Die Internationale Bauausstellung Fürst-Pückler-Land hat die Lausitz nachhaltig verändert. Mit ihren 30 teilweise spektakulären Projekten erregte die IBA national und international Aufsehen. Auf dem Weg dorthin waren auch Widerstände zu überwinden – der Wandel funktioniert nur, wenn er von den Menschen mitgetragen wird.
Manche Besucher fühlen sich an ein schottisches Schloss erinnert, andere denken an Castel del Monte in Italien. Dabei dienten die sechs mächtigen Backsteinbauten der Biotürme von Lauchhammer ursprünglich einem äußerst profanen – und übel riechenden – Zweck: In ihrem Inneren wurden hochgiftige Abwasser aus der Koksherstellung gereinigt. „Selbst mit geschlossenen Augen wusste man hier immer, wo man sich gerade befand“, erzählt ein Einwohner. Kein Wunder, dass Stadtverwaltung und Bürger kein Interesse am Erhalt dieses letzten Reliktes ihrer Industriegeschichte hatten. Und umso erstaunter reagierten, als nach der Sanierung immer mehr Besucher die ungewöhnliche Architektur bewunderten. Die Biotürme sind exemplarisch für die Herausforderungen, mit denen die Internationale Bauausstellung Fürst-Pückler-Land zu tun hatte. „Man muss bei jedem neuen Projekt für eine hohe architektonische Qualität kämpfen, darf aber dabei nie überheblich werden und sich von der Bevölkerung abkoppeln“, sagt IBA-Geschäftsführer Rolf Kuhn rückblickend. „Die meisten Projekte wurden erst als positiv empfunden, wenn die Sanierung vorüber und die neue Nutzung erkennbar war – und wenn Fremde kamen, die den Einheimischen sagten: ‚Was habt ihr hier Tolles hingestelltʻ.“ Zudem hatte die Bauausstellung für die zehnjährige Dauer von 2000 bis 2010 mit 44 Millionen Euro ein nur schmales Budget zur Ver fügung und musste daher immer wieder auf Überzeugungsarbeit setzen, Kooperationspartner und Investoren finden.
Seit rund 100 Jahren werden in Deutschland Bauausstellungen veranstaltet mit dem Ziel, Antworten auf drängende Fragen des Städtebaus und der Landschaftsplanung zu finden. Ein thematischer Vorläufer der IBA Fürst-Pückler-Land war in den 1990er-Jahren die IBA Emscher Land im Ruhrgebiet, die erstmals den Strukturwandel einer ganzen Region begleitete. Auch in der Lausitz ging es darum, dem von Arbeitslosigkeit und Abwanderung gebeutelten Braunkohlerevier neuen Schub zu verleihen. Viele Einwohner träumten ursprünglich von einem „zweiten Mecklenburg“: viel Wasser, liebliche Landschaften, keine Industrie – als hätte es den Bergbau nie gegeben. Sie blickten dabei auf den erfolgreichen Senftenberger See. „Aber so viele Dresdener Besucher kann es gar nicht geben, um 20 oder 30 Badeseen touristisch zu nutzen“, sagt Kuhn. So entstand die heutige Mischung aus Gewässern für unterschiedlichste Zielgruppen, Relikten der Industriekultur und innovativer Architektur. Die Besucherzahlen bestätigen das Konzept: Das Bergwerk F 60 verzeichnet dreimal soviel Gäste wie ursprünglich erwartet, ebenso wie das Erlebnis-Kraftwerk Plessa. Die Slawenburg Raddusch wurde in den letzten zehn Jahren fast eine halbe Million Mal besucht. „Diese Resonanz führt dazu, dass Leute, die vorher depressiv waren, weil sie ihre Arbeit verloren hatten, wieder stolz auf ihre Region sind und Neues in die Hand nehmen – das ist für mich der messbare Erfolg!“, sagt Kuhn. Die Gaststätten füllen sich wieder, Politiker aus aller Welt geben sich die Klinke in die Hand, kleine touristische Start-up-Unternehmen vermelden Erfolge. Dieser Prozess des Wandels ist mit dem Ende der IBA nicht abgeschlossen: Zahlreiche Visionen warten noch auf Verwirklichung. Geplant ist auch ein internationaler Masterstudiengang an der BTU Cottbus verbunden mit einem Studierhaus in Großräschen – um die Ideen der IBA in die ganze Welt zu tragen.
Die 30 Projekte der IBA werden auf der Website www.iba-see2010.de vorgestellt. Über weitere Entwicklungen informieren der Zweckverband Lausitzer Seenland (www.zweckverband-lsb.de) und die Energieregion Lausitz (www.energieregion-lausitz.de).
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