenvielfalt auf. Diese Berge sind ferner für die Erdwissenschaften von internationaler Bedeutung.“ Dem ist kaum etwas hinzuzufügen – außer der Frage, wie man den mit dem neuen Status verbundenen Auftrag, die Welterbestätte „in ihrer Einzigartigkeit und Integrität zu schützen, zu bewahren und für zukünftige Generationen zu erhalten“, erfüllen kann. Denn paradoxerweise bedeutet die einem „Nobelpreis für Naturgüter“ gleichkommende außergewöhnliche Auszeichnung auch eine außergewöhnliche ökologische Belastung: Mit wachsendem Interesse der Weltöffentlichkeit müssen neue Mittel und Wege gefunden werden, um die steigenden Besucherzahlen und den Naturschutz unter einen Hut zu bringen. Schließlich ist das Welterbe-Label nicht nur ein großer Wurf für Naturschützer, sondern auch eine Steilvorlage für Marketingfachleute.

EINE STIFTUNG SOLL’S RICHTEN

„Es gibt jene, die mit dem Weltnaturerbe-Prädikat nur die Hoffnung auf zusätzliche Touristen verbinden, und jene, die dies fürchten“, bringt der Südtiroler Landesrat Michl Laimer die divergierenden Sichtweisen auf den Punkt. Dieser Problematik war und ist man sich aber auch bei der UNESCO bewusst. Zu deren Auflagen gehört deshalb neben der Erarbeitung eines Managementplans für das Welterbegebiet der Entwurf einer Strategie für die nachhaltige touristische Entwicklung der Regionen. Für einen Ausgleich widerstreitender Interessen soll eine im Mai 2010 gegründete Stiftung („Dolomiti – Dolomiten – Dolomites – Dolomitis UNESCO“) sorgen, deren Verwaltungsrat sich aus den zuständigen Landesräten der fünf Provinzen zusammensetzt. Der Vorsitz wechselt im dreijährigen Turnus in alphabetischer Reihenfolge, was eine salomonische Lösung und als solche vielleicht gar keine schlechte Voraussetzung für die Arbeit der Stiftung ist: Es gibt nämlich noch eine Menge zu tun, in Südtirol wie in den übrigen Provinzen. Und darüber, was in Zukunft geschieht, wachen nun die Augen der ganzen Welt.

BUCH-TIPP

Reinhold Messner, Ursula Demeter, Georg Tappeiner:
Dolomiten. Weltnaturerbe, München 2010

Das aktuellste und schönste Buch zum Thema versammelt neben den Beiträgen von Reinhold Messner und Ursula Demeter Texte von Erwin Brunner, Hanspeter Eisendle, Lorenz Keim, Ulrich Ladurner und Annibale Salsa. Mit den stimmungsvollen Fotos von Georg Tappeiner wird daraus eine prachtvoll gestaltete Liebeserklärung an die Dolomiten.

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