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LIPARISCHE INSELN
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Melodram auf dem Vulkan 

von Daniela Schetar und Friedrich Köthe

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Quelle: DuMont Bildarchiv/Stefan Feldhoff/A. C. Martin

Die herbe Natur der Liparischen Inseln diente zahlreichen Spielfilmen als dramatische Kulisse. Karg bewachsene Vulkanhänge, das noch in den 1940er-Jahren sehr einfache, ja beinahe archaische Leben der Inselbewohner, die Bedrohung durch den Vulkan waren Inszenierung genug.

Quelle: DuMont Bildarchiv/Stefan Feldhoff/A. C. Martin Den Anfang der liparischen Filmkarriere machte ein Duell zweier Regisseure und ihrer Diven auf den beiden Vulkanen Stromboli und Vulcano. Die Casa Ingrid soll jenes Haus sein, in dem die Schauspielerin ihren Regisseur Roberto Rossellini beim Dreh für „Stromboli“ verführte – ein ungeheures Geschehen im katholischen Italien Ende der 1940er-Jahre, denn beide waren verheiratet, nur nicht miteinander. Stromboli (die Insel, nicht der Film) entwickelte sich über Nacht zum Publikumsmagneten, während „Vulcano“ (der Film, den die von Rossellini verlassene Magnani mit einem neuen Regisseur, William Dieterle, drehte) sich für die Insel eher als nachteilig erwies: Magnani spielt darin eine Prostituierte, die nach 18 Jahren Abwesenheit auf ihre Heimatinsel zurückkehrt und dort von der Dorfgemeinschaft abgelehnt wird – noch lange danach litt Vulcano unter dem hier gezeichneten Image eines engstirnigen Armenhauses.

Nanni Morettis Film „Caro diario“ („Liebes Tagebuch“, 1993), in dem der Regisseur selbst die Hauptrolle spielt, streift in seinem zweiten Teil gleich mehrere Liparische Inseln: Lipari, Salina, Stromboli und Panarea. Als Glücksfall für eine davon, nämlich Salina, erwies sich aber erst der ein Jahr später entstandene Film „Il Postino“ („Der Postmann“), den Michael Radford mit dem französischen Schauspieler Philippe Noiret und dem in Italien überaus populären Massimo Troisi drehte. Erzählt wird die Geschichte des chilenischen Dichters Pablo Neruda (Noiret), der zurückgezogen in einem Haus auf Salina lebt und eine tiefe Freundschaft zum Postboten (Troisi) entwickelt. Er fördert dessen lyrisches Potenzial, und als Neruda zurück in seine Heimat reist, ist aus dem Postino selbst ein Dichter geworden. Unvergesslich ist allen am Set Beteiligten wie auch den Bewohnern der Drehorte Pollara und Malfa die Eleganz des großen Stars Noiret, der mit eigenem Diener im kurz zuvor eröffneten Hotel Signum von Clara Rametta residierte. Unvergessen bleibt auch der schwerkranke Massimo Troisi, der eine Herzoperation verschob, um den Film beenden zu können, und einen Tag nach Abschluss der Dreharbeiten an Herzversagen starb.

Quelle: DuMont Bildarchiv/Stefan Feldhoff/A. C. Martin „Il Postino“ war für Salina der vorläufige Höhepunkt, begründet haben den cineastischen Ruhm der Insel aber die italienischen Regie-Brüder Paolo und Vittorio Taviani mit ihrem 1984 entstandenen Film „Kaos“. Die filmische Umsetzung von fünf Novellen des aus Caos bei Agrigent stammenden Dichters Luigi Pirandello wurde an verschiedenen Orten Siziliens gedreht, die eindrucksvollste Landschaftspoesie aber konnten die Regiebrüder in Salina einfangen. Dort haben sich die Tavianis dann niedergelassen und bei Lingua ein Haus gebaut. Anders als die anderen Inseln blieb Salina bis heute ihren bäuerlichen Wurzeln treu. Den cineastischen Ruhm und das damit fließende Geld investierten die Inselbewohner auch in Kulturprojekte: Clara Rametta, die eloquent-resolute Besitzerin des Hotels Signum im Inselort Malfa, kämpfte viele Jahre für ein Museo eoliano dell’Emigrazione, ein Auswanderermuseum. Im Jahr 2009 konnte es dann endlich eröffnet werden.

DOKUMENTARFILMFESTIVAL AUF SALINA

Das mediterrane Dokumentarfilmfestival SalinaDocFest, das jedes Jahr mehr internationale Aufmerksamkeit auf das ländliche Salina zieht, wurde von Vittorio Tavianis Tochter Giovanna erfolgreich initiiert. www.salinadocfest.org

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