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Norwegen
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Lebenslust und Kultur am Fjord 

von Marie Helen Banck

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Quelle: ©iStockphoto.com/Snabelfisk

In der Vergangenheit wurde Stavanger gebeutelt und begünstigt, die Stadt im Südwesten Norwegens hat bittere Armut und märchenhaften Reichtum erlebt. All dies hat Spuren hinterlassen und die Stadt geformt. Wie kaum eine andere schafft sie es, gleichzeitig provinziell und international, verschlafen und hipp, altbacken und modern zu sein. Heute prägen verwitterte Bootshäuser, liebevoll renovierte Speicher, prachtvolle Patriziervillen das Stadtbild ebenso wie moderne Yachten, gläserne Bürogebäude und das futuristisch anmutende Ölmuseum.
Stavanger ist Vielfalt – komprimiert auf kleinstem Raum: Vom Mittelpunkt der Stadt, dem fast 900 Jahre alten, mächtigen Dom, blickt man auf das bunte Treiben des Marktes, wo eine verlockende Vielfalt an Gemüse, Fisch und Blumen angeboten wird. Im Hintergrund der Vågen, Stavangers Hafen und das Herz der Stadt mit Segelbooten, Fähren, Ausflugsdampfern, aber auch den Booten der Fischer, die einst den Reichtum der Stadt begründeten. Lässt man den Blick nur ein kleines Stück weiter aufs offene Meer wandern, ahnt man, wer heute ihren Platz in der Wirtschaft eingenommen hat: die Versorgungsschiffe der Multis auf dem Weg zu den Ölplattformen, wo nach dem schwarzen Gold gebohrt wird.

Europäische Kulturhauptstadt 2008

©iStockphoto.com/Mikeuk Stavanger ist vorrangig als Ölmetropole bekannt und viele waren erstaunt, als es zur „Europäischen Kulturhauptstadt 2008“ gekürt wurde. Aber das überaus verdient! Die Stadt investiert seit langem in Kunst und Kultur und ist berühmt für die vielen internationalen, teilweise auch ungewöhnlichen Festivals, darunter der Mai-Jazz, die Knoblauchwochen im Café Sting, das Numusic Festival für neue Musik, das Kammermusikfestival oder das Humorfestival. Als Kulturhauptstadt präsentiert Stavanger dieses Jahr unter dem Motto „Open Port“ (Offener Hafen) ein schillerndes Programm, das von Darbietungen von Straßenkünstlern über Kunstaustellungen, Kinderfesten und Technikworkshops bis zu Ausflügen in die landschaftlich überragende Natur reichen. Der dargebotene Cocktail aus Kunst, Kultur und Unterhaltung zeigt deutlich – Stavanger bemüht sich erfolgreich um ein neues Image jenseits des Öls.

Zurück in die Vergangenheit

Es mag einem vorkommen wie eine Zeitreise, wenn man aus den schicken Shoppingstraßen, wo das Neueste der Modewelt zu finden ist, in ein paar Spazierminuten nach Gamle Stavanger in die historische Altstadt gelangt. Hier reihen sich die typischen, weiß gestrichenen Holzhäuser aus dem 18./19. Jh. aneinander. Enge gepflasterte Gassen und altmodische Gaslaternen versetzen den Besucher in eine nostalgische Stimmung. In den kleinen Puppenstuben ähnelnden Häusern befinden sich viele Künstlerateliers und ausgefallene Handwerksläden – ideal zum Schlendern und Stöbern. Mitten in Gamle Stavanger liegt das Konservenmuseum. Es erzählt von dem rasanten Aufstieg Stavangers zur Fischerei- und später bedeutenden Konservenstadt. Aber es ist auch eine Geschichte von der rücksichtslosen Bereicherung der Fabrikbesitzer und den Folgen von Industrialisierung und Kinderarbeit.

Ausgehen in Stavanger

©iStockphoto.com/Snabelfisk In den Cafés am Hafen, in den Fußgängerzonen, auf Treppenstufen und Yachten trifft man auf die Einheimischen, die nach der mørketiden, der dunklen Zeit im Winter, jeden Sonnenstahl nutzen und dort gern ein kühles Pils konsumieren. Auch wenn die Preise teilweise schwindelerregend hoch sind, sollte man sich zu ihnen gesellen und das Treiben um und auf dem Vågen beobachten. Stavanger eignet sich wunderbar zum Ausgehen. Viele der Lokale und Clubs liegen nur wenige Fußminuten voneinander entfernt, und bei milden Temperaturen trifft man auf Nachtschwärmer, die von einer Kneipe zur nächsten pilgern. Das Spektrum ist groß und bietet unter anderem das günstige Studentenlokal Akvariet, das Cement im Stil einer Bibliothek, Clubs, wo zu später Stunde elektronische Beats den Ton angeben, das Newsman, wo über das Weltgeschehen informiert wird, das rockige Checkpoint Charlie, den Irishman oder das legendäre Café Sting.

Weiße Strände und wilde Fjorde

Stavanger liegt inmitten spektakulärster Natur. Im Süden erstrecken sich Norwegens längste Sandstrände. Der Solastrand, laut Sunday Times einer der schönsten der Welt, gilt zudem als bester Surfspot des Landes. Wenn hier die Sonne scheint, verbreitet sich ein nahezu karibisches Feeling. Im Osten und Norden von Stavanger aber liegt das, wofür Norwegen berühmt ist: seine Fjorde. Der Lysefjord, von Stavanger bequem per Schiff zu erreichen, schneidet sich 40 km tief in eine imposante Gebirgswelt ein, deren blank gescheuerte Felswände über weite Strecken steil zum Wasser abfallen. Die Perle des Lysefjords ist der Preikestolen, eine Felskanzel, die in Schwindel erregender Höhe über dem Fjord aufragt. Man kann hinaufwandern, was trotz des nicht ganz einfachen Aufstieges unbedingt empfehlenswert ist. Die Aussicht von dem fast quadratischen, ebenen Felsplateau über den Lysefjord ist atemberaubend, das Heranrobben an die dann fast 604 m senkrecht abstürzende Felskante auch für Schwindelfreie aufregend.

Tipp: Fisch essen

Frischer Hering, Stockfisch, Blaumuscheln, Lachs oder Krabben gefällig? Stavanger bietet erstklassige Meeresspezialitäten, die jeden Gaumen in Entzücken versetzen. Am Skagenkaien direkt am Vågen liegen viele gemütliche Restaurants. Eine preisgünstige Alternative ist der Markt am Vågen, wo man Köstlichkeiten aus Neptuns Reich zum Selberzubereiten oder – bereits geräuchert, gegrillt oder eingelegt – zum Sofortgenuss auf die Hand bekommen kann. Na dann Guten Appetit!

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