Besucher, die zum ersten Mal nach Durban kommen, sind überrascht, denn in der Stadt erwartet sie nicht nur Afrika, sondern auch ein bisschen indische Kultur.
Schon während der englischen Kolonialzeit im vorletzten Jahrhundert waren die Zuckerrohrplantagen im damaligen Zululand eine geschätzte Einkommensquelle. Ein Problem war jedoch, dass die stolzen Krieger der Zulu-Stämme auf keinen Fall als Landarbeiter arbeiten wollten. Deshalb verpflichteten die Briten Gastarbeiter aus Indien und so kamen zwischen 1860 und 1910 über 150.000 ausländische Arbeitskräfte in die Provinz am Indischen Ozean. Die meisten von ihnen blieben auch nachdem ihre Verträge abgelaufen waren, hinzu kamen indische Händler und Rechtsanwälte wie Mahatma Gandhi, der ab 1893 für zwanzig Jahre in Südafrika arbeitete. Heute lebt in Durban die größte indische Gemeinschaft außerhalb Asiens. Der Einfluss der indischen Kultur ist auch im täglichen Leben der Stadt zu spüren.
In Durban fahren Rikschas auf der Strandpromenade Golden Mile und köstliche asiatische Gewürze werden auf dem berühmten Victoria Street Market verkauft, auf dem es früher ausschließlich indische Waren zu erwerben gab. Mittlerweile bieten auch Händler aus ganz Afrika ihre Produkte auf dem Victoria Street Market an. Das Wahrzeichen im indischen Viertel um die Dr Yusuf Dadoo Street ist die Juma Musjid, die größte Moschee der südlichen Hemisphäre.
Und natürlich haben die indischen Einwohner auch das kulinarische Angebot Durbans beeinflusst. Viele Restaurants, unzählige Cafés und kleine Läden, in denen auch frisch gekochte Gerichte verkauft werden, bieten Köstlichkeiten nach Rezepten fast aller indischen Provinzen an. Das “Taste of India” gilt als eines der besten Lokale auf der bekannten Florida Road. Besonders populär ist auch der Bunny Chow, die Hälfte oder ein Viertel eines viereckigen Weißbrots, das ausgehöhlt, dann mit köstlichen Curries gefüllt und mit dem Inneren des Brotes wieder abgedeckt wird. Es ist herrlich, das weiche Brot in die üppige Soße zu tunken. Der Bunny, so die von Einheimischen benutzte Kurzform, wird mit den Händen gegessen. Das Gericht wird als Take Away in die Zeitung des Vortages verpackt, auf besonderen Wusch gibt es dazu noch ein bisschen Sambal, eine Mischung aus Zwiebeln, Tomaten und Chili.
Seit 96 Jahren wird der Bunny Chow angeblich schon im “Patel’s Vegetarian Refreshment Room” in der Grey Street verkauft – täglich finden zwischen 400 und 500 Bunny Chows hungrige Abnehmer. Besonders elegant ist das “Jewel of India” im Southern Sun Hotel Elangeni an der Strandpromenade. Umgeben von indischem Dekor erklärt das sachkundige Personal auch unerfahrenen Gästen das Menü. Besonders empfohlen werden Hühnchen-Tikka und der Shahi Prawn Curry.
“Bhora”, der Gast ist unser Gott – das ist das Motto der Besitzer des “Vintage India” in der Point Waterfront an der Einfahrt zum Durbaner Hafen. Hier werden Gerichte aus dem Norden Indiens gekocht. Im “Jaipur Palace” in der Waterkant Street wird jeden Tag ein Buffet mit bis zu dreizehn verschiedenen Currys und einer großen Auswahl an anderen Gerichten angeboten.
Text von Dagmar Schumacher, Kapstadt
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